| Urula – Entscheidung vor der Kernstelle
- Himmelfahrt lag in diesem Jahr günstig Mitte Mai und so bot es sich an, bei einem Kurztripp nach Norwegen die guten Wasserstände oberhalb von Oslo in den Zuflüssen des Sperillensees zu nutzen.
Soulboater Ferry wohnt in Hönefoss ca. 50 Kilometer nordwestlich von Oslo und kennt sich in der Gegend gut aus, so dass wir keine Zeit mit Erkunden von uns unbekannten Flüssen zu vergeuden brauchten.
Er war der Meinung, dass die Urula einen guten Wasserstand haben müsste, ein kurzer Anruf bei einem norwegischen Telefonpegel bestätigte unseren Entschluss, es am nächsten Tag auf diesem Bach zu versuchen.
An einer Tankstelle trafen wir Anke, eine weitere nach Norwegen ausgewanderte Holländerin und fuhren zunächst zum geplanten Ausstieg an einer Brücke über der Schlussklamm und Kernstelle des oberen Teilstücks.

Der Blick von der Brücke zeigte einen schon recht hohen aber gut fahrbaren Wasserstand.


Schnell waren die Boote auf ein Auto umgeladen und weiter ging es zum Einstieg.

Die Urula ist anfangs grob verblockt mit einigem Gefälle über Grundgesteinsrutschen, insgesamt aber immer fair und auf Sicht fahrbar, wenn man das Unterwasser noch sehen kann.




Das Team war schnell aufeinander eingestellt und es wurde in rochierender Weise von Kehrwasser zu Kehrwasser der Bach befahren.


Je nach Lust und persönlicher Laune wurden Stellen von einigen gefahren, von anderen auch nicht.



Es ist schön, wenn kein Gruppenzwang herrscht, der zu Befahrungen führt, zu denen man eigentlich gar keine Lust hat.


Das bisher offene Flussbett wandelte sich nach kurzer Zeit zu einer Schlucht mit noch mehr Gefälle, im Kernstück sollte es sogar zu einer Klamm mit Zwangspassagen werden.


Nachdem wir den Klammeingang nicht richtig einsehen konnten und auch nicht auf gut Glück nach dem Motto „Irgendwie wird es schon durchspülen...“ einfahren wollten, beschlossen wir, durchs Unterholz zu krabbeln und uns die Gegebenheiten einmal von oben genauer anzuschauen.

Im Vergleich zur Flussbeschreibung hatten wir inzwischen deutlich mehr Wasser und die Rückläufe der Zwangspassagen sahen auch von oben schon recht beachtlich aus. Wir überlegten hin und her, wie es weitergehen sollte:
Natürlich reizte uns die Befahrung der Klamm und es würde wohl auch gut gehen, wenn nichts Unvorhersehbares passiert.
Andererseits war in der Beschreibung nach jeder Stufe ein relativ ruhiger Pool, während heute das Wasser zügig als Schwall von einer kritischen Stelle zur nächsten weiterrauschte.
Das Rausklettern aus der Schlucht würde schweisstreibend sein und wir würden uns hinterher vielleicht ärgern, nicht gefahren zu sein, immerhin ist man nicht jedes Wochenende zum Wildwasserpaddeln in Norwegen.
Also diskutierten wir weiter, überlegten mit Blick auf die Stelle unter uns, wie gross wohl die Wahrscheinlichkeit wäre, darin tatsächlich aufgemischt zu werden und verabredeten dann:
Jeder macht ein Zeichen, Daumen nach oben für Weiterpaddeln oder nach unten für Raustragen und danach richten wir uns.

Überraschenderweise (oder auch nicht J) zeigten alle Daumen nach unten und so war die Entscheidung klar: Wir klettern raus.


Es war tatsächlich recht schweisstreibend, durch das Unterholz eine ganze Menge Höhenmeter die Boote zur Strasse hochzuziehen.


Anschliessend hatten wir auch noch eine kleine Wanderung zum oben am Einstieg parkenden Auto vor uns.

Unterwegs überlegten wir, was wir mit dem angefangenen Tag noch machen wollten und kamen auf die Idee, einfach nach Umstellen der Autos nach der Kernstelle wieder einzusetzen und die von der Strasse aus schon vorher angeschauten 10 Kilometer der zweiten Teilstrecke zu befahren.
Als wir an der ursprünglich geplanten Ausstiegsstelle an der Brücke über der Klamm ankamen, um das zweite Auto abzuholen, sahen wir, dass unser Entschluss, die Fahrt abzubrechen, richtig gewesen war.

Das Wasser war deutlich gestiegen und die Walzen und Abfälle der Kernstelle waren dadurch erheblich grösser und auch schwerer geworden.

Es wäre wirklich interessant geworden, diese Stelle ohne erneute Besichtigung als Zwangspassage befahren zu müssen.

Der untere Teil war dann aufgrund des höheren Wasserstands auch sehr sportlich und schön zu fahren.




Neben vielen Blockstrecken im jetzt wieder offenen Flussbett, die mit Kehrwasserhopping so gerade noch auf Sicht gefahren werden konnten, gab es neben individuellen Umtragungen aus Lust und Laune wie oben beschrieben nur eine sehr gefährliche Stelle, die wegen eines stark unterspülten Schlitzes auch von Experten umtragen werden sollte.



Es folgten noch einige gut zu fahrende und auch den einen oder anderen überraschende Stellen.




Diese Tour auf der Urula hat uns wieder einmal bewiesen, dass zu einer gelungenen Befahrung auch das Selbstbewusstsein gehören kann, eine Fahrt abzubrechen, ohne dass das positive Gesamterlebnis darunter leiden muss.
Jan-Peter |