| Desolate Ways – Bernd Maurachers Video vom Wildwasserfahren in Österreich
und Norwegen
Gähn, schon wieder ein Paddelporno, werden viele jetzt erstmal sagen
und nicht weiterlesen.
Zu oft kommen neue Paddelvideos heraus und die Filme laufen alle nach dem gleichen
Muster ab. Hohe Fälle, mit und ohne Unterwasser, Monsterwalzen und dazwischen
kleine scheinbar hilflose Paddler, die gehörig aufgemischt werden. Nebenbei
noch lustiges Lagerleben mit gespielter Paddlerglückseligkeit.

Benjamin Mauracher auf der Store Ula
Na gut, natürlich wird auch in diesem Film der Voyeurismus befriedigt,
wenn es darum geht, sich hohe und höchste Wasserfälle runterzustürzen
oder beim Wuchtwasser noch zehn Zentimeter mehr auf die bisher maximal tödliche
Befahrensgrenze draufzupacken und das ganze dann mit der Videokamera zu begleiten.

Stefan Renner am Jordalelva
Was unterscheidet dieses Video dann aber von anderen Produktionen des Genres,
insbesondere den US-Filmen?
Viele der gezeigten Bäche sind für die hiesigen Paddlern Sonntagnachmittagsausflüge,
zumindest die Ötz und Brandy sollte jeder Alpinpaddler von eigenen Befahrungen
kennen.

Benjamin Mauracher auf der Mittleren Ötz
Das obere Zillertal mit seinen engen Schluchten ist dagegen den meisten Kajakfahrern
und sogar den einheimischen Locals noch weitgehend unbekannt. Es ist schon erstaunlich,
welche reizvollen Bäche in der nächsten Umgebung scheinbar erst jetzt
entdeckt und befahren werden. So scheint auch in den Alpen noch jede Menge Neuland
zu entdecken zu sein, man muß nur die Augen öffnen und mit topographischen
Karten und Höhenmesser bewaffnet in Seitentälern auf Entdeckungsreise
gehen.

Benjamin Mauracher auf der Zwischenbrückenstrecke der Mittleren Ötz
Wenn man beobachtet, bei welch hohen Pegelständen die Akteure in diesem
Video paddeln, kann man nur staunend sagen: Respekt und Hut ab! Den Silberkatarakt
der Brandenberger Ache kannte ich bisher nur als verblockte Passage mit Felsrippen,
in diesem Video scheinen die Felsen gegen Walzen und Wellen ausgetauscht zu
sein und die Paddler ähneln bei ihrer Befahrung eher kleinen Foamies, wobei
sie auch ähnlich hin- und hergeschleudert werden. So ganz kontrolliert
sieht die Befahrung bei Hochwasser dann doch nicht mehr aus....

Bernhard Mauracher am berühmten Money Drop Wasserfall in Norwegen
Der zweite Teil des Films führt das österreichisch-deutsche Team
nach Norwegen. Die Befahrung der Bäche im Land der Trolle bringt noch einmal
eine Steigerung des bisher gezeigten.

Schräge Platte auf der Mittleren Ötz - Bernhard Mauracher auf der
Ideallinie
Wildwasser in Norwegen scheint generell wuchtiger und steiler als alles Vergleichbare
in Europa zu sein. Das bekommen auch die Akteure zu spüren, die teilweise
schon nach wenigen Minuten auf dem Bach aufhören müssen, weil sie
sich krankenhausreif verletzt haben oder nach hartem Materialeinsatz paddellos
nur noch mit "Handies" über den kalten Fingern weitermachen können.
Bernhard Mauracher am Nosebreaker in Norwegen

Bernhard am Jordalelva
Den Zuschauer freut so etwas natürlich insgeheim (nicht die Schmerzen
der armen Verletzten, sondern die Action), denn wo gehobelt wird, fallen Späne
und wo hart gepaddelt wird, kommen gute Szenen in die Kamera, die sich daheim
vom Sofa aus mit wohligem Kribbeln im Bauch und der Tüte Chips in der Hand
schön anschauen lassen.

Bernhard beim Filmdreh in Norwegen
Es ist jedenfalls wirklich sehenswert, wie auf dem Store Ula nicht wie üblich
nach den ersten drei Fällen rausgepucklt wird, sondern auch der hoooooohe
(mindestens 16 Meter???) vierte und der gleich anschließende fünfte
Fall mit gierig saugender Unterspülung gleich von mehreren Fahrern beflogen
werden.

Bernhard am Myrkedalelva
An dieser Stelle soll endlich auch einmal die Kameraführung gelobt werden:
Klare Schnitte, gute Standpunkte und schnörkellose Szenenführung
machen aus dem Film eine Dokumentation über Kajakfahren im Extrembereich,
die nicht ahnen lässt, dass es sich um das Erstlingswerk von Bernhard Mauracher
handelt.

Nils Kagel im Durchbruch der unteren Defereggenbachschlucht
Natürlich fehlt es auch an lustigen Szenen nicht und die Kommentare des
Mitpaddlers Franz Puckl bedürfen für den Nichtalpenbewohner eigentlich
dringend der Übersetzung ins Hochdeutsche mittels Untertiteln.

Bernhard und Franz Puckl
Maren, die Kajakfilmen sonst nicht mehr viel abgewinnen kann ("ist doch
immer dasselbe"), mußte sich den Film Sonntagvormittags beim Frühstück
mit ansehen und war zu meinem Erstaunen wirklich angetan: "Da sieht man
endlich mal Leute aufm Bach, die vernünftig paddeln können".
Schönster Wasserfallbach in Norwegen
Ich denke, diese Einschätzung spricht mehr für das Video als weitere
Szenenbeschreibungen.
Eins frage ich mich jedoch immer noch: Warum heißt der Film "Desolate
Ways"????
Bernhard Mauracher aus dem Zillertal im Dagger Nomad
Bei Interesse bitte an Bernhard
Mauracher wenden.
Rezension von Jan-Peter
© Photos Bernhard Mauracher
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