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Eskimotieren leichtgemacht - mit der Essener Kanuschule
geschrieben von Martina, erstellt am 30.11.2007

- Soulboater.com war am 17.11.07 zu Gast bei der Essener Kanuschule, wir werden in mehreren Artikeln über die Eskimotierkurse der Essener berichten und beginnen mit einem Interview zweier Kanulehrer der Kanuschule, die seit Jahren die Kurse leiten: Monika Herten und Wolfgang Moser

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Es gibt viele Kanuschulen, die Eskimotierkurse anbieten. Was unterscheidet Euch von den anderen?
 
Monika: Soweit ich weiß, haben die anderen teilweise eine andere Zeitvorgabe. Die machen z.B. einen Samstag und einen Sonntag. Wir machen samstags drei Stunden (für jeden Schüler 2 x 20 Minuten), weil wir meinen, daß die Leute diese Bewegungsabläufe nur eine begrenzte Zeit üben können und wir die Erfahrung gemacht haben, daß sie nach den drei Stunden auch ziemlich platt sind. Deshalb haben die Leute dann immer – je nach Trainingswunsch - eine Woche Zeit, damit sich das Gelernte setzt und dann machen wir weiter. Wir haben also ein anderes Zeitschema.
Dann haben wir auch andere Möglichkeiten durch dieses spezielle Schwimmbad, das sehr warmes Wasser hat, so daß die Teilnehmer nicht schon nach einer Stunde durchgekühlt sind und sich gut auf das Lernen konzentrieren können.

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Ist das Wasser so viel wärmer als in anderen Schwimmbädern?
 
Monika: Ja, das Wasser hat 32 Grad.
Wolfgang: 32 Grad und die Lufttemperatur kommt noch dazu, die beträgt 34 Grad…
 
Monika: So daß du also gut 3 Stunden im Badeanzug sein kannst. Von den anderen weiß ich, daß es, wenn Du da keinen Longjohn oder sowas anhast, schon sehr kühl wird.
So, das wären die äußeren Umstände. Dann haben wir aber auch schon relativ lange eine Expertise, das heißt also schon seit mehreren Jahren immer die gleichen Kanulehrer.
Ganz früher hatten wir ein anderes Team, aber mittlerweile ist z.B. Wolfgang sehr lange dabei, Thommy ist schon sehr lange dabei. Wir sind auch ein sehr engagiertes Team mit sehr viel Erfahrung.
 
Wolfgang: Ja, und Du hast ja auch am eigenen Leib schon unsere Kreativität in Sachen Training miterlebt..
 
Wohl wahr......    :o))

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Wolfgang: Jeder Schüler ist anders und wir haben über die Jahre schon so viele Schülertypen erlebt und ein Riesenrepertoir an Spielmöglichkeiten erworben, um jeden Typ locken zu können.
Und vor allem auch jedem, der schon rollen kann, auch noch mal was Neues zum Üben zu bieten.
 
Monika: Und wir sind hier in Essen auch relativ zentral gelegen, man fährt ja nun nicht einfach mal spontan nach Oberstdorf zum Rollkurs.
 
Wolfgang: Aber wir haben schon auch Leute gehabt, die kamen z.B. aus Hamburg oder Kassel oder Frankfurt und die kamen jedes Wochenende, bis die mal klarkamen. Also Bielefeld ist schon vergleichsweise Standard. Und die Leute sagen, wir haben nichts Adäquates bei uns.
 
Wolfgang, Du hast ja eben schon davon gesprochen: Besondere Trainingstaktiken. Was habt Ihr denn da Besonderes?
 
Wolfgang: Wir stützen uns in erster Linie auf das vom Pollner Verlag herausgegebene und durch den VDKS (Verband Deutscher Kanuschulen, Anmerkung soulboater) empfohlene Buch „Eskimotieren leichtgemacht“.
Das als Grundkonzept. Als Skelett. Alle Feinheiten kommen dann immer von jedem Kanulehrer einzeln. Ich kann jetzt nicht einfach sagen:“ Das und das und das machen wir“.
Klar, wenn du diese Beckenrandübung gehabt hast...

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....dann hast du als nächstes die Leute an der Hand. Wir gehen dann immer von zwei Händen auf vier Finger, auf eine Hand, nach und nach immer weniger.

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Wir schulen mit dem Brett (Schwimmbrett), gehen dabei aber auch immer weiter zurück, die Brettchen werden immer kleiner.

