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Testbericht Robson Charger
geschrieben von Nils, erstellt am 14.10.2005

Der Robson Charger - ein sportlicher Creeker für XXL-Paddler

Dies ist zugegebenermaßen nicht der erste Fahrbericht zum Robson Charger, aber nach einer längeren Testphase finde ich es angebracht, doch noch etwas über ihn zu schreiben. Grundsätzlich stimme ich mit dem Urteil anderer Tester überein. Es handelt sich um einen schnellen und sicheren Creeker, der seinen geringen Preis voll und ganz wert ist.

Ob die Ausstattung des Chargers gefällt, hängt ganz entscheidend vom Körperbau des Fahrers ab. Der Sitz ist meiner Meinung nach bequem und funktionell. Er lässt sich unkompliziert verstellen und bietet, wenn er gefittet ist, ausreichend Halt zu den Seiten. Der in den Sitz integrierte Klappmechanismus des Rückengurtstrammers funktioniert einwandfrei und ist darüber hinaus wesentlich verschleißfreier als Ratschensysteme. Der Rückengurt selber ist durch seine Fixierung am Sitz weniger flexibel als in anderen Booten. Dies hat jedoch den Vorteil, dass er auch bei extremer Rückenlage des Fahrers nicht verrutscht.

Die Luke des Chargers ist ungewöhnlich groß, eignet sich jedoch für alle gängigen Keyhole-Spritzdecken. Die einfach gestalteten Schenkelstützen könnten ein klein wenig mehr heruntergezogen sein, gehen aber ansonsten in Ordnung. Insbesondere Langbeinern empfehle ich, die Position der Schenkelstützen und des Sitzes so einzustellen, dass man auch im Sitzen die Beine geschlossen anziehen kann.

Der Bein- und Fußraum ist sehr großzügig bemessen. Selbst mit stabilen Schuhen der Größe 47 und einer Innenbeinlänge von 90 cm passt man ohne Probleme ins Boot. Die Unterschenkelstützen sind grundsätzlich eine gute Idee und viele Paddler fahren sie durchaus gerne. Allerdings hatte ich das Gefühl, die Beine nicht weit genug nach außen spreizen zu können und habe sie deshalb nach meiner ersten Testfahrt ausgebaut.

Die Edelstahlbügel an Bug und Heck wirken robust und erleichtern das Einhängen von Karabinern und anderem Bergegerät. Leider wurde es versäumt, auch hinter der Luke ähnliche Bügel einzubauen.

Aufgrund seines relativ hohen Gewichts ist der Charger sicherlich kein Boot für Frauen und Jugendliche. Dies muss jedoch nicht unbedingt ein Nachteil sein. Hat sich in der Vergangenheit doch allzu häufig gezeigt, dass speziell die teuren Leichtbaukajaks schon nach einer Saison das Zeitliche segnen.     
 
Ich konnte den Charger auf einer Reihe von Flüssen mit unterschiedlichem Charakter testen, u. a. auf der Brandenberger Ache (Tiefenbachklamm), Saalach (Lofer-Schlucht), Ötztaler Ache (Heiligkreuz, Mittlere, Wellerbrücke), dem  Ruetzbach (untere Schlucht) und Gulling (Forsthauskatarakt). Am Anfang erschienen mir seine Fahreigenschaften etwas gewöhnungsbedürftig, dann merkte ich jedoch schnell, dass er gerade in schwerem Wildwasser wichtige Qualitäten aufweist. 

Das schmale Unterwasserschiff sorgt zusammen mit der langen Kiellinie und Kanten im Mittelschiff für ausreichend Richtungsstabilität, gutes Beschleunigungsverhalten sowie eine hohe Endgeschwindigkeit, ohne dass die Wendigkeit allzu sehr darunter leidet. Allerdings reagiert der Charger sehr empfindlich auf wechselnde Strömungen. Besonders an Verschneidungslinien muss man höllisch aufpassen, dass es einem nicht ungewollt den Bug herumreißt. Ist das Boot erst einmal aus der Spur geraten, hilft häufig nur noch ein beherzter Konterschlag, um ihn wieder auf Kurs zu bringen. Mit etwas Gefühl lassen sich solche Situationen jedoch vermeiden und nicht nur auf wuchtigen Bächen machte mir das Kehrwasserfahren mit dem Charger viel Spaß.

Das Boofverhalten ist trotz des spät ansetzenden Kielsprungs überraschend gut, zumindest bei einem Fahrergewicht von über 90 kg. Außerdem sorgt das abgerundete Oberschiff verbunden mit dem hohen Gesamtvolumen für ein außerordentlich rasches und kontrolliertes Auftauchen nach Stufen. Die Gefahr, sich zu überschlagen, ist gering. Oberwasserempfindlichkeit ist für den Charger ein Fremdwort. Darüber hinaus lässt er sich problemlos rollen. Aufgrund des voluminösen Hinterschiffs gestalten sich Rodeorollen und tiefe Paddelstützen allerdings etwas schwieriger.

Fazit: Der Robson Charger ist ein reinrassiger Creeker ohne spielerische Allüren. Trotz seines behäbigen Aussehens vermittelt er keinesfalls „Gattino-Feeling“, sondern reizt durchaus zu einer aktiven Fahrweise. Vor allem lange und schwere Fahrer, die gerne auch mal wuchtigeres Wildwasser fahren, werden sich mit ihm anfreunden können. 

Technische Daten

Länge: 254 cm
Breite: 65 cm
Höhe: 36 cm
Luke: 92 x 45 cm
Volumen: 315 Liter
Gewicht: 21 kg

weitere Infos: www.robsonpaddle.de

Text: Nils Kagel
Fotos: Franz Puckl, Kanuschule Kitzalp

 

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