| Sjoa Kayak Festival 2002
Wer nach Norwegen zum Paddeln fährt, muß schon viel Glück haben, bei seinen
Touren auf Wildwasserfahrer zu treffen. Vielleicht kommen einem in Oslo oder
Südschweden noch ein paar Autos mit Seekajaks oder Wandercanadiern auf dem Dach
entgegen, ansonsten sind die Chancen ziemlich gering, andere Paddler zu treffen.
Deshalb wird vom Norwegischen Kanuverband einmal im Jahr ein Treffen der Wildwasserfahrer
organisiert, zu dem jeder anreist, der in der norwegischen Kanuszene auch nur
einigermaßen eine Neospritzdecke schließen kann. Seit einigen Jahren findet
diese Treffen der norwegischen Wildwasserfahrer traditionell an der Sjoa, dem
bekanntesten Wildwasser vier Autostunden nördlich von Oslo statt, und es wird
einiges für die 300 Kronen Teilnahmegebühr geboten:
Führungsfahrten für Anfänger, Fortgeschrittene und Experten auf den umliegenden
Flüssen und Sturzrinnen, Rodeoclinics durchgeführt von international bekannten
extra importierten Playboatern, abendliche Diskussionsforen moderiert von Weltklassepaddlern,
sportliche Wettkämpfe in Form eines Kopf-an-Kopf-Rennens, eines Internationalen
Rodeos und eines Extreme-Race genannten Um-die-Wette-eine-Wasserfallkombination-Herunterrutschens,
die obligatorische Samstag-Abend- Paddler-Party und natürlich das Allerwichtigste:
das Festival T-Shirt, das dokumentiert: Ich war dabei!
Auch Nico Langner verteilt schon fleißig Autogramme
Am 1. Abend hatten sich bereits 145 Paddler auf dem Übernachtungsplatz an der
Slalomwettkampfstrecke der Sjoa bei Nedre Heidal angemeldet, amerikanische und
englische Creeker und Spielboote dominierten auf den Dächern der bulligen Geländewagen,
Pick-Ups und Vans, die sich ihren Weg durch den Schlamm den steilen Weg hoch
auf die Zeltwiese schaufelten, denn es regnete an diesem Mittwoch fast ununterbrochen.
Das Wasser der Sjoa war in der Woche zuvor so hoch gewesen, dass selbst das
kommerzielle Raften aus Sicherheitsgründen eingestellt wurde, sank jetzt aber
von Tag zu Tag, so dass von einem Idealwasserstand für das Rodeo gesprochen
wurde.
Olli Grau beim Aerial
Zunächst gab es aber am nächsten Abend das Head-to-Head-Race, das von dem Schweizer
Simon Hirter gewonnen wurde. Die Wettkämpfe fanden immer erst am späten Nachmittag
statt, weil tagsüber die Paddler auf den Bächen der Umgebung unterwegs waren
und die Sonne in Norwegen im Sommer erst gegen Mitternacht kurz verschwindet.
Man kann also gut noch abends gegen 21.00 Uhr zum Paddeln gehen oder auch einen
Freestyle-Event erst nach 18.00 Uhr beginnen lassen.
Der strahlende Sieger Ed Cornfield. Wächst ihm schon das Wikingerhorn oder ist
das nur ein Ast? ;-)
Das Rodeo fand dann am Freitag auf einer brechenden Welle vom Charakter ähnlich
der in Kuchl statt. 200 Meter oberhalb der Eisenbrücke in Nedre Heidal trennte
sich ziemlich schnell die Spreu vom Weizen, d.h. die Norweger von den ?Zugreisten?.
Im Finale waren von 40 Rodeoten nur noch die Briten Ed Cornfield und Andy Philips,
der Schweizer Simon Hirter und die Germanen Olli Grau und Nico Langner dabei,
die sich einen harten Kampf mit Aerials, California Rolls, Pan Ams und Cut Backs
lieferten. Das fahrerische Niveau war so hoch, dass das Rodeo letztlich dadurch
entschieden wurde, wer die meisten Moves hinzauberte, bevor er durch einen Fahrfehler
oder letztlich einfach Pech von der Welle flog und sich mühsam im Kehrwasser
gegen die laufende Stoppuhr wieder hocharbeiten mußte. Letztlich siegte ?Fast
Eddy? Cornfield vor Olli Grau und Andy Philips mit einer Aneinanderkettung von
Blunts, Spins und Aerials und dem Glück, am längsten auf der Welle geblieben
zu sein.
Abschlußfall Store Ula Extreme Race

Extreme Race: Rutsche im Mittelteil
Der nächste Tag sah die Stürzertruppe unter den Wettkampfpaddlern an den Rutschen
und Wasserfällen des Store Ula, der europäischen Antwort auf den kalifornischen
Dry Meadow Creek. 43 Paddler hatten sich zum Extreme-Race angemeldet, es waren
aus Sicherheitsgründen nur richtige Creekboote zugelassen und hier zeigten die
Norweger, dass sie als echte Nachfahren der Wikinger das Pullen nicht verlernt
haben, sie keulten wie wild die Rutschen runter und behaupteten sich damit in
der Mehrzahl in der Spitzengruppe der ersten Zehn. Ehrensache, dass nach dem
Rennen noch zu der Fünfwasserfällekombination 500 Meter flussabwärts weitergepaddelt
und die drei ersten Fälle von vielen auch gleich mehrfach befahren wurden. Sorgsam
wurde vor dem 4. Wasserfall gesichert und ausgestiegen, denn diesen doch deutlich
höheren und vor allem gefährlicheren Absturz überlässt man dann doch lieber
Paddlern vom Schlage eines Nils Kagel?
Andy Philips hat vom Wasserfalltroll einen auf die Nase bekommen
Den norwegischen Veranstaltern muß ein dickes Lob ausgesprochen werden: Das
Treffen war super organisiert, der Zeitplan bei den Wettkämpfen stimmte auf
die Minute, es wurde auch an die Zuschauerfreundlichkeit der Locations gedacht,
sogar das Einfliegen eines Arztes per Helikopter an die Wasserfälle des Store
Ula wurde organisiert.
Andy Phillips im 3. Abfall der Store Ula Kombination vor der hohen Kagelstufe
Der Ort der Veranstaltungen war gut gewählt, um im Alpenraum etwas Vergleichbares
auf die Beine zu stellen, müßten sehr viel weitere Anfahrtswege in Kauf genommen
werden: Wasserfallrennen in der Dreierkombination des Schwarzbachs, Rodeo in
Kuchl, Head-to-Head-Race auf der Mittleren Ötz, oder ähnlich. Aber wo bekommt
man dort problemlos den Heli für den Oberarzt her???
Jan-Peter
© Pics by Jan-Peter, Soulboater.com 2002 |