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Wir binden dabei die Brettchen aber nicht ans Paddel - wie immer wieder gezeigt - das funktioniert nämlich nicht vernünftig, sondern ich lasse die Teilnehmer das Paddel erst auf meine Hand legen, wenn die soweit sind, daß sie das Paddel auf 90 Grad gebracht bekommen. Ich sag dann z.B. auch: Das war jetzt zuviel Druck, mit einem Finger kann ich das nicht halten.

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 Wenn die Teilnehmer dann aber soweit sind, lasse ich sie in dem Glauben, daß ich das Paddel halte, ich ziehe aber im wichtigsten Moment meine Hand weg und die rollen von ganz alleine. Wenn du denen aber sagen würdest: „Mach’s alleine!“, dann klappt gar nichts mehr.

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Und wenn die dann oben sind sagst Du: So ich hab jetzt gar nichts mehr gemacht und dann kommt der große Schock...
 
Monika: Naja, es ist wie so ein langsames Rausschleichen.
 
Wolfgang: Es handelt sich ja da um tausend Kleinigkeiten. Ich sag mal ganz böse: Die ganz Grobmotorischen.....Männer.... die halt ich nicht an den Händen, das hältst du gar nicht.
Die leg ich zum Beispiel über meine Schulter, ich umarme die quasi.
Am Beckenrand wollen die nämlich alles mit den Oberarmen machen, strengen sich fürchterlich an und sind einfach nicht locker.
Ich lege die also teilweise auf meine Schulter, umarme die, schaue, daß die mit dem Körper unter Wasser bleiben, so nach dem Motto:“ Du bleibst jetzt hier, ich halt Dich fest!“ und laß sie dann mit der Hüfte arbeiten.
Wenn das gar nicht funktioniert, bleibt nur noch vormachen – nachmachen. Aber wie gesagt, das sind tausend Sachen, die kommen dann spontan aus dir heraus.
Dir fällt jedes Mal etwas Neues ein, um jemanden dahin zu bringen, daß er es versteht.
Zu Monika: Oder wie soll ich das anders sagen?

Monika: Nee, stimmt schon. Klar, gibt es da so einprägsame Gags für Leute: Zum Beispiel wenn du das erklären willst mit dem Nach-Vorne-Gehen, in Vorlage gehen..
 
Wolfgang: Ach, diese Frauen...
 
Monika: ....feindliche Erklärung: Mit der linken Brustwarze über den Süllrand streifen..
 
Da hätte ich mich drüber aufgeregt!  ;o))
 
Wolfgang: Ich meld das aber immer so an: Es könnte auch anrüchig sein, meistens aber ich sag das nur zu Männern...oder ich melde es bei den Frauen vorher an...und es gab bisher keine Beschwerden...
Und DAS versteht jeder sofort!
 
Monika: Klar kannst du das Ganze bis ins Detail beschreiben, aber wenn du so einen Satz hast...

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Das kann sich JEDER merken.....
 
Monika: Aber abgesehen davon: Wir haben immer vier Schüler und einen Lehrer, und ich weiß, daß es bei anderen Schulen ein größeres Schüler-Lehrer-Verhältnis ist.
Für die drei Stunden finde ich schon optimal, wenn jeder eine Zeitlang einen Schüler hat und für die Pausenzeiten gebe ich den Teilnehmern immer Aufgaben auf, „jetzt übst Du das oder das, bis Du wieder drankommst“ oder ich bilde Zweier oder Dreiergruppen, so daß die Leute so alle 12-13 Minuten bei mir sind und dann sage ich wieder, woran sie dann in der Zwischenzeit arbeiten sollen.
 
Wolfgang: Üblicherweise teilen wir das so auf: 2 x 20 Minuten. Es kommt nämlich unheimlich häufig vor, daß ein Schüler nach 10-15 Minuten völlig blockiert ist. Dann schickst du ihn raus und machst mit dem nächsten Schüler weiter. Meine Schüler kriegen dann auch immer die Aufgabe, aufzupassen, daß mir nicht die Zeit wegläuft. Das funktioniert auch ganz gut.
 
