| 25 Jahre und immer noch ein (halb)wilder Haufen
- Wildwasserpaddeln vor einem Vierteljahrhundert: Man fuhr mit vier Meter langen Polyesterbombern auf der extrem verblockten auch bei Niedrigwasser nicht unter WW IV eingestuften Loisach, kenterte in der Scheibum der Ammer und das Schlegel Allround Paddel galt als „extrem WW-geeignet“. Vom Deutschen Kanu Verband wurden Wildwasserwochen organisiert, mit „Paddelappell“ vor dem Frühstück und gemeinsamen „Flaggeeinholen“ vor Anbruch der Dunkelheit. In manchen Kanuclubs wurden Mitglieder, die sich alleine im kleinen Team auf Wildwassertour begeben wollten, als selbstmörderisch gebrandmarkt und die Erlaubnis zur Durchführung von Wildwassertouren mit dem Argument des „schlechten Beispiels für die Jugend“ entzogen. Die Gruppe der Wildwasserfahrer war dadurch sehr übersichtlich im Gegensatz zum Heer der Wanderpaddler und Binsenbummler.

In dieser Zeit Anfang der 80er Jahre entstand in Hamburg die Idee, ähnlich dem einige Jahre zuvor gegründeten Wildwasserclub AKC in München Wildwasserpaddler per Flugblatt für spontane Treffen an (heute nennt man es wohl) Spielstellen der Umgebung zu aktivieren und gemeinsame Aktionen und Touren zu den doch immer mindestens 1000 Kilometer entfernten Alpenflüssen zu organisieren. Da viele dieser Paddler natürlich auch weiterhin ihrem Wanderverein treu blieben, die neue Gruppe aber so gar keine Lust auf irgendwelche Vereinsstrukturen hatte, nannte man sich HKN – Halbwilde Kajakfahrer Norddeutschland.

Schnell hatte dieser Club sein Image in der traditionellen Paddelszene weg: Das sind die „Rocker des Wildwassers“, Outlaws in mit der Stichsäge verkürzten Kajaks (wie, Topolino heißen die Dinger?!?), vermummt mit Motorradhelmen, die durch mediengeile Aktionen wie Sprünge von Strassenbrücken in Hamburgs City während der Rushhour oder Auftritte im Radio und in Fernsehshows das sorgfältig gepflegte Ansehen des Kanusports in Verruf bringen wollten.

Klar, dass so ein „Club“ nicht in den DKV aufgenommen werden konnte, übersehen wurde nur, dass der HKN dies auch gar nicht beabsichtigte, im Gegenteil.

Es sprach sich ziemlich schnell herum, welche Rebellion da im Gange war, die Oker im Harz ersetzte das Clubhaus und HKN-Teams waren jedes zweite Wochenende im Tessin, in Südfrankreich oder im Winter im Hohen Venn unterwegs, immer auf der Suche nach neuen Bächen und Wasserfällen. Nebenbei wurden auch ein paar Erstbefahrungen ( z.B. Jabron, mittlerer Isorno und Teilstrecken des oberen Cannobino) gemacht und über in Paddlerkreisen noch unbekannte Wildbäche Flußführer in Form der "HKN-Specials" herausgegeben.

Der Club wuchs und mit ihm die Zahl prominenter Mitglieder: Expeditionspaddler Jonas Nöcker, Harzbub Michi Neumann, Paddelprofessor Gert Spilker, Extrempaddler Olli Dose, Hardcorestürzer Nils Kagel, Kanuautor Sven Grimpe und das Organisationstalent Michael Fischer waren oder sind im HKN und die Idee des Clubs zieht immer neue Newcomer an, die zwanglos ohne bremsende Vereinsstrukturen in Teams von souveränen Bootfahrern ihren Spass auf dem Bach haben wollen. Nur eines hat sich geändert: Inzwischen kommen die HKNer nicht mehr mehrheitlich aus dem norddeutschen Raum, es mischen sich immer mehr für den echten Fischkopp vollkommen fremd klingende Dialekte in die Lagerfeuergespräche, weil die Fraktion aus Süddeutschland immer mehr Anhänger gewinnt.

Von den „Rockern des Wildwassers“ hat sich der HKN in den letzten Jahren sicherlich gewandelt, nicht zuletzt durch die erfolgreiche Rettung der Oker vor einer praktisch schon durchgesetzten Sperrung, bei der dem Club für sein Engagement gerade vor Ort im Harz viel Anerkennung durch den DKV (ja, richtig gelesen!) gezollt wurde. Ganz in seinem Inneren schlägt aber immer noch das Herz des Outlaws und so werden auch die jährlichen Treffen zu Events aus Paddeln und Feiern mit Freunden.

Dieses Jahr feiert der HKN seinen 25. Geburtstag, standesgemäß an der am Wochenende des 2./3.September 2006 extra für das Jubiläumstreffen reservierten Oker im Harz und auf dem dortigen Campingplatz Göttingerode.
Wer sich dem Club verbunden fühlt, ist herzlich eingeladen, bei Jan-Peter weitere Infos einzuholen und seine Teilnahme an der Jubiläumsparty anzukündigen. |