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Testbericht Pentax Optio WP
Von Adrian Heydecker (http://wavestyle.ch)
Das Problem ist in Paddlerkreisen altbekannt: Von seinen Touren möchte man gerne ein paar Fotos heimbringen. Entweder als Erinnerung an die schöne Tour, für die Daheimgebliebenen oder als Beweismittel für den ultrakrassen Move, den man damals auf dem superschwierigen Bach unter den widrigsten Bedingungen hingelegt hat. Bis allerdings der Kanukollege endlich an Land gepaddelt ist, einen Felsen hochgekraxelt ist, den wasserdichten Schutzkoffer aus dem engen Boot gezerrt und die darin verstaute Kamera schussbereit gemacht hat, ist der krasse Move leider schon längt Geschichte. Eine Wiederholung des Manövers will nicht gelingen und so müssen sich die Paddlerkollegen am Lagerfeuer mit der mündlich vorgetragenen Geschichte vom grossen Move begnügen.
Wasserdichte Kameras im Kanueinsatz
Bisher mussten fotografierende Paddler entweder eine für Taucher konstruierte Unterwasserkamera kaufen oder mit wasserdichten Gehäusen und Hüllen aus dem Tauchzubehörhandel die Kamera auf der Kanutour schützen. Beide Lösungen sind allerdings umständlich zu bedienen und ziemlich teuer. Abhilfe schaffen digitale Unterwasserkameras. Von Casio, Sony und Ricoh gab es in der Vergangenheit einige wenige Modelle mit zwei oder drei Megapixeln, danach wurde die Entwicklung von diesen Firmen jedoch eingestellt.

Nach dem Gebrauch einfach abspühlen, schon ist die Optio sauber.
Einzig der Hersteller Pentax hat in den letzten Jahren ein Herz für digital fotografierende Paddler gezeigt und immer wieder günstige spritzwassergeschütze Geräte unter dem Label «WR» auf den Markt gebracht. Die beiden Digitalkameras «Optio 33WR» und «Optio 43WR» haben in Paddlerkreisen schnell ihre Abnehmer gefunden. Beide Modelle reihen sich auf der JIS-Skala für Wasserdichtheit auf der Stufe 7 ein. Das bedeutet, dass die Gehäuse nass werden dürfen und auch für kurze Zeit ins Wasser getaucht werden können. Allerdings dürfen im Wasser keine Knöpfe gedrückt werden, somit sind Unterwasseraufnahmen nicht möglich.
Die neuste Entwicklung von Pentax behebt nun genau diesen Mangel. Mit der «Option WP» hat der Hersteller die weltweit erste nach JIS-Klasse 8 wasserdichte Digitalkamera auf den Markt gebracht. Die Optio WR darf während bis zu 30 Minuten lang in maximal 1.5 Meter tiefem Wasser betrieben werden. Dies ist für ernsthafte Tauchaufnahmen natürlich immer noch viel zu wenig, für Kanufahrer bietet sich diese Kamera aber geradezu an. Auch ich konnte nicht lange widerstehen und habe mir vor ein paar Tagen die Optio WP gekauft. Auf der unteren Welle im Schweizerischen Bremgarten kam sie das erste Mal zum Einsatz. Vor dem Bericht aus Bremgarten aber zuerst noch ein paar Worte zum Gehäuse, zum Objektiv und zu den technischen Daten des Geräts.
Gehäuse und Objektiv
Die Optio WP ist eine sehr kleine und handliche «Point and Shoot»-Kamera. Ein typisches Taschengerät, mit dem auch Laien problemlos zurechtkommen sollten. Die Pentax hat ungefähr die Grösse und das Gewicht eines Mobiltelefons. Damit gehört sie zu den wenigen ultrakompakten Digitalkameras, die auch in der Hemdentasche problemlos transportiert werden können. Trotz ihrer geringen Grösse hat diese Kamera jedoch einiges zu bieten.
Erwähnenswert ist bei einer derart kleinen Kamera sicherlich der Brennweitenbereich von 38 bis 114 mm (Kleinbild-Äquivalent). Dies entspricht einem dreifachen optischen Zoom. Da das Objektiv durch eine Frontscheibe vor eindringendem Wasser geschützt wird, kann es nicht wie sonst üblich nach vorne ausgefahren werden. Um trotzdem einen optischen Zoom zu ermöglichen, wurde das Objektiv quer zur Frontscheibe eingebaut. Hinter dieser Scheibe wird das einfallende Licht durch einen Prismenspiegel in das quer liegende Zoomobjektiv gelenkt. Leider fehlt eine Abdeckung für die Frontscheibe. Somit kann sie nicht vor Kratzern oder Schlägen geschützt werden.