Monika: Manchmal gruppiere ich dann auch ein bißchen um und schaue – aus kommunikativen Gründen - daß ich so ein attraktives Mädel zu einem total blockierten Mann schicke und sage: Guck mal hier, daß ist jetzt mal meine Co-Trainerin...
Weißt du, es gibt Leute, die kommen ganz alleine und andere zu zweit oder zu dritt und durch diese Übungen kriegst du die auch ganz gut vermischt. Das bringt ein bißchen Dynamik da rein, denn statt daß die Leute so am Beckenrand alleine sitzen würden und warten, bis sie wieder dran sind, kannst du diese Dynamik durch so ganz kleine Sachen ein bißchen fördern.
Du siehst die Teilnehmer dann da sitzen, sie erzählen und verabreden sich...
 
Das heißt, Ihr seid eigentlich eine Partnervermittlung...?? 
 
Monika: Nee, Quatsch, aber du siehst schon, daß sich da Gruppen zusammenfinden. Leute, die dann nachher auch zusammen paddeln gehen. Daß das über die drei Stunden ein richtiges Miteinander wird mit dem Vorteil, daß sie natürlich auch aus der Zeit mehr mitnehmen.
Auch das gegenseitige Beobachten zu fördern ist sehr wichtig. Die Teilnehmer darauf zu aufmerksam zu machen, was der andere falsch macht und so.
Alles, damit die Leute die Zeit, die sie nicht bei dir sind, auch optimal nutzen.
 
Habt Ihr eigentlich auch schon Filme gemacht? So mit Unterwasserkamera?
 
Monika: Nein. Es gab zwar mal Teilnehmer, die im Viererpack gekommen waren, die ihre Kameras mitgebracht und Fotos gemacht haben oder Sequenzen aufgenommen haben, aber wir als Kanuschule nicht.
 
Wolfgang: Christoph (Anmerkung soulboater: Mitgesellschafter der Essener Kanuschule, Christoph Becker) hat mal Filme gemacht, aber das ist 10 Jahre oder 8 Jahre her.
Da gab’s Aufnahmen. Aber willst du einen Fernseher mitnehmen? Oder Videos verkaufen, was du nicht darfst oder so?
 
Monika: Also was man schon machen könnte wäre, wie man es ja auch in anderen Sportarten macht, einzelne Bewegungsabläufe zu filmen..
 
..so daß der Schüler anhand der gefilmten Bewegungsabläufe sehen kann.....
 
Monika: Genau, damit der Schüler das selbst mal sehen kann – und nicht nur von uns gesagt bekommt – was er falsch oder richtig gemacht hat.
 
Wolfgang: Da mußt du doch Videonachbearbeitung machen oder?
 
Nee, Du kannst das mit einer Digi-Cam filmen und den Leuten direkt zeigen. Das hatten wir bei einem Rollkurs, den ich letztes Jahr gemacht habe. Da konntest Du Dir das gleich ansehen. Natürlich nur über Wasser, nicht unter Wasser. Und da konntest Du schon so Sachen sehen wie „Kopf zuerst hoch“ oder sowas. Das kann auch deprimierend sein....
 
Wolfgang: Aber wer steht dann daneben und macht die Aufnahmen?
 
Entweder Du überläßt das einem Teilnehmer..
 
Monika: Ja, genau, das wäre doch auch total spannend für die. Das wäre sicher noch eine Bereicherung, das stimmt. Dann wäre das Ganze so wie in einem guten Sporttraining.
 
Ihr schult die Rolle in Vorlage. Warum?
 
Wolfgang: Weil das für’s Rollen im Wildwasser definitiv die sicherste Rolle ist.
Du hast in der Vorlage den Teil deines Körpers, der ungeschützt ist, nämlich das Gesicht, in einer geschützten Position.
 
Du  kriegst also im Kurs beigebracht, daß Du, wenn du rollst, das Gesicht erst auf die Spritzdecke  legen sollst?
 
Wolfgang: Naja, du sollst, wenn du erst mal umgekippt bist, dich erst mal ganz ruhig sortieren. Dabei nimmst du den Kopf ganz leicht nach vorne. Wenn du dann nach hinten rollen würdest, zeigst du dem Grund dein Gesicht. Du hast im Wildwasser unkontrollierte Gewässer. Du weißt definitiv nicht, was gleich kommen könnte. Eine Kiesbank, oder kommt da Schiefer, der sich dann durch dein Gesicht bohrt oder Äste – bist du in Vorlage, hast du deinen Helm, der dich schützt...
 
Monika: Guck mal, hier ist auch ein schönes Foto in dem Buch: Dadurch, daß du die Aktionshand in Vorlage vor dem Gesicht hast...
 
...schützt du gleichzeitig auch dein Gesicht...
 
