| Robson Red Fred Twin-Tip ´03
| Bootsdaten:
(laut Hersteller)
Länge: 196 cm
Breite: 66 cm
Höhe: 38 cm
Volumen: 190 Liter
Gewicht: 14,6 kg |
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Testpaddler:
Maße: 181 cm, 45er Schuhe, ca. 75 kg,
Paddlertyp: fortgeschrittener Spielbootfahrer ohne Homespot o.ä.
Vorher intensiv gefahrene Boote: Machine, Delirious, Delirium, G-Force 6.3,
Disco, Igo.
Airloop in Plattling
Testbericht:
Ausstattung, Komfort:
Der Twin-Tip kommt, wie schon vom Red-Fred 220 bekannt, mit dem innovativen
Robson Logic-Pro-Sitz einher. Dieses System funktioniert, für die, die´s
noch nicht kennen, ähnlich wie eine Skibindung. Der Rückengurt wird
über umgelenkte Stahlseile mit einem massiven Hebel zwischen den Beinen
gespannt. Das System muss einmal eingestellt werden, was durch eine Verringerung
oder Erhöhung der Hebelwirkung via Verstellschraube ganz komfortabel sitzend
im Boot geschieht. Danach setzt man sich nur noch rein, legt den Hebel um und
sitzt bombenfest. Desweiteren ist der Rückengurt durch eine elastische
Plastikstütze sogar in der Höhe zu verstellen. Der Sitz ist durch
eine leicht zugängliche Flügelmutter leicht verschiebbar. Auch die
Schenkelstützen lassen sich mit einem simplen Inbusschlüssel schnell
verschieben. Selbstklebende Hüftfittings mit verschiedenen Platten zum
individuellen Ausfitten sowie ein vorgeschnittener, perfekt geshapeter Fußblock
werden mitgeliefert, so dass das Anpassen des Bootes relativ schnell vonstatten
geht. Steif gehalten wird die Hülle durch eine der Länge nach senkrecht
eingepasste PE-Platte, die auf dem Bootsboden festgeklebt ist und vorne und
hinten durch Schaumkeile angepresst wird. Dadurch weist die Hülle nur eine
geringe Flexibilität auf, was einem sauberen Fahrverhalten entgegenkommt.
Blunt
Mit seiner extremen Volumenverteilung (massives Cockpitvolumen und dünne
Enden) und geringen Länge ist der Twin-Tip wohl eher für durchschnittliche
Paddler (wie mich) gedacht. Wir hatten auch schon Leute mit 191cm und 47er Schuhen
drin sitzen. Dann muss der Sitz allerdings ganz nach hinten, womit das Boot
aus der Balance kommt und vor allem auch der hochgezogene Süllrand Probleme
machen kann. Dieser ist zwar auch für Normalpaddler gewöhnungsbedürftig,
stellt aber kein großes Problem dar. Mir persönlich passt das Boot
wie angegossen. Es ist bei weitem das bequemste und bestsitzende Boot, das ich
bisher gefahren bin. Ich fahre den Sitz genau in der Mitte und hab´ noch
Platz genug.
(Für potentielle Fahrer: TESTEN! Nicht jeder passt rein, also nicht blind
kaufen o.ä.. Evt. lässt sich der Fußraum durch Erhitzen und
Dehnen der Bootshülle vergrößern, womit allerdings die Garantie
des Herstellers erlischt)

CompClean
Fahrverhalten, Performance:

Speedrausch
Welle:
Der TwinTip ist ein erstklassiger Allrounder. Egal ob Welle oder Walze, er begeistert
auf beidem. Durch die lange Wasserlinie und die generell wenig aufgebogenen
Spitzen ist er für ein Stummelboot verdammt schnell. Der Flachboden ist
insgesamt ähnlich dem Tri-Hull-Prinzip der Necky-Boote aufgebaut und besitzt
nicht die bei vielen anderen Booten allgegenwärtigen Rails. Dafür
ist er mit einer sauberen durchgehenden Kante versehen. Vorne und hinten sind
in den Boden noch "Kicker" eingebaut, die den extremen Kickrocker
vieler anderer Stummel ersetzen und damit Bouncen zu einem wahren Kinderspiel
machen, ohne viel Geschwindigkeit zu nehmen.
Sein Unterwasserschiff gibt dem Boot eine Wellenperformance, wie man sie von
einem Stummelboot kaum erwartet hätte. Man kann immer noch verhältnismäßig
gut carven. Schon auf kleineren Wellen reicht die Geschwindigkeit aus, um mit
sauberem Bouncen krasse Aireals zu werfen. Selbst grüne Wellen (Test: Plattling
Mitte und Secret Spot) sind kein Problem und Fliegen ist mit dem Boot absolut
einfach.
Air
Die scharfe Kante löst das Boot bei Flipturns schön vom Wasser, was
den modernsten Moves wie dem Helix m.E. nur zu gute kommen kann (meine Versuche
endeten aber immer im Washout. Irgendwie fehlte dann doch ein wenig das Können).
Einfache Blunts sind mit den dünnen Enden ebenfalls kinderleicht. Obendrein
ist die Hülle aufgrund der breiten Plattform ohne Rails extrem loose, so
dass Cleanspins etc. sehr vereinfacht werden.
Der hoch sitzende Süllrand ist erstaunlicherweise selbst bei Figuren mit
extremer Rücklage, wie Californiarolls, kein Thema. Zwar spürt man
ihn, aber er behindert nicht. Zu den namensgebenden Enden des Bootes: Interessant
aussehen tun sie auf jeden Fall, über die Wirkung kann ich jedoch nicht
viel sagen. Ich denke, dazu müsste man das gleiche Boot mit klassischen
Enden Kopf an Kopf testen. Der ewigen Diskussion über dies Thema schließe
ich mich hier nicht an.
PanAm (Ansgar Linder)
Walze:
Volltreffer! Auch hier ist das Boot nahezu perfekt. Durch das immense Volumen
im Cockpitbereich bleibt das Boot schön in der Walze und durch die dünnen
Enden rotiert es bei Cartwheels etc. relativ kontrolliert, wenn auch natürlich
nicht ganz so stabil wie längere Boote. Dabei ist es im Gegensatz zum G-Force,
Air oder Igo immer noch ziemlich ausbalanciert, so dass das Cleanen von Enden
sehr einfach ist. Cartwheelen mit dem Boot hat ein amerikanischer Tester mal
mit der Rotation eines Beachvolleyballs mit zwei Enden verglichen, was den Nagel
so ziemlich auf den Kopf trifft. Durch das große Volumen im runden Cockpit
sitzt man schon beim Flachwasserwheelen extrem hoch.

Flipturn
Und jetzt kommt´s:
Robson wirbt für das Boot mit dem Slogan "Das Boot für den Loop!"
Damit hat er zwar hoch gegriffen, aber wohl trotzdem nicht übertrieben.
Kaum ein anderes Boot dieser Klasse macht den Loop so einfach. Durch den geringen
Rocker lässt sich der Bug spielend leicht versenken, um das Boot richtig
tief und mit Speed in die Walze zu hauen. Das fette Volumen lässt einen
dann zu Aireal-Loops aufsteigen, von denen man bisher nur geträumt hat.
Hier kommt aber leider auch der Süllrand erstmals negativ ins Spiel. Wenn
man nämlich wieder in die Walze zurückkracht, kann der einem doch
schon mal ein paar blaue Flecken verpassen. Da dies aber das einzige negative
Merkmal dieses Bootes ist, kann man darüber getrost hinwegsehen.
Sven beim Airloop
Fazit:
Robson hat mit dem Twin-Tip einen extrem gut funktionierenden Allrounder gebaut,
der komplett begeistern kann und das zu einem Preis, der andere moderne Designs
um bis zu 500€ (!) unterbietet. Das Boot vereint, zumindest für mich,
alles, was ich bisher in einem Spielboot gesucht habe, wozu ich jedoch mindestens
zwei Boote benötigt hätte: Speed, Bounce, Kante, Pop und trotzdem
kontrolliertes Wheelen.
Text by: Sven Perschmann
Kamera: Björn Perschmann (Plattling), Matze Raabe
Paddler: 1x Ansgar Linder, sonst Sven
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