Darstellung des quer eingebauten Objektivs (Quelle: http://pentax.ch)
Das Objektiv ist trotz der sehr kompakten Bauweise mit Anfangsblenden von 3,3 (Weitwinkel) respektive 4.0 (Tele) noch halbwegs lichtstark. Mit einer Spiegelreflexkamera kann sich das Objektiv natürlich nicht messen, bei einer Kompaktdigitalkamera sind diese Werte jedoch guter Durchschnitt. Die Bildqualität ist für eine derart kleines Gerät erstaunlich gut. Das sehr kompakte Objektiv vollbringt sicherlich keine Wunder, wirft aber auch in der höchsten Auflösung von fünf Megapixeln scharfe Bilder auf den kleinen Chip.
Sucher und Akku
Ein Ärgernis ist der fehlende Sucher der Kamera. Gerade bei hellem Sonnenschein wird das Fokussieren per Bildschirm schwierig. Der kleine Monitor ist jedoch gut beleuchtet, was dieses Manko wieder ein Stück ausgleicht. Ein weiterer Nachteile einer sucherlosen Konstruktion ist ein höherer Stromverbrauch, weil der Bildschirm für jedes Foto als Sucher benutzt werden muss. Trotz intensiver Nutzung der Kamera und auch dem gelegentlichen zuschalten des Blitzes konnte ich einen ganzen Nachmittag fotografieren und über 100 Bilder schiessen, ohne den Akku nur annähernd zu leeren.
Technische Daten
Auch in anderen technischen Belangen muss sich die Optio WP nicht vor der Konkurrenz in ihrer Klasse verstecken. Die Empfindlichkeit des Sensors reicht von ISO 50 bis 400, die möglichen Belichtungszeiten liegen zwischen 4 s und 1/2.000 s und Tonfilme können mit 30 Bildern pro Sekunde bis zu einer Auflösung von 320 x 240 ohne Zeitbeschränkung aufgenommen werden.

Die Bedienelemente der Optio (Quelle: http://pentax.ch)
Fünfzehn Motivprogramme erleichtern dem Laien die Bedienung und machen wie bei solchen Kompaktkameras üblich dem Profi das Leben schwer. Eine manuelle Blenden- oder Zeitvorwahl ist nicht möglich. Einzig eine Belichtungskorrektur in 1/3 Schritten, die Wahl der ISO-Emfindlichkeit und der Weissabgleich können von Hand eingestellt werden. Eine Spotbelichtungsmessung wie beim Vorgängermodell 43WR fehlt leider. Wie bei derartigen Kameras üblich, ist der Blitz höchstens als Aufhellblitz brauchbar, für den Kanueinsatz ist dieses Feature aber sowieso nicht von Bedeutung.
Shooting in Bremgarten
Nun aber von der trockenen Technik zum nassen Kanusport. Der Samstag war ein perfekter Tag für ein paar Surfeinlagen auf dem Honeggerwehr in Bremgarten: Ein wolkenloser Himmel, warme Temperaturen und ein guter Wasserstand lockten Paddler und Surfer an die Welle.

Jederzeit Schussbereit: Mit der Kamera im Kehrwasser.
Der wolkenlose Himmel war allerdings auch schon der erste harte Test für die neu erworbene Optio WP. Das tolle Wetter und das gleissende Sonnenlicht führten zu starken Kontrasten. Zusätzlich reflektierte das Wasser die Sonne, was eine korrekte Belichtung weiter erschwerte. Die Optio meisterte den starken Kontrastumfang und die Spiegelungen jedoch problemlos. Der Monitor konnte auch im hellen Sonnenlicht noch gut abgelesen werden.
Spezielle Kanu-Einstellungen
Mit einem etwas mulmigen Gefühl befestigte ich die Kamera mit einer Kordel an meiner Schwimmweste und stürzte mich auf die Welle. Meine Sorgen waren unberechtigt. Auch im Wasser funktionierte die Kamera tadellos. Schnell gewöhnte ich mich an das sorgenlose Knipsen aus dem Boot heraus.
Bald musste ich aber feststellen, dass das Fotografieren direkt aus dem Kanu heraus auch Nachteile hat. Die Sitzposition ist sehr tief, was zu ungewohnten Bildperspektiven führt. Zudem bewegt sich das Boot permanent, was oft zu verwackelten Bildern führt. Hier zeigt sich der erste grössere Nachteil der Kamera. Da es keine Möglichkeit einer Zeit- oder Blendenvorwahl gibt, konnte ich nicht mit einer möglichst kurzen Verschlusszeit fotografieren. Zwar gibt es einen Sportmodus, dieser schaltet aber nur einen Nachführautofokus ein, ändert jedoch nichts an der Belichtung. Schliesslich habe ich die meisten Bilder in Bremgarten im Portraitprogramm geschossen. Dieses bevorzugt kurze Belichtungszeiten und eine offene Blende. Obwohl laut Hersteller Aufnahmen von bis zu 1/2000 Sekunden möglich sein sollen, wird in diesem Programm leider bereits ab einer 1/500 Sekunde abgeblendet.