Monika: Genau. Das ist übrigens in dem Buch auch echt super dargestellt. Da gibt es nämlich auch noch den Effekt, daß Du bei der Rolle nach hinten auch noch im Hüftbereich ein ganz gutes Überdehnungspotential hast. Und bei der Bogenschlagrolle auch noch die Gefahr einer Luxation der Schulter gegeben ist.
Aber prinzipiell ist schon jede Rolle, mit der du sicher hochkommst, eine gute Rolle.
 
Wolfgang: Bei der Rolle in Vorlage geht es halt in erster Linie darum, daß du dich beim Fahren in Wildwasser in unbekanntem Gewässer bewegst. Wenn Du Slalom auf einer bekannten Slalomstrecke fährst, weißt du genau, wie tief das da ist.
Da kannst du jede Rolle machen, das ist ganz egal. Aber im Wildwasser weißt du halt gar nichts, du weißt nicht, was gleich kommt und deswegen ist die Rolle in Vorlage definitiv die sicherste.

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Das führt mich zur nächsten Frage: Man sieht ja viele Rodeofahrer, die meistens rückwärts rollen?
 
Wolfgang: Meistens ist mit Sicherheit falsch.
 
Also, die, die ich so z.B. am Wiesenwehr oder in Holibu gesehen hab....
 
Wolfgang:
Jaaa, die sind ja immer an derselben Stelle...
 
Wo sie genau wissen, daß da nichts ist zum Gesicht aufschlagen...
 
Wolfgang:
Und wo sie fast immer in der gleichen Position sind, wenn sie kippen.
Grundsätzlich rollst du halt immer da, wo du gerade bist, damit du schnell wieder oben bist.
Kann ja auch nicht sein, daß wenn du ganz vorne bist, du dir Mühe gibst, um nach hinten zu rollen oder umgekehrt. Der Rodeofahrer rollt in der Position, in der er gerade ist. Schnell.

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Wieviel Kurse braucht denn so ein durchschnittlicher Eskimotier-Schüler, bis er die Rolle – im Schwimmbad – beherrscht?
 
Wolfgang: 3 bis „ohne Ende“...

Monika: Wir haben kürzlich einen über 60jährigen Mann gehabt, der nach der zweiten Session gerollt hat... und was ist der Schlüssel? Er ist Tango-Tänzer.
 
:o))
 
Monika: Neueinsteiger im Kajaksport. Über 60, total locker in der Hüfte.
 
Es gibt also besonders Begabte?
 
Wolfgang: Ja, Sportstudenten. Tänzer – aber nicht Disco oder so – Standard oder Tango halt. Und Kinder. Haben ganz klare Vorteile. Die raffen das ganz schnell. Denen zeigst du das und dann kann es sein, daß sie nach den drei Stunden rausgehen und rollen können. Die haben aber dann draußen im Wildwasser immer noch den Angstfaktor, aber das ist bei Kindern und Jugendlichen auch nicht ganz so stark.
Aber ansonsten würde ich niemandem empfehlen, die Kurse so zu buchen, daß ich einen am Anfang der Wintersaison habe, einen in der Mitte und einen am Ende. Da hast du nichts von.

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Warum ist das eigentlich so, daß man die Rolle, wenn man sie im Schwimmbad kann, nicht auch draußen gleich können muß?
 
Wolfgang: Mmmh. Angstfaktor. Im Schwimmbad hast du immer noch die Möglichkeit zu gucken. Du weißt, da ist jemand neben dir. Du weißt, dir kann überhaupt gar nichts passieren. Und wenn du dann wirklich auf dem Bach umkippst – das geht mir heute auch noch so – dann hast du erst mal bange. Die Bange kommt dazu, du kannst nichts sehen, du weißt, da steht keiner. Das weißt du SOFORT, da denkst du gar nicht bewußt drüber nach. Und machst erst mal alles falsch. Du vergißt sofort, was du gelernt hast, den Kopf unter Wasser zu lassen und holst sofort den Kopf raus.
Deshalb ist das Erste, was wir den Leuten immer wieder sagen beim Rollen: Wenn du gekentert bist: Laß dir erst mal eine Sekunde Zeit, vielleicht sogar drei, zähl mindestens einmal „einundzwanzig, zweiundzwanzig“ , den Kopf nach vorne nehmen, ein bißchen treiben lassen. Und zack. Dann bist du auch aus der Gefahrenzone, die dich umgeschmissen hat, die manchmal sehr sauerstoffdurchsetzt ist, raus.

