| Jan-Peter
beim Luherodeo
Mitte der 70er fing alles ganz harmlos an: Auf einem Ausflugssee
mit dem PVC-Badeboot, dem immer die Luft ausging. Es folgten ein poröses Schlauchkajak
für 150 Mark, das ungefähr 2 Wochen die Luft hielt und dann platzte und schließlich
ein Pouch RZ 85 Wanderzweier mit Besegelung von Karstadt für sagenhafte 698
Mark, sponsored by Opa für die beiden Enkel. Ja das waren noch Zeiten, als DDR-Boote
wegen der Devisen zu Schleuderpreisen zu haben waren... Damals waren wir 11
und 14 Jahre alt und wollten unbedingt segeln, hatten aber kein Geld für einen
Liegeplatz im Jachthafen. Das Faltboot war wirklich schnell, einmal versägten
wir sogar eine Zugvogel-Jolle auf der Außenalster, aber segeln immer im Dreieck
wurde bald langweilig, außerdem stritten wir uns immer, wer steuern durfte.
Und dann kam das große Aha-Erlebnis: Man mußte gar nicht immer
auf dem Teich rumschippern, man konnte mit einem Faltboot auch auf Flüssen fahren,
sogar ohne Segel nur mit Paddeln! Die Kleinflüsse der Lüneburger Heide und rund
um Hamburg wurden entdeckt, Papas Wochenendbeschäftigung beschränkte sich jetzt
auf An- und Abfahrten zu im Umkreis von 150 Kilometer fließenden Bächen, um
die Söhne hinzubringen und wieder abzuholen und bald war das Faltboot durchgescheuert.
Aber die Lösung lag bei Karstadt in der Wassersportabteilung: Zwei Hammer Canyon
430 S, grünmetallic, die ultimativen Kombiboote, wie uns der Verkäufer sagte.
Für alles zu gebrauchen, von der Nordsee bis zum Wildwasser, und nur 598 Mark
pro Stück. Die mußten her, Opa zahlte bereitwillig. Damit hörte die ewige PVC-Schweißerei
erstmal auf, die Booten eigneten sich sogar zum Rodeln in den Alpen, wenn sie
als Skikoffer für den Winterurlaub herhalten mußten.
Mit 17 Jahren war mir der Hammer dann doch zu lang, ich kaufte
mir von meinem Taschengeld für 30 Mark einen Lettmann Alpin mit abgefahrener
Spitze, überzog das Wrack mit 3 Lagen Polyester und Diolen und jetzt ging der
Spaß am Boot richtig los. Erste Touren in den Alpen, Kontakt zum AKC, 50.000
Kilometer pro Jahr nur zum Wildwasserfahren mit meinem alten VW-Bus, Gründung
des HKN, erster Hamburger Topofahrer, Hausverbot bei einem Hamburger Kanuverein
("Schlechtes Beispiel für die Jugend, wenn man mit dem Boot von der Kaimauer
springt..."), verrückte Aktionen mit Booten auf Skipisten und fast trockenen
Steilrutschen, Verbot der Teilnahme von "Topolinos und ähnlichen Kurzbooten..."
bei Lehrgängen des DKV Hamburg auf der Oker, und immer härteres Wildwasser in
den Alpen, Südfrankreich, Korsika, Tessin und Piemont.
Damals glückten auch die Befahrungen des Jabron am Verdon und
zusammen mit Klemens Binninger die "Bergsturzschlucht" des Isorno ab Loco noch
vor Gert Spilkers "Erstbefahrungen". Der Dämpfer kam dann Ende der 80er Jahre,
als innerhalb kurzer Zeit zwei Freunde, "der Friese" und "Steckbert", beim Kajakfahren
verklemmten und ums Leben kamen, andere Freunde sich bei hohen Wasserfällen
die Rückenwirbel oder bei Steckunfällen mit Absicht beide Beine brachen, um
überhaupt noch lebend aus dem Boot zu kommen. Ich selber hatte im Gattino einen
schweren Stecker in der unteren Cannobinoklamm, bei dem es reines Glück war,
daß ich wieder freikam. Die psychische Grenze des alpinen Bootfahrens war für
mich erreicht, ich stieg auf Playboating um.
Zunächst mit dem Squirtboat tat sich eine völlig neue Kanuwelt
auf, kein Extremrisiko und Streß mehr, dafür aber Bootsbeherschung pur. Die
Entwicklung des modernen Bootfahrens ging parallel, es gab die ersten Rodeos,
einmal gewann ich sogar in Lofer zufällig bei den Fortgeschrittenen. Heute paddele
ich immer noch viel, aber 50.000 Kilometer im Jahr zum Bach muß ich mir nicht
mehr geben, es reichen 20.000.
Meine Lieblingsbäche liegen im Bereich WW III-IV, aber genauso
gerne spiele ich in der Meeresbrandung oder in Süßwasserwellen und -walzen.
Wenn ich nicht auf Urlaubstour in Norwegen oder Österreich oder sonstwo bin,
findet man mich mit ziemlicher Sicherheit an unserem Local-Playspot, der Luhewalze.
Dabei kommt es mir nicht nur auf das rein sportliche Bootfahren
an, mindestens ebenso wichtig ist mir das Drumherum des Paddelns, am Ufer stehen
und quatschen, verbale, visuelle und virtuelle Kommunikation, eben einfach
just to have fun
Jan-Peter
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