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Interview mit Rodeostar Eric Jackson
geschrieben von Ferry, erstellt am 12.12.2005

Soulboater Interview mit Rodeostar Eric Jackson

Soulboater: Hallo EJ, wie ist das Wetter in Tennesee? Ist die Saison schon abgeschlossen oder geht sie den ganzen Winter über?

Eric Jackson: Gestern war ´s warm und regnerisch. Wir haben etwa 5 cm Niederschlag bekommen. Clay, Stephen, Dane und ich sind zum oberen Caney Fork gefahren, etwa 45 Minuten von zu Hause entfernt, großartige Befahrung. Wir paddeln den ganzen Winter über, aber die Fabrik werden wir um Weihnachten herum ein paar Wochen schließen.

SB: Wann hast du mit paddeln begonnen?

EJ: Ich habe 1970 mit sechs Jahren auf dem Pine Creek in Pensylvania mit dem Kajakfahren begonnen. Ich bin meistens mit meinem Vater im Canadier gefahren, aber sein Freund hatte ein selbstgebautes Kajak, das wir bekamen, um damit einige Stromschnellen zu paddeln.  

SB: Wer waren deine Helden?

EJ: Bob O´Neil war meine erster Wildwasserheld, weil er der einzige war, der wusste, wie man ein Kajak rollt, als wir 1979 nach New Hampshire kamen. Er brachte in diesem Jahr dem Rest des Klubs bei, wie man rollt.  

SB: Ist die Grundlage für dein Können nur das Slalompaddeln oder bist du in deinen frühen Tagen auch schon Wildwasser gefahren?

EJ: Ich begann wie die meisten Leute mit dem Erlernen der Rolle, der Paddelstütze, Wasserlesen und ein wenig Spielen. Bei jeder Fahrt entwickelte ich meine Technik weiter, indem ich bei anderen etwas abkuckte. Als ich von 1984 bis 1992 an den Olympischen Spielen teilnahm, war Slalompaddeln mein Lehrmeister und ich lernte das meiste meiner Technik von Trainern und durch das Training selbst. Ich war jedoch sehr kreativ, was das Erfinden von neuen Techniken angeht. 1992 führten Scott Shipley und ich einen Disput darüber, wie man ein Aufwärtstor bei den Olympische Spielen zu fahren hat. Meine Methode machte sich schneller bei der Zeitnahme bemerkbar, aber seine Methode war neu und er war noch dabei, sie zu entwickeln. Nachdem er seine Technik voll entwickelt hatte, gewann er im folgenden Jahr den Weltcup und ich stagnierte mit meiner veralteten Technik. In diesem Jahr lernte ich meine wertvollste Lektion: Nehme IMMER an, dass es eine bessere Methode gibt und versuche sie zu finden. Von 1993 bis heute werden die Techniken, die ich anderen beibringe, durch das beständige Umsetzen dessen, was ich schon weiß, entwickelt. Die Evolution des Kajaks hat diese Denkweise zur unumstößlichen Regel gemacht, da 1,80 oder 2,20 m lange Boote völlig anders als 3,60 und sogar 2,80 m lange Boote gepaddelt werden müssen. Aus diesem Grund sind die in „EJ´s: Strokes and Concepts, Rolling and Bracing, River Running Basics, Advanced River Running” und  “Playboating Basics & Advanced” beschriebenen Methoden dazu da, jedermann den Zugang zu den elegantesten und effektivsten Techniken, die es heute gibt, zu ermöglichen.

SB: Bist du jeden Tag auf dem Fluss oder nehmen andere Aktivitäten (Familie, Hausbau, Hund) momentan mehr Zeit in Anspruch?

EJ: Wir sind jeden Tag auf dem Fluss, manchmal mehr als früher, als wir in der Walze oder auf der Brave Wave surften. Der Beruf, Hausbau, Fußballspielen mit den Kindern oder Football füllen den Rest des Tages aus. Wir gehen sogar zum Formationstanzen auf der Caddillac Ranch am Sonnabend Abend, was ein typisches Freizeitvergnügen hier in den ländlichen Gebieten des Südens ist.

SB: Du bist sehr beschäftigt gewesen, seit du mit Jackson Kayaks begonnen hast: Woher beziehst du die Motivation, so viele Projekte (Filmen, Kajakkurse, Rennen, Werbeaktivitäten) auf einmal anzupacken?

EJ: Ich weiß nicht recht. Ich will lediglich mehr tun, nie weniger. Ich muss meine Aktivitäten unter Kontrolle behalten, ansonsten würde ich Gefahr laufen, zu viel auf einmal zu beginnen. Die meisten Leute würden sagen, dass ich bereits zu viel tue. Wie viel ich tue, hängt davon ab, wie gut ich es tue. Wenn das Geschäft gut läuft, sich meine Videos verkaufen, ich Wettkämpfe gewinne und meine Schüler froh sind, habe ich nicht das Gefühl, dass ich mich zu sehr verausgabt hätte.

