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- Des einen Leid ist des anderen Freud. Während das Harzvorland nach nur zwei Tagen Dauerregen "Land unter" meldet und Ortschaften kurz vor der Evakuierung stehen, freuen sich einige Paddler über die hohen Wasserstände in den „Brocky Mountains“ und reisen extra von weit her an, um die Hochwasserwellen im Kajak abzureiten.

Ergiebige Regenfälle bringen in letzter Zeit auch in der warmen Jahreszeit gute Wasserstände für die Befahrung von Sturzbächen, an deren Befahrbarkeit selbst vor wenigen Jahren noch niemand zu denken wagte.

Vom Brocken, dem mit 1142 Metern höchsten Berg im Harz rinnen nach allen Himmelsrichtungen steile Creeks zu Thale, die selbst den meisten Harzer Locals nicht bekannt sind.

Allen diesen Steilbächen ist gemeinsam, dass sie auf kurzer Strecke viel Gefälle verlieren, stark verblockt sind und man immer mit plötzlich auftauchenden Baumhindernissen rechnen muss.

Desweiteren gehört das Gebiet um den Brocken zum Nationalpark Harz, in dem ein striktes Wegegebot gilt und auch sonst einige Ge- und Verbote zu beachten sind.

Unter anderem ist das Paddeln aus welchen Gründen auch immer verboten, so dass es sich bei der Befahrung der Bäche im Nationalparkgebiet um klassische Bandit-Runs handelt.

Wenn man von einem Ranger bei der Befahrung erwischt wird, sollte man daher einige grössere Euroscheine oder besser gleich eine Kreditkarte mit einem hohen Auszahlungslimit dabei haben, um die fällige Strafe gleich an Ort und Stelle begleichen zu können.

Der Brockenbach ist ein typischer Vertreter dieser Harzcreeks:

Die Befahrung ist nur zur Zeit von starken Regenfällen oder direkt danach möglich. Man sollte also, wenn im Wetterbericht Unwetterwarnungen in Verbindung mit starken Niederschlägen für Südniedersachsen angekündigt werden, schon mal damit beginnen, seine Paddelsachen von der Wäscheleine zu nehmen, den Creeker auf oder ins Auto zu laden und seinem Chef mitzuteilen, dass man aus persönlichen Gründen in nächster Zeit kurzfristig einen Tag Urlaub nehmen möchte.

Wenn dann der Regen zu Strassensperrungen führt und die Feuerwehr einen dazu nötigt, Umwege zum Bach in Kauf zu nehmen, weil die Strassen überflutet sind, ist die Zeit reif für die Befahrung vom Brockenbach oder einem der vielen anderen Harzbäche in der Gegend.

Ein- und Ausstiege findet der interessierte Paddler für diese Bäche ganz einfach auf einer Harzwanderkarte, wenn er mit einem Zirkel einen Kreis mit einem Radius von einigen Kilometern um den Brocken zieht und die darin gefundenen Bäche einmal genauer unter die Lupe nimmt.

Die Mitnahme einer Handsäge ist wegen der häufiger im Bach liegenden Äste und Bäume sehr zu empfehlen, der Brockenbach war heute nach einigen Sägearbeiten durchgehend ohne Umtragen zu befahren.

Für eine Befahrung ist es am sinnvollsten, die Boote am Einstieg oder in der Nähe davon unauffällig zu deponieren, das Auto in der Nähe des Ausstiegs ohne auffällige Paddlerutensilien wie Dachträger und verräterische Aufkleber zu parken und dann zu Fuß zum Einstieg zu laufen.

Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass im Bach liegende Bäume schon vor der Befahrung herausgezogen oder –gesägt werden können und gleichzeitig ein Blick auf die Routen in den Schlüsselstellen geworfen werden kann.

Damit erspart man sich erneutes Besichtigen während der Fahrt, da der Brockenbach mit ungefähr 40 Promille Gefälle so steil ist, dass die fahrbaren Routen nicht aus dem Kehrwasser überblickt werden können.

Die Fahrt selbst geht dann relativ schnell, wenn man nicht ab und zu aussteigt, um Fotos von schönen Abschnitten zu machen.
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