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Was ist denn, wenn du in so einer Sch..Kehrwasserzone hängenbleibst?
 
Wolfgang: Wenn du Glück hast, treibt es dich in die Strömung raus.

Monika: Meistens nimmt die Strömung dein Boot schon mal mit und du bist dann schon wieder in der Hauptströmung.

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Hätte es nicht Charme, das mal als Kurs draußen anzubieten?
 
Wolfgang: Wir haben das schon mal versucht. Am „Deutschen“ (Anmerkung soulboater: Spielstelle auf der Ruhr bei Hattingen). Auf unsere Idee hin hat die Kanuschule diese Kurse das ganze Jahr angeboten – und letztlich haben wir zwei Anmeldungen gehabt, bzw. drei, aber der Teilnehmer ist überhaupt nicht erschienen.
 
Monika: Also war das quasi Einzeltraining?

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Wolfgang: Ja, genau, einen hatte Thommy und einen hatte ich.
Aber da hatten wir ja genau den Fall: Du fällst um, genau in der Verschneidungszone, aber du weißt, da ist jemand direkt neben dir, bzw. sehr nah.
Allein dieses Gefühl: „Wenn ich jetzt umkippe, dann warte ich eine Sekunde und dann ist der neben mir. Und das ist also so wie Schwimmbadrollen draußen. Du weißt, daß du keine Angst haben mußt. Genau wie im Schwimmbad.
 
Das ist doch also trotzdem immer noch eine sehr gute Idee
 
Monika: Um nochmal auf den Kurs im Schwimmbad zurückzukommen: Wenn wir feststellen, daß die Teilnehmer nach unseren ganzen Spielchen wie Wildwassersimulator...

Ja, DEN  kenn ich noch sehr gut....

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... also, wenn die das alles hinter sich haben, dann sage ich denen immer wieder: Wenn ihr nachher draußen paddeln geht, auch jetzt im Winter: Bittet doch kurz bevor ihr am Ziel seid,
eure Mitpaddler sich kurz daneben zu stellen und versucht da an der Ausstiegsstelle im Kehrwasser nach jeder Tour einfach zwei oder dreimal zu rollen. Aber immer nur, wenn jemand daneben ist, der euch dann notfalls mit der Bootsspitze hilft.
Also von daher ermutige ich die Leute schon, das selbständig weiter zu üben, denn es ist nicht sicher, daß wir solche Kurse draußen nochmal anbieten.
 
Bringt mich direkt zu meiner nächsten Frage: Kann man die Rolle denn verlernen?
Soll ja Leute geben, die meinen, die Rolle verlernt man nicht, das sei wie Radfahren..
Habe die praktische Erfahrung machen müssen, daß dieser Spruch bei mir nicht stimmt...
 
Wolfgang: Ist schwierig, da eine Antwort drauf zu geben. Alle, die die Rolle nicht verlernt haben, sehen wir ja nie wieder...
Die kommen auch nicht wieder zum Auffrischen. Aber wie sieht denn der Fehler bei Dir aus?
 
Um das festzustellen, bin ich extra noch einmal in einen Kurs gegangen, weil ich wissen wollte, was der Fehler war. Bei mir war’s der klassische „Kopf-zuerst-raus“-Fehler.
 
Wolfgang: Also, ich kann mich noch genau erinnern, als ich im Wildwasser das erste Mal rollen mußte, habe ich genau dasselbe gemacht: Zack, kam der Kopf raus, ich hab geflucht wie ein Weltmeister – und fluchen kannst du nur, wenn du auch Luft dafür hast...
Wenn du schimpfen kannst, war’s also so: Du fährst raus, fliegst um und schimpfst. Dann hast du die Hüfte komplett vernachlässigt und bist deinem Atemreflex gefolgt.
Spätestens beim Wiederreinfallen weißt du das. Dann solltest du dich sortieren und nochmal richtig anfangen.
 
Baut sich auch Unterwasserangst wieder auf? Wie bekämpft ihr denn sowas?
 
Monika: Also ich glaube, Angst bekämpfen funktioniert nie. Angst mußt du erst mal aufnehmen, gucken, woher die kommt.
Wir haben manchmal Teilnehmer, die noch nie in dieser Form mit dem Kopf unter Wasser waren. Bei denen versuche ich erst einmal, daß die sicher aussteigen. Damit die Leute merken: Das ist jetzt das Schlimmste, was mir passieren kann: Aussteigen. Da braucht man keine Angst vor zu haben.
Du machst dann ganz viele Übungen, z.B. ins Boot reintauchen, umgekippt mit dem Boot zum Beckenrand zu kommen und sowas.
 