SB: Haben sich deine Erwartungen bezüglich JK erfüllt? Es scheint, als seien die Reaktionen der Paddler recht positiv. Fühltest du, dass die Zeit reif für eine Firma wie JK war?

EJ: Es war der richtige Zeitpunkt für JK. Während die größten Firmen immer größer wurden, brauchte der Markt eine Firma, die sich darauf konzentriert, eine Art Wachhund für die Branche zu sein und mit bestmöglicher Händler- und Kundenfreundlichkeit zu arbeiten. Durch das Niedrighalten der Preise bei gleichzeitiger Beibehaltung der Qualität haben wir eine Firma geschaffen, von der die Öffentlichkeit weiß, dass sie sich um die Belange ihrer Kunden kümmert.     

SB: Die Fun-Serie sieht so aus, als sei sie für den Durchschnittspaddler gedacht. Verfolgt JK hiermit eine bestimmte Strategie?

EJ: Sicherlich haben wir zunächst darauf geachtet, mit Booten zu beginnen, welche möglichst viele Leute ansprechen. Meine Kinder brauchten beide Funs (Fun 1 und 2 Fun), ich brauchte einen Fun etc. Wir hätten nicht sechs Größen herausgebracht, wenn wir nicht gewusst hätten, dass es das beste Boot seines Typs ist und seinen Besitzern tatsächlich mehr Paddelgenuss verschafft.          

SB (Ferry): Meine Kinder lieben übrigens den Fun 1.

EJ: Schön, ich hoffe, ich werde eines Tages mit ihnen zusammen paddeln.


Eric mit seinem Sohn Dane

SB: War es nicht ein Vabanquespiel, mit einem eigenen Boot nach Sydney zu gehen und deinen geschäftlichen Erfolg mit dem im Wettkampf zu verknüpfen? Was wäre passiert, wenn du Fünfzehnter geworden wärst?

EJ: Mein All-Star ist ein Gewinner-Boot, und wenn du 2005 in den USA unterwegs gewesen wärst, hättest du gesehen, wie erfolgreich er bei allen Wettkämpfen und Schauveranstaltungen gewesen ist. Sicherlich hätte ich den Fünfzehnten machen können, aber es hätte nichts an der Qualität meines Boots geändert. Soviel ist sicher: Es war ein glücklicher Umstand, dass ich der einzige in den Finalläufen war, der ein All-Star paddelte. Ich werde alle Hände voll zu tun haben, wenn Jay, Clay, Stephen und Toby nächstes Jahr in All-Stars an den Start gehen.

SB: Hast du das Gefühl, dass dein Privatleben aufgrund der Tatsache, dass du Sport, JK und Familie verbindest, leidet?

EJ: Ich versuche, ein erfülltes Leben zu führen und anderen etwas davon abzugeben. Ich fühle mich wie ein 41 Jahre alter Kajakfahrer, der sein ganzes Leben dem Sport verschrieben hat und sehr gut damit zurechtkommt. Ich weiß, dass ich es der Paddelwelt verdanke, dass ich es lebe und wie ich es lebe. Natürlich gehen die Einzelheiten meines Privatlebens nicht jeden etwas an. Nur diejenigen Paddler, die mich auf irgendeine Weise in meinem Leben weiterbringen, erhalten Zugang zu ihm.       

SB: Hast du irgendwelche Pläne, dich auch im Creekboot-Bereich auf dem Markt zu positionieren?

EJ: Wir haben gerade damit begonnen. 2006 werden die Creekboote Rocker, Hero und Super Hero das Licht der Paddelwelt erblicken. Ihre verstärkten Einbauten sind eine Entwicklung, die diesen Bootstyp wirklich voranbringen wird. Wir haben noch keine Videos oder Fotos produziert, außer denen auf der  „EJ´s River Running Basics“ und der „EJ´s Advanced River Running“-DVD. Die meisten anderen Firmen vermarkten ihre Creekboote vor allem über Videos und Fotos. Wir sind noch weit davon entfernt.

SB: Können wir in Zukunft auf allgemeine Verbesserungen bei der optischen und funktionellen Gestaltung von Kajaks hoffen oder müssen wir auf neue Verbundmaterialien warten?

