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Fahrbericht Robson RedFred Twintip 2003
geschrieben von Sven Perschmann, erstellt am 30.05.2003

Robson Red Fred Twin-Tip ´03

Bootsdaten: (laut Hersteller) Länge: 196 cm Breite: 66 cm Höhe: 38 cm Volumen: 190 Liter Gewicht: 14,6 kg

Testpaddler:

Maße: 181 cm, 45er Schuhe, ca. 75 kg, Paddlertyp: fortgeschrittener Spielbootfahrer ohne Homespot o.ä. Vorher intensiv gefahrene Boote: Machine, Delirious, Delirium, G-Force 6.3, Disco, Igo.


Airloop in Plattling

Testbericht:

Ausstattung, Komfort:

Der Twin-Tip kommt, wie schon vom Red-Fred 220 bekannt, mit dem innovativen Robson Logic-Pro-Sitz einher. Dieses System funktioniert, für die, die´s noch nicht kennen, ähnlich wie eine Skibindung. Der Rückengurt wird über umgelenkte Stahlseile mit einem massiven Hebel zwischen den Beinen gespannt. Das System muss einmal eingestellt werden, was durch eine Verringerung oder Erhöhung der Hebelwirkung via Verstellschraube ganz komfortabel sitzend im Boot geschieht. Danach setzt man sich nur noch rein, legt den Hebel um und sitzt bombenfest. Desweiteren ist der Rückengurt durch eine elastische Plastikstütze sogar in der Höhe zu verstellen. Der Sitz ist durch eine leicht zugängliche Flügelmutter leicht verschiebbar. Auch die Schenkelstützen lassen sich mit einem simplen Inbusschlüssel schnell verschieben. Selbstklebende Hüftfittings mit verschiedenen Platten zum individuellen Ausfitten sowie ein vorgeschnittener, perfekt geshapeter Fußblock werden mitgeliefert, so dass das Anpassen des Bootes relativ schnell vonstatten geht. Steif gehalten wird die Hülle durch eine der Länge nach senkrecht eingepasste PE-Platte, die auf dem Bootsboden festgeklebt ist und vorne und hinten durch Schaumkeile angepresst wird. Dadurch weist die Hülle nur eine geringe Flexibilität auf, was einem sauberen Fahrverhalten entgegenkommt.


Blunt

Mit seiner extremen Volumenverteilung (massives Cockpitvolumen und dünne Enden) und geringen Länge ist der Twin-Tip wohl eher für durchschnittliche Paddler (wie mich) gedacht. Wir hatten auch schon Leute mit 191cm und 47er Schuhen drin sitzen. Dann muss der Sitz allerdings ganz nach hinten, womit das Boot aus der Balance kommt und vor allem auch der hochgezogene Süllrand Probleme machen kann. Dieser ist zwar auch für Normalpaddler gewöhnungsbedürftig, stellt aber kein großes Problem dar. Mir persönlich passt das Boot wie angegossen. Es ist bei weitem das bequemste und bestsitzende Boot, das ich bisher gefahren bin. Ich fahre den Sitz genau in der Mitte und hab´ noch Platz genug. (Für potentielle Fahrer: TESTEN! Nicht jeder passt rein, also nicht blind kaufen o.ä.. Evt. lässt sich der Fußraum durch Erhitzen und Dehnen der Bootshülle vergrößern, womit allerdings die Garantie des Herstellers erlischt)


CompClean

Fahrverhalten, Performance:


Speedrausch

Welle: Der TwinTip ist ein erstklassiger Allrounder. Egal ob Welle oder Walze, er begeistert auf beidem. Durch die lange Wasserlinie und die generell wenig aufgebogenen Spitzen ist er für ein Stummelboot verdammt schnell. Der Flachboden ist insgesamt ähnlich dem Tri-Hull-Prinzip der Necky-Boote aufgebaut und besitzt nicht die bei vielen anderen Booten allgegenwärtigen Rails. Dafür ist er mit einer sauberen durchgehenden Kante versehen. Vorne und hinten sind in den Boden noch "Kicker" eingebaut, die den extremen Kickrocker vieler anderer Stummel ersetzen und damit Bouncen zu einem wahren Kinderspiel machen, ohne viel Geschwindigkeit zu nehmen. Sein Unterwasserschiff gibt dem Boot eine Wellenperformance, wie man sie von einem Stummelboot kaum erwartet hätte. Man kann immer noch verhältnismäßig gut carven. Schon auf kleineren Wellen reicht die Geschwindigkeit aus, um mit sauberem Bouncen krasse Aireals zu werfen. Selbst grüne Wellen (Test: Plattling Mitte und Secret Spot) sind kein Problem und Fliegen ist mit dem Boot absolut einfach.