Wolfgang: Über die Jahre hinweg lernst du jede Menge Leute kennen, die seit über 10 Jahren paddeln,  aber eigentlich gar nicht richtig paddeln können, weil sie permanent Angst haben, sie könnten umkippen. Aber auch nie gelernt haben, richtig auszusteigen.
Die sind vielleicht immer irgendwie rausgerutscht und haben sich vielleicht auch noch dabei wehgetan, haben sich drin verklemmt oder sind im schlimmsten Fall gar nicht richtig rausgekommen, weil sie nie gelernt haben, richtig auszusteigen.
Es kommt vor, daß wir dann in solchen Fällen nichts anderes machen, als kontrolliert auszusteigen. Eventuell noch Spielchen unter Wasser und überhaupt nix mit Rollen.
Gar nix. Und trotzdem sind die Leute zufrieden. Sie sind dann zumindest sicher, daß sie aus dem Boot rauskommen und ihnen nichts passieren kann.
Ziel war dann, zu erreichen: Keine Angst mehr zu haben.
 
Monika: Wichtig ist auch den Leuten klar zu machen, wie lange man Zeit hat unter Wasser.
Daß die Luft viel länger hält, als man glaubt.

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Manchmal mache ich das auch bei Einsteigerkursen draußen, daß ich die Leute trocken üben lasse und die Zeit stoppe. Dann sage ich immer: Laßt euch drei, vier, maximal sieben Sekunden Zeit, bevor ihr irgend etwas macht und bleibt dabei ganz ruhig.
Wichtig ist auch, den Leuten zu zeigen, wie viel sie tatsächlich können. Ihnen Selbstvertrauen zu geben.
Vielfach spielt bei Angst auch eine Rolle, daß die Teilnehmer gar nicht wissen, was sie wirklich können. Man sollte also die Angst ernst nehmen und den Teilnehmern zeigen, was sie für kleine Helden sind.
Der Effekt wird dann draußen sichtbar: Selbst wenn die Leute die Rolle noch gar nicht beherrschen, fahren sie viel mutiger und bestätigen sich damit selbst, daß sie tatsächlich kleine Helden sind.
 
Wie lange habt ihr beide gebraucht, bis ihr rollen konntet?
 
Wolfgang: Also, ich hab damals noch beim Andreas Stöneberg gelernt (Anmerkung soulboater: Guru und Gründer der Essener Kanuschule).
 
Echt, der Stöni hat höchstselbst Rollkurse gegeben?
 
Wolfgang: Ja, bevor wir das übernommen haben, hat Andreas selbst die Kurse geleitet. Und ich hab beim ersten Kurs meine erste Kraftrolle gemacht. Wir Männer neigen halt dazu, alles mit Kraft zu machen und wenn du das Paddel erst mal auf 90 Grad hast und reißt dann dran wie ein Weltmeister, dann kommst du auch hoch. Hat dann aber noch zwei weitere Kurse gedauert, bis es halbwegs funktionierte. Allerdings hat bei mir der linke Arm immer mitgearbeitet wie doll und ich hab bis zum Schluß immer noch einen Grundschlag gemacht, um hochzukommen. Also hab ich letztlich sieben Kurse gemacht, wobei eigentlich wohl nur fünf nötig waren. Aber das lag bei mir auch daran: Der Samstag mit dem Kurs ist nett, du weißt eh nicht, was du am Samstagnachmittag machen sollst..also gehst du halt noch ein paar Mal hin und besuchst die Leute noch, obwohl du es schon lange kannst.
 
Aber schließlich gibt es ja auch noch die Fortgeschrittenenspielchen, gell?
 
Wolfgang: Genau.
 
Monika: Ich hatte als Lehrer Gregor und Till. Und nachher Wolfgang und bei dem bin ich dann gerollt...
Aber ich hab auch immer selbst geübt, auf dem See und so weiter, bis ich es dann hinbekommen habe.
Aber es war halt die vierte Stunde bei ihm (Wolfgang), wo es dann geklappt hat.
 
Du hattest also vier mal jeweils unterschiedliche Lehrer?
 