EJ: Na gut, ich würde mal behaupten, dass in den vergangenen zehn Jahren bereits entscheidende Verbesserungen stattgefunden haben. Einige Firmen greifen mittlerweile wieder auf lineares PE zurück, weil sie wissen, dass vernetztes PE im Wildwasser keinesfalls besser und stabiler ist. JK wird versuchen, die Grenzen soweit wie möglich auszureizen. Unsere Fußraste für die Creekboote ist ein großer Fortschritt in Bezug auf Sicherheit und Verstellkomfort. Unser Sweet-Cheek-Sitzpolster ist superbequem, während die verstärkten Einbauten die Steifigkeit der Bootshülle erhöhen und neue Maßstäbe bei der Sicherheit setzen. Ähnlich wie die Boote aus Verbundmaterialien ist mein neues Slalomboot mit Hilfe einer neuen Technologie hergestellt worden, bei der die Nähte in der Form vakuumversiegelt werden. Schätze also die Bedeutung von vielen kleinen Fortschritten gegenüber einem großen nicht zu gering ein. Die Computer-Industrie hat große Fortschritte gemacht, aber jeweils nur einen zur Zeit.

SB: Wohin wird sich das Freestyle-Paddeln entwickeln: mehr zu künstlichen Anlagen, zu einer olympischen Sportart oder zu rein professionellen Wettkämpfen?

EJ: Die IFC, die jetzt unter dem Dach der ICF agiert, hat den Weg Richtung Olympia beschritten. Wir brauchen mindestens 50 Länder, die an den Weltmeisterschaften 2007 teilnehmen, um in die engere Auswahl für die Olympischen Spiele zu kommen. JK wird seinen Teil dazu beitragen, indem einzelnen Paddlern, die bislang nie die Chance hatten, an den Weltmeisterschaften teilzunehmen, geholfen wird, dorthin zu kommen. Freestyle-Paddeln ist gesund, das Regelwerk und die Veranstaltungen entwickeln sich rasant weiter und es gibt jedes Jahr einige Spitzenveranstaltungen, die neben Preisgeldern auch jede Menge Spaß bieten.  

SB: Hat das Kajakfahren im Wildwasser ohne künstliche Spielstellen und ähnliche Anlagen das Potential eine Massensportart zu werden?

EJ: Es müssen viele Dinge passieren, damit Paddler kommerziell interessanter werden. Es sind immer wieder die einzelnen kleinen Schritte, die Kajakfahren leichter und attraktiver machen. Der Einstieg in den Sport ist für einen Anfänger immer noch eine harte Nuss, die es zu knacken gilt. Ausrüstung, persönliche Fähigkeiten, Zeit und Geld, all dies sind Hindernisse, die er überwinden muss. JK wird 2006 und 2007 damit beginnen, sich diesen Punkten zu widmen. Mit dem Fun 1 und Fun 1.5 haben wir bereits den Markt für Kinder angesprochen.       

SB: Wer sind die „unsichtbaren” Akteure bei JK? Wie viele Leute seid ihr momentan?

EJ: Tony Lunt ist mein Partner. Er gewährleistet, dass wir immer genug Kohle haben, um den Laden am laufen zu halten. Dave Olson ist unser Leiter der Finanzabteilung, der das Geld verwaltet und weiß, wie viel wir davon brauchen. Er ist so eine Art Resonanzboden für mich. John Ratcliff ist mein Geschäftsführer und leitet den Betrieb. Carman Ratcliff betreut den Kundendienst, während sich Lorraine Valet (Kristines Mutter) um das Büro und den Internetvertrieb kümmert. Wir haben momentan 25 Mitarbeiter und zusätzlich ein Fabrik-Team.

    

SB: Wie hältst du dich eigentlich so gut in Form? Hast du irgendein Tipp, wie man auch im Winter fit bleibt?

EJ: Ich paddele den ganzen Winter hindurch und bleibe so in Form. Außerdem ist meine neue Trainingsmaschine „Paddle Station“ wie ein Gottesgeschenk für jeden, der wirklich muskulös werden möchte. Ich werde in ungefähr zwei Wochen in der Lage sein, meinen Vorher-nachher-Test zu starten.


Kleine Pause...

SB: Hast du irgendwelche Pläne, Europa in der nächsten Saison zu besuchen und vielleicht Kurse zu geben?

EJ: Ich bin dabei, eine Europatour zu planen, meine erste ohne Slalom. Ich bin viel in Europa gewesen, aber im nächsten Juni werde ich dort einen ganzen Monat mit der Jackson Familie verbringen. Dane, Emily, Kristine, ich und Tony Lunt werden in Lyon beginnen und dann einen Monat lang tun, was immer uns Spaß macht. Hast du irgendwelche Ideen?

SB: Kannst du uns eine Spezialität aus Tennesee empfehlen?

EJ: Biscuits and Gravy (Buttermilchkekse mit Wurstsoße), darauf schwöre ich!

SB: Vielen Dank für deine Zeit und die Informationen, viel Erfolg mit JK!

EJ: Danke, dass ihr an mich gedacht habt. Macht weiter so! 


Interview geführt von Ferry, Soulboater.com. Deutsche Übersetzung: Nils

Die Originalversion in Englisch gibts hier.

Alle Bilder: © Eric Jackson & Jackson Kayak

http://www.jacksonkayak.com

 

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