| Bericht über eine typisch norddeutsche Erstbefahrung: Urban
Creekboating in Northern Germany
Anläßlich des 20jährigen Topo-Jubiläums beschlossen auch die
Extremfahrer von "Team Skamrei", in der Norddeutschen Tiefebene eine spektakuläre
Erstbefahrung durchzuführen. Nachdem nach wochenlanger intensiver Suche immer
noch kein geeigneter Wasserfall gefunden wurde, der den teaminternen Vorgaben
"irre hoch und brutal spektakulär" entsprach, ging man schließlich nach dem
Motto "Der Eiskanal ist schließlich auch nur ne künstliche Rinne" vor. Und siehe
da, der ultimative künstliche Sturzbach war denn auch schnell gefunden, nämlich
eine steile Rutsche mit Namen "Highhousecreek". Leider fehlte das wesentliche,
nämlich das Wasser, aber das kann den echten Hardcore-Topolinisten nun überhaupt
nicht mehr erschüttern. Dafür sind die äußeren Bedingungen wesentlich besser
als in der Natur: Zum Einstieg geht es nämlich erst einmal ganz bequem mit dem
Lift.
Jan-Peter beim Einfahren in den ersten Katarakt Und auch die
Sicherung gestaltet sich einfach und durchaus effizient. Kurze Fußtritte der
Begleitmannschaft aus den Fensterkehrwassern am Rande der Rinne befördern den
unterstürzenden Kajaker immer wieder in die richtige Spur und damit optimale
Linie.Das Gefälle ist enorm und der Creek fällt auf kürzester Distanz um mehr
als 40 Meter. Fast wie das altehrwürdige Treppenhaus, nur viel steiler und steiniger
als auf der Loisach. Immerhin 7 Stockwerke hoch mit nur wenigen Möglichkeiten,
auf den Zwischenfluren ins Kehrwasser zu schwingen und Atem zu holen. Dafür
extrem wenig Wasser, das aus den Feudeleimern der vorausgewanderten Putzkolonne
stammt. Aber genug Flüssigkeit, um mit hohem Tempo um die Ecken zu schießen
und die hochaufragenden Wände der engen Klamm mit brachialer Gewalt zu touchieren.
Das stabile Eskimo-Akrobatpaddel bewährt sich wieder einmal
bei Ziehschlägen und Verklemmungen am Geländer. Und der Integralhelm ist hier
kein billiger Showeffekt sondern bitter nötig, um nicht vom Hausmeister erkannt
zu werden. Alles in allem eine erfolgreiche und spektakuläre Befahrung, die
auf ihre Nachahmer wartet. Jan-Peter beim Befahren des "Steilen Ecks" mit Unterstützung
durch die aufmerksame Landmannschaft. Gewohnt souverän hier mit im Bild: Sicherungsposten
Sven Grimpe
Bachinfo:
- jedes beliebige Hochhaus in der Stadt als Creek möglich
- möglichst mit geräumigem Fahrstuhl, um anstrengende Portagen
zum Einstieg zu vermeiden
- mit dem Bootswagen zum Einstieg zu kommen ist sehr beschwerlich
und daher nicht sinnvoll
- Vorsicht vor unsauberen Unterwassern und Hindernissen im Bach
in Form von abgestellten Fahrrädern und Kinderwagen besonders im unteren Streckenabschnitt
- Strecke vorher unbedingt besichtigen, ob sich keine gläsernen
Zwischentüren in der Sturzrinne befinden, daraus können sich schnell (besonders
bei der Erstbefahrung) gefährliche Siphone bilden
- Mit etwas Schmierseife erhöhen sich die Schwierigkeiten und
vor allem die Rutschweiten in den Zwischenflachstellen erheblich
- Steigerung des Funs und Adrenalinspiegels durch Befahrung
zu Zeiten des Schichtwechsels in Bürotürmen oder zu Pausenzeiten in Schulzentren
- auch Banditruns bei Nacht möglich, aber Vorsicht vor wilden
Hausmeistern und Wachdiensten
- Rekord steht zur Zeit bei 7 Stockwerken, mehr ist sicherlich
möglich und auch erstrebenswert
- besonderes Highlight ist sicherlich die Befahrung von Leuchttürmen
mit hölzernen Wendeltreppen aber hier bitte Rücksicht auf den Denkmalschutz
nehmen, denn:
URBAN-CREEKER SIND WAHRE DENKMALSCHÜTZER!!!
Story by Jan-Peter
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