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Der neue Prijon Hercules im Test
geschrieben von Jan-Peter, erstellt am 18.01.2006

Erste Eindrücke vom neuen Prijon Hercules

- Noch warm aus der Form geschlüpft lag er kurz vor Weihnachten bei mir vor der Haustür: Der Hercules von Prijon, das neue Wildwasserboot für große und schwere Paddler.

Eigentlich wollte ich damit gleich zur Oker, aber Eisregen und anschließender Wintereinbruch überzeugten mich, doch zunächst einmal das Boot im Trockenen näher zu betrachten und seine Roll- und Surfeigenschaften im warmen Wellenbad zu testen.

Nur noch fünf Grad Minus waren dann letztes Wochenende die geeignete Temperatur, das Boot auch in der Praxis im Harz zu testen.

Da ich den Prototypen des Bootes im Sommer für 2 Wochen mit nach Osttirol zum Wildwasserfahren auf Isel und Drau genommen und danach beim Feedback einige veränderungswürdige Kritikpunkte geäussert hatte, war ich sehr gespannt, wie die Details des endgültigen Bootes nun aussehen würden und wie meine damaligen Anmerkungen von Prijon umgesetzt worden sind:


deutlich größer als ein normales Creekboot

Der erste Eindruck ist schon mal positiv:

Nachdem die leicht verstellbare Fußstütze (es handelt sich wie beim Prijon Cross um das Shock-Absorber-System) so weit es geht nach vorne geschoben ist, lasse ich mich auf den Sitz fallen und schiebe danach die Beine nach vorne ins Boot. Supergroße Luke, ist mein erster Eindruck, im Notfall bekomme ich auch als Zweimetermensch meine langen Beine mit gleichzeitig angezogenen Knien heraus.


Die Shock-Absorber Aufhängung der Prallplatte

Im Ernstfall z.B. bei einem vertikalen Stecker kann sogar durch das Lösen der Rückengurtspanner noch ein paar Zentimeter Raum gewonnen werden, um gut aus dem Boot herauszukommen.

Dabei kann es allerdings passieren, dass man sich im Eifer des Gefechts an der unteren vorderen Süllrandverstärkung, die ziemlich scharfkantig ist, blaue Flecken holt oder sich sogar an der inneren Verschraubung des Prijon-Logos verletzt. Eine Verklebung des Logos auf dem Bootsdeck und ein Abrunden der Süllrandverstärkung könnte hier leicht eine Verbesserung der Sicherheit herbeiführen.

Nach Rücksprache mit Prijon diesbezüglich werden die angesprochenen Mängel in der Serienproduktion sofort abgestellt.

Der Sitz ist gegenüber dem Prototyp mit herausnehmbaren Schaumkeilen an den seitlichen Fittings ausgestattet, eine gute Idee, die Einbauten gerade für grössere und damit auch breitere Paddler variabel zu gestalten.

Die stufenlose Verstellmöglichkeit sowohl von Sitz als auch Schenkelstütze sind bei Prijon wohl inzwischen Standard, sollen hier aber noch einmal lobend erwähnt werden. Ein gutes und stabiles System.


große Rückenfreiheit der Sitzluke

Das Gurtmaterial der Bootsschlaufen könnte dagegen etwas zäher sein, das bei diesem Boot verwendete Material lässt sich zwar sehr angenehm greifen, neigt jedoch ziemlich schnell zum Fusseln.

Verbesserungswürdig ist auf alle Fälle die Verschraubung der Griffschlaufen, bei den bei meinem Testboot verwendeten Rundkopfschrauben schlägt man beim Greifen leicht mit den Fingerknöcheln an. Versenkte Schrauben könnten hier schnell und leicht für eine deutliche Verbesserung des Tragekomforts sorgen. Prijon sagte mir eine kurzfristige Änderung der Griffschlaufen zu, sie arbeiten an einer guten Lösung des Problems.


Sicherheitsschlaufe hinterm Cockpit

Das Boot ist wirklich für große Paddler gemacht, kleinere Leute werden darin zu tief sitzen, weil der Süllrand vorne doch sehr hochgezogen ist und man automatisch eine ziemlich breitbeinige Sitzposition einnimmt.