Mit den richtigen Einstellungen kann aus dem Boot fotografiert werden.
Kaum hatte ich die Belichtung brauchbar eingestellt, stellte ich auch schon das nächste Problem fest. Der Autofokus ist leider auch nicht der schnellste, was natürlich bei einem Gerät dieser Klasse wiederum nicht verwundert. Ich beschloss kurzerhand den Autofokus zu deaktivieren. Im manuellen Modus habe ich die Kamera auf eine unendliche Motivdistanz eingestellt. Damit werden bei voller Teleposition Objekte in einer Distanz von ca. 5 Metern bereits scharf abgebildet. Da auf dem Wasser die Distanzen sowieso meist grösser sind, konnte ich mit dieser Einstellung gute und scharfe Schnappschüsse machen, ohne auf den langsamen Autofokus warten zu müssen.
Mit diesen beiden Spezialeinstellungen für Belichtung und Schärfe stand dem Fotovergnügen nichts mehr im Weg.
Viele Anwendungsmöglichkeiten
Die bisher positiven Erfahrungen mit der Kamera stachelten mich zu weiteren Experimenten an. Ich nahm die Kamera mit auf die Welle und versuchte während des Surfens einige Bilder zu schiessen. Leider scheiterte das Vorhaben an meinen Surfkünsten. Während ich mit einer Hand versuchte zu fotografieren, musste ich mich mit der verbleibenden Hand am Paddel auf der Surfwelle halten. Ich bin mir aber sicher, dass Freestyle-Profis mit dieser Kamera interessante Aufnahmen machen könnten. Zumal sich dank des Stativgewindes die Kamera auch mit einem kleinen Stativfuss direkt am Boot befestigen lässt.

Bei diesem Bild war der Kameraboden bereits im Wasser.
Eine weitere, für Kanufahrer interessante Anwendung der Optio sind Unterwasseraufnahmen. Ich versuchte in Bremgarten einige Fotos unter Wasser zu schiessen. Die Resultate waren jedoch ernüchternd, weil zu viele Schwebeteilchen im Fluss die Sicht beeinträchtigten. Ein späterer Test in einem Schwimmbad bestätigte diesen Umstand: Im klaren Schwimmbadwasser liessen sich gute und scharfe Aufnahmen machen. Dank der Videofunktion lässt sich die Optio WP beispielsweise zur Analyse der Eskimotierbewegung unter Wasser einsetzen. Generell eignet sich die Kameras natürlich auch oberhalb der Wasserkante als kompaktes Hilfsmittel zur Videoanalyse. Ohne aus dem Boot aussteigen zu müssen, können Trainer in Kanusportvereinen ein kurzes Video drehen. Die gefilmten Sportler erhalten noch auf dem Wasser ein unmittelbares Videofeedback.
Fazit
Die Optio WP ist ein schicke kleine Digitalkamera. Hinter der stylischen Fassade des Geräts verstecken sich für Paddler äusserst attraktive Funktionen. Für den rauen Kanueinsatz ist die Kamera leider ein wenig zu fashion-lastig konstruiert worden. Der Optio WP fehlen eine schützende Gehäusegummierung, grössere Bedienelemente und einige essentielle manuelle Einstellmöglichkeiten. Die kompakten Masse des Geräts sind auf dem Wasser eher ein Nachteil. Da aus dem Kanu heraus die Kamera meistens einhändig bedient werden muss, vermisse ich grössere Bedienelemente und eine griffigere Öberfläche.
Trotz der wenigen hier geschilderten Nachteile ist die Pentax die beste Kanukamera, die ich je hatte. Die Optio WP ist im Vergleich zu echten Unterwasserkameras und zu Kameras mit Tauchergehäusen konkurrenzlos günstig. Trotz des geringen Preises muss man im Kanueinsatz praktisch keine Abstriche gegenüber diesen teuren Lösungen machen.
Die Optio WP ist derzeit die ideale Kamera für kanubegeisterte Hobbyfotografen. Aber wer weiss, vielleicht bringt Pentax in Zukunft noch eine echte Outdoorvariante dieses Modells heraus?
Bewertung
Positiv:
- Wasserdicht bis 1.5 m
- Querliegendes 3x Zoom
- Kompakte Masse
- Einfache Bedienung
- Gute Histogrammfunktion
- Gute Schärfenkontrolle im Manualfokus
Negativ:
- Gehäuse nicht robust genug
- Fehlende Blenden- und Zeitvorwahl
- Langsamer Autofokus
- Bedienelemente zu klein
- Fehlender Sucher
- Bilder werden manchmal zu stark geschärft
Vielen Dank an Adrian Heydecker für den tollen Bericht!
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