Wolfgang:
Ja, sie hatte jedes Mal einen anderen...
 
Monika: Ja, erst hatte ich Gregor, dann Thommy, dann Till..
 
Wolfgang: Jaja, damals war aber Till nur dabei und da hast du dir gedacht, nee, dann nehmen wir den, das ist das geringere Übel.

:o))
 
Monika: Stimmt, ich hatte zweimal Gregor, dann Thommy und dann Wolfgang.
 
Das hört sich aber schwer an, jedes Mal einen neuen Lehrer, der alles wieder anders macht?
 
Wolfgang: Ja, das vermeiden wir ja auch. Es gibt nach Möglichkeit keinen Lehrerwechsel.
Allerdings hat jede Regel auch eine Ausnahme. Wenn du bei einem Teilnehmer einfach nicht mehr weiterkommst: Es gibt wirklich Schüler, die bringen dich völlig aus dem Konzept. Du bist gerade mittendrin und da fangen die plötzlich an zu quatschen, fragen Sachen, die da überhaupt nicht hingehören, weigern sich permanent den Arm richtig zu halten…
Da kann es passieren, daß du selbst durcheinanderkommst.
In solchen Fällen rück ich schon mal zu Monika rüber...
 
Monika: Vor kurzem hatte ich zum Beispiel einen, der meinte dauernd: „Nein, das muß ich doch so halten“ und am Ende wußte ich selbst überhaupt nicht mehr, wer von uns beiden nun recht hatte und dann bin ich mal eben zum Meister Wolfgang, um Rat einzuholen..
Das war übrigens dieser Tangotänzer...
 
...der hat dich ganz schwummig geredet...
 
Monika: Lacht. Wir tauschen also öfter mal Meinungen aus und manchmal hat der andere dann genau die Idee, die dem Teilnehmer hilft, zu begreifen, worum es geht.
Du hast ja nicht nur die verbale Ebene. Du kannst ja auch vormachen/lassen. Du mußt halt immer rauskriegen, über welchen der Kanäle du die Teilnehmer erreichst.
Ich frage auch immer: „Willst du heute nochmal mit mir arbeiten?“ Und dann kommt es schon manchmal vor, daß wir wechseln.
Manchmal mache ich das aber auch schon von mir aus und frage z.B. Thommy, ob er nicht einen Teilnehmer fragen will, ob er bei ihm den Kurs weitermachen will.
 
Wolfgang: Also, wir vermeiden den Wechsel, aber manchmal merkst du aber auch, daß es nötig ist. Du kommst mit dem Schüler nicht weiter. Da ist z.B. Monikas Feingefühl nötig oder sie gibt mir einen Teilnehmer ab, weil das so ein „Festhalter“ ist, wo sie einfach nicht mit klarkommt. Aber ansonsten, wenn du mit einem Schüler gut klarkommst, dann wechseln wir nicht.

Monika: Manchmal macht auch der Ton die Musik: Wenn ich zu zurückhaltend und vorsichtig war mit so einem „Festhalter“, dann sagt Wolfgang zu ihm: „Paß mal auf, wenn du dich weiter so festklammerst, dann laß ich dich unten hängen!“
 
Sowas macht ihr also zur Angstbewältigung......   
 
Monika: NEIN!! Nur bei diesen krassen Fällen, wo du schon zum fünfundzwanzigsten Mal gesagt hast: „Jetzt laß mal die Arme locker!“, da hilft halt nur noch die Drohung:“Also, du hängst dich jetzt da wie ein nasser Sack rein oder du bleibst da unten hängen!“.
  
Wolfgang: Ernsthaft, wir lassen keinen unten hängen. Sie sind noch alle wieder hochgekommen...

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Monika: Aber bei manchen wirkt sowas. Das macht „klick“ und die verstehen es plötzlich.
Es kommt halt total auf die Kommunikation an.
Wir hatten sogar mal jemanden, der war taubstumm. Mit dem waren wir auch schon an der Soca, dann bekommt er eine Pfeife. Damit er sich verständlich machen kann.
Das war eine super Herausforderung, hat aber immer ganz toll geklappt. Thommy kann Gebärdensprache, das hat er noch als Altenpfleger gelernt.
 
Wie ist das denn überhaupt mit der Rolle. Sollte man sie gleich beidseitig lernen oder erst mal eine Seite perfektionieren?
 