Variable Keile der Seitenfittings

Auf den Süllrand passt trotz der Oversize-Größe der Sitzluke noch eine normale Keyhole-Spritzdecke, wie sie wohl von der Mehrzahl der WW-Paddler benutzt wird, das ist gut, weil damit die Anschaffung einer zweiten Spritzdecke überflüssig wird.


Unterschiff mit ausgeprägten Rails

Die Fahreigenschaften des Hercules:

Ich war mit dem Boot zunächst im Badlantic und danach auf der Oker unterwegs, um es auch im schweren verblockten Wildwasser zu testen:

Im Schwimmbad probierte ich zunächst alle möglichen Varianten der Eskimorolle mit und ohne Paddel. Ich war angenehm überrascht, wie leicht sich das Boot auf alle Arten rollen lässt: Hier scheint wirklich ein "Rollomat" eingebaut zu sein, wie er von vielen Paddlern sehnlichst gewünscht wird. Besonders im letzten Teil der Rolle unterstützt das Boot den Paddler und kommt praktisch von alleine hoch. Super!

Beim Surfen auf Wellen sowohl im Wildwasser als auch in der künstlichen Brandungswelle ist das Boot sehr schnell, lässt sich dabei aber durch die Rails im Unterschiff immer präzise steuern und ist dabei noch sehr wendig und agil. Im verblockten Wildwasser der Oker ließ sich der Hercules sehr kontrolliert in Kehrwasser einschwingen und dabei ganz einfach auf der Stelle drehen.


wegen des großen Volumens springt das Boot in der Walze

Beim Walzenreiten in der Eingangswalze zeigte er sich etwas bockig, wegen des großen Volumens schwimmt das Boot ziemlich auf und springt dadurch, alles aber im voll kontrollierten Zustand.


Einfahrt zum Hexenritt

Der Boof in den Eingang der Geisterbahn klappte fast von selbst, auch wenn das Boot deutlich länger als normale Creeker ist. Beim anschließenden Befahren der Geisterbahn merkte ich, dass das Boot aufgrund des flachen vorderen Oberschiffs etwas bohrt, d.h. es taucht nicht ganz so schnell aus Walzen wieder auf wie ein reinrassiger Creeker mit einem dachförmigen Vorschiff.

Für ein Allround-WW-Boot für grosse Paddler ist das Fahrverhalten aber als sehr gut zu bezeichnen.

In eine Walze wurde ich langsam hineingetrieben und bekam Wasser aufs Hinterschiff, so dass das Boot trotz des großen Heckvolumens überraschend heftig kerzte. Es liess sich aber absolut kontrolliert abfangen und für die anschließende Verblockung sauber stabilisieren. Zusammenfassend bin ich der Meinung, dass Prijon mit dem Hercules endlich einmal ein Boot entwickelt hat, in dem sich große und schwere Wildwasserfahrer wohl fühlen werden.


Einfahrt zur Geisterbahn


im verblockten WW in der Geisterbahn

Als Zielgruppe sehe ich zum einen die Schwerwasserfahrer, die sich z.B. in Norwegen extreme Fossen und Wasserfälle herabstürzen wollen und dafür deutlich mehr Volumen als in herkömmlichen Creekbooten benötigen.

Auf der anderen Seite wird das Boot eine große Zahl von Amateurwildwasserfahrern und auch Wildwasserbeginner mit wenig Routine ansprechen, denen das Boot aufgrund seiner Sicherheitsfeatures und auch des Platzangebots ein Gefühl der Geborgenheit im Wildwasser vermitteln wird, das sie von herkömmlichen Creekern und Allroundbooten bisher nicht kannten, weil diese Boote grundsätzlich zu eng und zu klein waren.


letzter Schwall vor dem Stausee

Der Hercules ist mit Absicht kein reinrassiger Creeker sondern soll den größeren Markt der Semi-Creeker abdecken.

Er ist auch keine größere Version des Prijon Cross sondern mit seinen Details ein völlig neues Boot geworden, dass mich absolut überzeugt. In keinem WW-Boot habe ich bisher besser gesessen und mich von Anfang an so wohl und sicher gefühlt.

Das Entwicklungsteam bei Prijon kann sich auf die Schultern klopfen und sagen: Mission erfüllt - Der moderne Semi-Creeker für die gar nicht so kleine Gruppe der großen und schweren Leute ist da!

Jan-Peter

zur Webseite von Prijon

 

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