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Robson Moonster - Fahrbericht
geschrieben von Nils Kagel, erstellt am 02.06.2003
Fahrbericht Robson Moonster
von Nils Kagel

Sie sind deutlich voluminöser als Spielboote, kommen jedoch trotzdem schnittig und agil daher. Kajaks, die auch im leichten bis mittelschweren Wildwasser eine gewisse Sportlichkeit nicht vermissen lassen, zugleich jedoch die nötigen Sicherheitsreserven für anspruchsvollere Gewässer besitzen, liegen voll im Trend. Zu dieser Bootsklasse gehören u.a. der GTX von Dagger, der Bullet von Lettmann oder der H3 von Pyranha. Auch die stolzen Bajuwaren von Robson haben mit dem Moonster einen sogenannten Semicreeker auf den Markt gebracht, der sich als gutmütiger Allrounder gegen die mächtige Konkurrenz behaupten soll.

(Foto: Robson)

Ausstattung Der Moonster ist sicherlich kein Leichtgewicht. Dafür verspricht die robuste Hülle langanhaltenden Fahrspaß auf steinigen Bächen. Der relativ flache Querschnitt lässt den Einbau von Schaumkeilen hinten und vorne sinnvoll erscheinen, da nur so einer Verformung des relativ weichen PE-Materials bei Klemmunfällen vorgebeugt werden kann. Auch Fahrer, die hierin ein Sicherheitsproblem zu erkennen glauben, können beruhigt einsteigen. Selbst im Sitzen komme ich mit meinen 90 cm langen Beinen und Schuhgröße 47 ohne Probleme aus der sehr weit bemessenen Luke heraus.

Die Einbauten des Moonsters sind schlicht, aber zweckmäßig. Die verstellbaren Schenkelstützen bieten zwar guten Halt, sind jedoch ergonomisch ungünstig geschnitten und drücken deshalb ein wenig am Oberschenkel. Die Prallplatte entspricht hingegen den gängigen Standards und weist keine Mängel auf. Der bequeme Sitz ist mittels Lochraste und Schrauben ohne größeren Aufwand zu trimmen. Mitgelieferte selbstklebende Polster bieten den nötigen Halt an den Hüften und am Allerwertesten. Eine Besonderheit der Robson-Wildwasserboote ist die Straffung des Rückengurts mittels justierbarem Hebelspanner. Ein direkt am Sitz befestigter Plastiksteg verhindert zudem das lästige Verrutschen des Gurts beim Einsteigen. Es sollte allerdings darauf geachtet werden, dass die Drähte am Spannhebel gut verschraubt sind, da sie ansonsten unter Belastung leicht mal herausgleiten können.

Auch an der Decksausstattung ist nur wenig auszusetzen. Die Trageschlaufen sind gut handhabbar und erscheinen recht solide. Sehr löblich ist außerdem das Anbringen von Metallbügeln für das Einhängen von Karabinern unmittelbar vor und hinter der Luke. Sie können im Falle einer Bergung wichtige Ansatzpunkte für einen Flaschenzug bilden. Es muss lediglich bemängelt werden, dass die Bügel etwas scharfkantig sind und nicht im Oberschiff versenkt wurden.

Fahreigenschaften Länge läuft! Dieses Prinzip macht sich der Moonster gern zu eigen. Seine 262 cm und die relativ gerade Kiellinie lassen in puncto Beschleunigungsverhalten und Endgeschwindigkeit keine Wünsche offen, wobei die gerundeten Kanten im Unterschiff die nötige Führung ermöglichen. Diese Eigenschaften machen das Boot zum Favoriten für breite und wasserreiche Flüsse. Trotzdem verleiht das abgeflachte Unterschiff dem Moonster immer noch eine ausreichende Wendigkeit, um auf technischen, nicht allzu engen Bächen bestehen zu können. Dabei lässt er sich ähnlich wie ein Slalomboot recht gut übers Heck drehen, ohne allerdings gleich zu unterschneiden. Aufpassen muss man bei starken Schiebe- und Presswassern, da die steilen Flanken in Rumpfmitte eine gute Angriffsfläche bieten.


Wo schnelle Seitenwechsel erforderlich sind, ist der Moonster in seinem Element (Kühtrein-Schlucht, Ötztaler Ache, Videograph: Bernhard Mauracher).

Sehr angenehm am Moonster ist, dass er dank des langgezogenen Hinterschiffes beim Durchfahren von Wellen und Walzen kaum zum Kerzen neigt. Hierdurch gestaltet sich allerdings auch das Boofen etwas schwieriger als bei einem kürzeren Boot mit mehr Kielsprung am Heck. Durch entsprechendes Beschleunigen lässt sich dieses Manko jedoch locker ausgleichen. Stufen über fünf Meter Höhe sollte man dennoch nach Möglichkeit nicht brettflach nehmen, da das Boot aufgrund des flächigen Unterschiffes kaum eintaucht (hoher Zwergelfaktor).

Besonders deutlich wird der Unterschied zu einem "richtigen" Creeker, wenn das Vorderschiff des Moonsters nach einem missglückten Boof oder beim Durchfahren einer tiefen Walze unter die Wasseroberfläche gerät. Das nur leicht gerundete Oberschiff, der vergleichsweise geringe Kielsprung und das niedrige Volumen in den Spitzen wirken insbesondere bei schweren Fahrern wie mir einem schnellen Auftauchen entgegen. Allerdings muss fairerweise angemerkt werden, dass der Moonster nicht unbedingt für steile Tessiner Technobäche, sondern vor allem für wuchtiges Wildwasser Marke Ötztal und Norwegen konzipiert wurde.


Auch in wuchtigen Katarakten weiß der Moonster zu bestehen (Kühtrein-Schlucht, Ötztaler Ache, Videograph: Bernhard Mauracher ).

Auf leichtem bis mittelschwerem Wildwasser ist der Moonster das ideale Boot für Anfänger und Fortgeschrittene, denen es weniger um Spieltauglichkeit als vielmehr um das Erlernen einer sauberen Fahrtechnik geht. Die sehr geringe Oberwasserempfindlichkeit und das großzügige Platzangebot lassen auch längere Fahrten nicht zur Qual werden. Trotzdem erfordert der Moonster im Gegensatz zu alten Rundbodenschiffen einen aktiven Fahrstil, damit sein Pilot nicht zum Dauergast in der Fischwelt wird.


Entspanntes Kreuzen mit dem Moonster (Videograph: Bernhard Mauracher).

Fazit Der Moonster ist ein vielseitiges Wildwasserkajak, das einem sportlichen Fahrstil entgegenkommt. Obwohl er sich nicht uneingeschränkt für alle Gewässer eignet, kann er, das entsprechende Können vorausgesetzt, auch im oberen Schwierigkeitsbereich eingesetzt werden. Kleinere Mängel bei der Ausstattung macht der Moonster mit seinem Preis von gerade einmal 799,- Euro (!) schnell wieder wett.

Bootsdaten (Herstellerangaben)

Länge: 262 cm Breite: 63 cm Höhe: 32 cm Volumen: 255 l Gewicht: 20,5 kg Lukengröße: 91 x 49 cm (keyhole) Preis: 799,- Euro

Nils Kagel
Soulboater.com 2003

 

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