Wolfgang: Also meine persönliche Meinung ist: Man sollte erst die am besten funktionierende Seite lernen, also der Rechtshänder im Regelfall rechts und das so, daß er überhaupt nicht mehr darüber nachdenken muß. Und ich bin der festen Überzeugung, daß wenn du rechts perfekt bist, daß es nur eine Kleinigkeit braucht, daß du es auch links kannst.
 
Soulboater-Reporterin Martina grinst äußerst ungläubig..
 
Wolfgang: Warum grinst du?
 
Ich glaube, daß das nicht stimmt. Jedenfalls nicht bei mir. Hab ich probiert. Ging gar nicht.
 
Monika: Es gibt viele Leute, die meinen, man sollte beidseitig gleichzeitig üben. Von wegen Beanspruchung der Muskeln und so. Ich finde, daß das einseitige Üben erst mal besser ist, damit die Leute nicht durcheinander kommen. Und deshalb erst mal nur eine Seite.
Ausnahmen gibt’s natürlich auch: Auf Schülerwunsch weichen wir auch von unserer Vorgabe ab und schulen direkt beide Seiten.
 
Wirklich wichtig ist doch für draußen nur, daß überhaupt eine Seite sehr gut klappt oder?
 
Wolfgang: Sicher. Draußen ist hauptsächlich wichtig, daß du überhaupt sicher rollst.
 
Aber es gibt ja auch Situationen, wo du mit einer einseitigen Rolle nicht weiterkommst. Wir hatten das im letzten Kurs. Da wäre eine Teilnehmerin nicht hochgekommen, wenn sie nicht auch links hätte rollen können.
 
Monika: Klar, diese Situationen hast du immer wieder. Bist irgendwie blöd an einem Stein oder so.
 
Aber trotzdem erst mal eine Seite perfektionieren?
 
Wolfgang: Ja, ist meine persönliche Meinung.
 
Nun die Streitfrage: Sollte man die Rolle im Verein lernen oder in einer Kanuschule?
 
Monika: Also, wenn der Verein die Möglichkeit hat, im Schwimmbad oder so Rolltraining anzubieten, dann würde ich sagen, ja, warum nicht?
Wenn die Leute haben, die das schulen können.
 
Kennst du einen Verein bei dem das funktioniert?
 
Monika: Ja, ich bin selber immer noch im Verein Zugvogel in Köln.
 
Wolfgang: Gibt da auch noch einen Verein in Neuss, der sehr gut sein soll.
 
Monika: Wir haben in dem Verein damals 3 bis vier Termine im Winter im Schwimmbad gehabt, was wirklich super war. War sehr frequentiert, und ich habe mir jemanden mitgenommen, der das schon konnte. Das Wasser war zwar sehr kalt und du konntest auch nicht so gut stehen. Das war im Vergleich zu unserem Schwimmbad hier suboptimal, weil wir hier den Boden verstellen können. Da war’s halt ein normales Becken und von daher haben sich alle im Nichtschwimmerbereich geknubbelt.
Klar, man muß nicht die teurere Variante der Kanuschule auswählen.
 
Wolfgang: Wenn ich einen Verein habe, der das anbietet, wenn ich mich da gut aufgehoben und gut fühle, dann ist das ok.
 
Wenn die Leute im Verein das mit dem Rollen UND dem Erklären gut können. Was ist denn, wenn da Laien laienhaft das Rollen beibringen wollen?
 
Wolfgang: Es gibt die Variante, daß in einem Verein irgend jemand, der das Rollen irgendwie kann, das jemandem beibringen will. Aber dieses „Selberkönnen, aber auch jemandem Beibringen“ sind zwei Paar Schuhe.
 
Das heißt, man muß auch sinnvoll erklären können.
 
Wolfgang: Ja, das heißt, wenn jemand im Verein mit diesen Methoden lernt, und merkt, ich komme damit weiter, dann soll er das doch machen.
Dafür sind die Vereine ja da. Gute Vereine.
Wer aber merkt, ich lern da nichts, ich komme nicht weiter, der soll sich bei uns anmelden.
Unser System hat sich jedenfalls auf die Jahre bewährt.
 
Gibt’s bei euch für hoffnungslose Langsamlerner Mengenrabatt bei den Kursen?
 
Wolfgang: Frag unseren Boss... Aber wir hatten noch keine hoffnungslosen Fälle...
 
 
Monika, Wolfgang, vielen Dank für das Interview: Dann laßt uns zum praktischen Teil übergehen…

Fortsetzung folgt…

Martina

 

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