Fahrbericht Robson Moonster von Nils Kagel
Sie sind deutlich voluminöser als Spielboote, kommen jedoch trotzdem schnittig
und agil daher. Kajaks, die auch im leichten bis mittelschweren Wildwasser eine
gewisse Sportlichkeit nicht vermissen lassen, zugleich jedoch die nötigen
Sicherheitsreserven für anspruchsvollere Gewässer besitzen, liegen
voll im Trend. Zu dieser Bootsklasse gehören u.a. der GTX von Dagger, der
Bullet von Lettmann oder der H3 von Pyranha. Auch die stolzen Bajuwaren von
Robson haben mit dem Moonster einen sogenannten Semicreeker auf den Markt gebracht,
der sich als gutmütiger Allrounder gegen die mächtige Konkurrenz behaupten
soll.
(Foto: Robson)
Ausstattung
Der Moonster ist sicherlich kein Leichtgewicht. Dafür verspricht
die robuste Hülle langanhaltenden Fahrspaß auf steinigen Bächen.
Der relativ flache Querschnitt lässt den Einbau von Schaumkeilen hinten
und vorne sinnvoll erscheinen, da nur so einer Verformung des relativ weichen
PE-Materials bei Klemmunfällen vorgebeugt werden kann. Auch Fahrer, die
hierin ein Sicherheitsproblem zu erkennen glauben, können beruhigt einsteigen.
Selbst im Sitzen komme ich mit meinen 90 cm langen Beinen und Schuhgröße
47 ohne Probleme aus der sehr weit bemessenen Luke heraus.
Die Einbauten des Moonsters sind schlicht, aber zweckmäßig. Die
verstellbaren Schenkelstützen bieten zwar guten Halt, sind jedoch ergonomisch
ungünstig geschnitten und drücken deshalb ein wenig am Oberschenkel.
Die Prallplatte entspricht hingegen den gängigen Standards und weist keine
Mängel auf. Der bequeme Sitz ist mittels Lochraste und Schrauben ohne größeren
Aufwand zu trimmen. Mitgelieferte selbstklebende Polster bieten den nötigen
Halt an den Hüften und am Allerwertesten. Eine Besonderheit der Robson-Wildwasserboote
ist die Straffung des Rückengurts mittels justierbarem Hebelspanner. Ein
direkt am Sitz befestigter Plastiksteg verhindert zudem das lästige Verrutschen
des Gurts beim Einsteigen. Es sollte allerdings darauf geachtet werden, dass
die Drähte am Spannhebel gut verschraubt sind, da sie ansonsten unter Belastung
leicht mal herausgleiten können.
Auch an der Decksausstattung ist nur wenig auszusetzen. Die Trageschlaufen
sind gut handhabbar und erscheinen recht solide. Sehr löblich ist außerdem
das Anbringen von Metallbügeln für das Einhängen von Karabinern
unmittelbar vor und hinter der Luke. Sie können im Falle einer Bergung
wichtige Ansatzpunkte für einen Flaschenzug bilden. Es muss lediglich bemängelt
werden, dass die Bügel etwas scharfkantig sind und nicht im Oberschiff
versenkt wurden.
Fahreigenschaften
Länge läuft! Dieses Prinzip macht sich der Moonster gern
zu eigen. Seine 262 cm und die relativ gerade Kiellinie lassen in puncto Beschleunigungsverhalten
und Endgeschwindigkeit keine Wünsche offen, wobei die gerundeten Kanten
im Unterschiff die nötige Führung ermöglichen. Diese Eigenschaften
machen das Boot zum Favoriten für breite und wasserreiche Flüsse.
Trotzdem verleiht das abgeflachte Unterschiff dem Moonster immer noch eine ausreichende
Wendigkeit, um auf technischen, nicht allzu engen Bächen bestehen zu können.
Dabei lässt er sich ähnlich wie ein Slalomboot recht gut übers
Heck drehen, ohne allerdings gleich zu unterschneiden. Aufpassen muss man bei
starken Schiebe- und Presswassern, da die steilen Flanken in Rumpfmitte eine
gute Angriffsfläche bieten.
Wo schnelle Seitenwechsel erforderlich sind, ist der Moonster in seinem Element
(Kühtrein-Schlucht, Ötztaler Ache, Videograph: Bernhard Mauracher).
Sehr angenehm am Moonster ist, dass er dank des langgezogenen Hinterschiffes
beim Durchfahren von Wellen und Walzen kaum zum Kerzen neigt. Hierdurch gestaltet
sich allerdings auch das Boofen etwas schwieriger als bei einem kürzeren
Boot mit mehr Kielsprung am Heck. Durch entsprechendes Beschleunigen lässt
sich dieses Manko jedoch locker ausgleichen. Stufen über fünf Meter
Höhe sollte man dennoch nach Möglichkeit nicht brettflach nehmen,
da das Boot aufgrund des flächigen Unterschiffes kaum eintaucht (hoher
Zwergelfaktor).
Besonders deutlich wird der Unterschied zu einem "richtigen" Creeker,
wenn das Vorderschiff des Moonsters nach einem missglückten Boof oder beim
Durchfahren einer tiefen Walze unter die Wasseroberfläche gerät. Das
nur leicht gerundete Oberschiff, der vergleichsweise geringe Kielsprung und
das niedrige Volumen in den Spitzen wirken insbesondere bei schweren Fahrern
wie mir einem schnellen Auftauchen entgegen. Allerdings muss fairerweise angemerkt
werden, dass der Moonster nicht unbedingt für steile Tessiner Technobäche,
sondern vor allem für wuchtiges Wildwasser Marke Ötztal und Norwegen
konzipiert wurde.
Auch in wuchtigen Katarakten weiß der Moonster zu bestehen (Kühtrein-Schlucht,
Ötztaler Ache, Videograph: Bernhard Mauracher ).
Auf leichtem bis mittelschwerem Wildwasser ist der Moonster das ideale Boot
für Anfänger und Fortgeschrittene, denen es weniger um Spieltauglichkeit
als vielmehr um das Erlernen einer sauberen Fahrtechnik geht. Die sehr geringe
Oberwasserempfindlichkeit und das großzügige Platzangebot lassen
auch längere Fahrten nicht zur Qual werden. Trotzdem erfordert der Moonster
im Gegensatz zu alten Rundbodenschiffen einen aktiven Fahrstil, damit sein Pilot
nicht zum Dauergast in der Fischwelt wird.
Entspanntes Kreuzen mit dem Moonster (Videograph: Bernhard Mauracher).
Fazit
Der Moonster ist ein vielseitiges Wildwasserkajak, das einem sportlichen
Fahrstil entgegenkommt. Obwohl er sich nicht uneingeschränkt für alle
Gewässer eignet, kann er, das entsprechende Können vorausgesetzt,
auch im oberen Schwierigkeitsbereich eingesetzt werden. Kleinere Mängel
bei der Ausstattung macht der Moonster mit seinem Preis von gerade einmal 799,-
Euro (!) schnell wieder wett.
Bootsdaten (Herstellerangaben)
Länge: 262 cm
Breite: 63 cm
Höhe: 32 cm
Volumen: 255 l
Gewicht: 20,5 kg
Lukengröße: 91 x 49 cm (keyhole)
Preis: 799,- Euro
Nils Kagel
Soulboater.com 2003
|