1 Milliarde Euro für Ötztal-Kraftwerk
Erstmals nach 25 Jahren will die landeseigene Tiroler Wasserkraft AG (Tiwag)
wieder große Speicherkraftwerke errichten. Ein neues Groß-Wasserkraftwerk
ist nach Angaben der "Tiroler Tageszeitung" im Ötztal geplant.
Der Bau könnte bis zu einer Mrd. Euro kosten. Bis Herbst soll dem Land
ein Optionenbericht über mögliche Projekte vorgelegt werden. Das neue
Kraftwerk im hinteren Ötztal könnte noch größer als das
Tiwag-Kraftwerk Sellrain-Silz ausfallen. Mit einer Leistung von 781 Megawatt
(MW) und einer Regeljahreserzeugung von 718 Gigawattstunden (GWh) zählt
Sellrain-Silz bisher zu den leistungsstärksten Kraftwerksgruppen der gesamten
Ostalpen.
Für das Kraftwerk im Ötztal müsste der Energie-Landesversorger
jedenfalls tief in die Kasse greifen: Eine Bausumme von einer Mrd. Euro gilt
als sehr realistisch. Der Wirtschaft würden Riesenaufträge winken.
Ebenfalls im Optionenbericht enthalten sein soll das Achenseekraftwerk II, das
bereits vom früheren Tiwag-Vorstand ins Spiel gebracht wurde. Dieses würde
etwa 200 MW pro Jahr leisten und 300 Mio. Euro kosten. Ein weiteres größeres
Projekt könnte im Kauner- bzw. Pitztal entstehen.
Laut Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer braucht Tirol das Ja zu weiteren großen
Wasserkraftwerken, weil die Eigenversorgung Tirols rasant zurückgehe und
die Vorlaufzeit bis zu zehn Jahre betrage. Wenn Tirol nicht wieder neue Groß-Kraftwerke
baue, würde sich die Eigenversorgung bis 2015 auf nur noch 39 Prozent (Tiwag)
bzw. 56 Prozent (gesamte Tiroler Produktion) reduzieren. Die Versorgungssicherheit
und die Unabhängigkeit Tirols sah Wallnöfer in diesem Fall massiv
gefährdet.
Quelle: APA-Onlinejiournale
Tiwag will vier Stauseen im Ötztal
Jährlich sollen 2300 Gigawattstunden Spitzenstrom erzeugt werden.
Nach einem dem Standard vorliegenden Lageplan der Tiwag, plant Tirols Energiekonzern
die Errichtung von vier Speicherseen im Ötztal. Im hintersten Ventertal
ist der Speicher Rofen geplant, im Sulztal bei Längenfeld - wie berichtet
- der Speicher Fischbach. Beide Speicher sollen jeweils 120 Millionen Kubikmeter
Wasser fassen. Beim 1982 fertig gestellten letzten Großprojekt, der Kraftwerksgruppe
Sellrain-Silz, verfügt der dortige Finstertalstausee nur über das
halbe Fassungsvermögen.
Zusätzlich sollen nach den Tiwag-Plänen die Venter Ache unterhalb
von Vent und die Ötztaler Ache zwischen Sölden und Huben aufgestaut
werden. In dem geheimen Tiwag-Papier wird die Gesamtleistung der vier Kraftstufen
mit gigantischen 2300 GWh angegeben - das ist die dreifache Strommenge, die
Sellrain-Silz erzeugt. Voraussetzung für diese Leistung ist der Einsatz
von billigem Strom aus Atomkraft- beziehungsweise kalorischen Kraftwerken, um
Wasser im "Wälzbetrieb" immer wieder zur nächsthöher
gelegenen Staustufe hochzupumpen. Laut Tiwag-Lageplan ist das eigentliche Kraftwerk
am Eingang des Ötztales nördlich von Ötz vorgesehen.
Strikte Informationssperre
Der urlaubende Tiwag-Vorstandsdirektor Bruno Wallnöfer hat, so dessen Pressesprecher,
über alle Speicherkraftwerksprojekte eine strikte Informationssperre verhängt.
Geplant sei ein "Optionenbericht", der im Herbst Politik und Bevölkerung
zur Diskussion vorgelegt werden soll.
Jakob Wolf, VP-Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Umhausen, bestätigt,
dass die Bürgermeister des Ötztales über "Grobpläne",
das Sulztal betreffend, von der Tiwag informiert worden seien. Kein Problem
sieht Wolf darin, dass beide Großspeicher in Ruhegebieten liegen. Seine
Zustimmung will Wolf davon abhängig machen, ob mit den Kraftwerken ein
zuverlässiger Hochwasserschutz für das Tal geschaffen werde. (hs/DER
STANDARD; Printausgabe, 7.7.2004)
Für die kleineren Projekte wurde der Begriff "Ökostromkraftwerke"
kreiert.
Bei den Bächen, die als "Ökostromkraftwerke" herhalten sollen,
handelt es sich um den Islitzbach in Prägraten (auch Dorferbach genannt),
Kalserbach (Kals), Tauernbach (Gemeinde Matrei), Lesachbach und Thalerbach.
Ein weiteres größeres E-Projekt wird im Kauner- bzw. Pitztal
angedacht.
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