| Paddeln am 3. Advent, oder der ganz normale Familienwahnsinn
- Es gibt immer wieder Tage, an denen alles stimmt: Wasser, Wetter und die Mitpaddler. Vor 10 Jahren wurde so ein Tag einmal KAVU-Day genannt und es gab sogar ein Video über diese Ausnahmetouren. Wir möchten euch mit diesen Bildberichten dazu anregen, einmal in euch zu gehen, wann ihr euren letzten richtig schönen Paddeltag hattet. Und wenn ihr Lust habt, auch darüber zu berichten, mailt uns einfach ein paar Zeilen mit euren Eindrücken und sendet uns die passenden Bilder dazu. Wir veröffentlichen es gern. Egal, welcher Schwierigkeitsgrad, egal ob Genusstour einen Fluss hinab oder ein schöner Nachmittag am Playspot. Alles ist willkommen, was unter den Oberbegriff „Soulboating“ fällt, denn nicht von ungefähr trägt diese Website den Namen Soulboater.com.

Sonntag, ablaufendes Hochwasser auf der Leine. Bisher bin ich wegen der Arbeit noch nicht zum Paddeln gekommen. Aber vielleicht heute? Die Kinder haben bei Freunden übernachtet und müssen abgeholt werden. Der Größere muss im Anschluss zu einem Fußballturnier.
X: Wenn ich die Fahrt übernehme, dann könnte ich doch vielleicht noch ein Stündchen an die Spielstelle?
Y: Ich muss mittags mit den Pferden in die Reithalle und brauche das Auto. Der Platz ist zu matschig und sie müssen bewegt werden. Bis halb eins, das müsste dir doch reichen?
Eine Stunde fürs Umziehen und paddeln und zurück fahren. Besser als nix. Wenn die Stelle überhaupt noch läuft. Doch da macht mir Z einen Strich durch die Rechnung. Er will nicht in der Halle dem großen Bruder zugucken. Und Papa eine Stunde in der Kälte bei vergeblichen Cartwheel versuchen zu beobachten ist wahrscheinlich auch nicht die Krönung. Er ist scheinbar der Einzige, dem es reicht am 3. Advent bei Kerzen und Kuchen gemütlich am Ofen zu sitzen.

Also umplanen: Der Reiterin das Auto bringen, die 5 Kilometer bis zur Spielstelle paddeln und sich nach erfolgtem Pferdetrieb abholen lassen. Kurzer Umweg mit dem Auto zur Spielstelle. Das Hochwasser ist fast komplett abgelaufen, es ist überhaupt nicht klar, ob noch irgendetwas geht. Frust macht sich breit.

Blitzschnell wieder ins Auto, die Pferdenarren warten schon. Zu Hause angekommen die Wende.
Y: Wir brauchen das Auto nicht, wir reiten doch aus.
X: Na super, da hätt ich doch dem Großen lieber beim Fußball zugeguckt. Hättest du dir das nicht früher überlegen…“
Y: Jetzt bleib mal cool und ruf D. an. Er wartet bis Halb eins und will mit dir in den Harz.
X: Was jetzt noch, ist doch schon bald dunkel…
Aber eigentlich hat es mich schon gepackt. Raus, aufs Wasser die 15 km leichtes Wildwasser, die kleinen Spielstellen, die spritzige Ortsdurchfahrt Wildemann.

Keine 10 Minuten später sitz ich im Auto mit D. auf der kurvigen Straße in den leicht verschneiten Harz. Aufgrund des Wasserstands und der fortgeschrittenen Zeit beschließen wir erst in Wildemann einzusetzen. D. bringt das Auto zum Aussatz und kommt mit dem Fahrrad zurückgeradelt.

Etwas Zeit für mich im Ort herumzulaufen. Im „Antik-Cafe“ kann ich den Advent klassisch genießen bei Kakao, Kerzen und Kuchen. Was eigentlich hindert mich dies zu Hause zu tun? Als ich heraustrete ist es bereits halb drei. Wir müssen uns beeilen, wenn wir die Strecke im Hellen schaffen wollen. Die Sonne schaut kurz hinter den Wolken hervor, zeigt ihr fahles Winterlicht und der Fluss nimmt uns in spätnachmittaglicher Stimmung in seinen Bann.

Passend wäre jetzt ein Luchs oder ein Reh am Ufer. Das bleibt uns verwehrt, aber das Naturerlebnis ist ein Besonderes.

Bei Eiseskälte, warm eingepackt im Fluss mit der Natur dem nächsten Frühjahr und neuen Paddelerlebnissen entgegen zu treiben. Leider muss die Familie damit leben, dass ich am 2.Advent nicht zu Hause bin. Vielleicht wird der Nachwuchs auch einmal so verrückt und will mehr als Kerzen, Kakao und Kuchen: KAJAK fahren.
Markus Schröder
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