Air

Die scharfe Kante löst das Boot bei Flipturns schön vom Wasser, was den modernsten Moves wie dem Helix m.E. nur zu gute kommen kann (meine Versuche endeten aber immer im Washout. Irgendwie fehlte dann doch ein wenig das Können). Einfache Blunts sind mit den dünnen Enden ebenfalls kinderleicht. Obendrein ist die Hülle aufgrund der breiten Plattform ohne Rails extrem loose, so dass Cleanspins etc. sehr vereinfacht werden.

Der hoch sitzende Süllrand ist erstaunlicherweise selbst bei Figuren mit extremer Rücklage, wie Californiarolls, kein Thema. Zwar spürt man ihn, aber er behindert nicht. Zu den namensgebenden Enden des Bootes: Interessant aussehen tun sie auf jeden Fall, über die Wirkung kann ich jedoch nicht viel sagen. Ich denke, dazu müsste man das gleiche Boot mit klassischen Enden Kopf an Kopf testen. Der ewigen Diskussion über dies Thema schließe ich mich hier nicht an.


PanAm (Ansgar Linder)

Walze: Volltreffer! Auch hier ist das Boot nahezu perfekt. Durch das immense Volumen im Cockpitbereich bleibt das Boot schön in der Walze und durch die dünnen Enden rotiert es bei Cartwheels etc. relativ kontrolliert, wenn auch natürlich nicht ganz so stabil wie längere Boote. Dabei ist es im Gegensatz zum G-Force, Air oder Igo immer noch ziemlich ausbalanciert, so dass das Cleanen von Enden sehr einfach ist. Cartwheelen mit dem Boot hat ein amerikanischer Tester mal mit der Rotation eines Beachvolleyballs mit zwei Enden verglichen, was den Nagel so ziemlich auf den Kopf trifft. Durch das große Volumen im runden Cockpit sitzt man schon beim Flachwasserwheelen extrem hoch.


Flipturn

Und jetzt kommt´s: Robson wirbt für das Boot mit dem Slogan "Das Boot für den Loop!" Damit hat er zwar hoch gegriffen, aber wohl trotzdem nicht übertrieben. Kaum ein anderes Boot dieser Klasse macht den Loop so einfach. Durch den geringen Rocker lässt sich der Bug spielend leicht versenken, um das Boot richtig tief und mit Speed in die Walze zu hauen. Das fette Volumen lässt einen dann zu Aireal-Loops aufsteigen, von denen man bisher nur geträumt hat. Hier kommt aber leider auch der Süllrand erstmals negativ ins Spiel. Wenn man nämlich wieder in die Walze zurückkracht, kann der einem doch schon mal ein paar blaue Flecken verpassen. Da dies aber das einzige negative Merkmal dieses Bootes ist, kann man darüber getrost hinwegsehen.


Sven beim Airloop

Fazit: Robson hat mit dem Twin-Tip einen extrem gut funktionierenden Allrounder gebaut, der komplett begeistern kann und das zu einem Preis, der andere moderne Designs um bis zu 500€ (!) unterbietet. Das Boot vereint, zumindest für mich, alles, was ich bisher in einem Spielboot gesucht habe, wozu ich jedoch mindestens zwei Boote benötigt hätte: Speed, Bounce, Kante, Pop und trotzdem kontrolliertes Wheelen.

Text by: Sven Perschmann
Kamera: Björn Perschmann (Plattling), Matze Raabe
Paddler: 1x Ansgar Linder, sonst Sven

 

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