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Kayaksurfing in Cornwall und Wales - Teil 2: South West Wales:
Von Beaches und Bitches...
Egal ob von Cornwall oder direkt vom Fährhafen Dover, nach Wales gelangt man am schnellsten über den Motorway 4 und die Maut-pflichtige Hängebrücke über den Bristol Channel. Ab jetzt stehen auf allen Verkehrschildern nun die Namen oder Ausdrücke sowohl in English als auch Welsh. Unser Ziel ist Broad Haven, zwischen Abberdaugleddau und Hwlffordd - man fühlt sich bei diesen Namen beinahe in einen Harry Potter Roman versetzt.

Landrover rulez! Kaum ein Vehikel ist in Wales besser geeignet um mit Lasten die verschlungenen, schmalen und steilen Küstenstraßen zu bezwingen.
Wer auf dem Weg zum Atlantik aber tolle Gegenden und Natur erwartet wird ersteinmal enttäuscht sein, denn die Hafenstädte rund um den Bristol Channel und auch die walisische Hauptsstadt Cardiff sind geprägt von unterschiedlichster Industrie, noch schlimmer wird's dann bei den Hochöfen von Swansea, die mit ihrem CO2 Ausstoß denen des Ruhrpotts im Jahre 1970 in nichts nachstehen. Und selbst wenn man sich am Ziel, im Nationalpark Pembrokeshire befindet, sieht man noch weithin die Fackeln der Petrochemie von Milford Haven leuchten oder die Supertanker in der St. Brides Bay auf Reede liegen.
Davon abgesehen ist jedoch Pembrokeshire der einzige Küstennationalpark Großbritanniens und bietet wahre Oasen in Bezug auf Natur und mittelalterlicher Kultur.
Alles ist hier etwas ruhiger, schwerer zugänglich aber auch billiger als in der Touristenhochburg Cornwall.

Broad Haven bei Ebbe. Überall findet man an der walisischen Felsküste kleine Dörfer in solchen Buchten. Direkt hier am Strandwall befindet sich ein gut ausgestatteter Surf und Kajak Laden. Leider führen die meisten Kajakläden an der Küste ganz selten Kajak-Surfskis sondern nur Sit-on Tops aller Art. Davon aber eine ganze Menge.

Zwar wird auch hier überall abkassiert, aber die Parkplatzpreise sind hier ziviler. Dazu gibt es im Gegensatz zu Cornwall oft genug Möglichkeiten etwas weiter entfernt für "umme" zu parken.

Die kleinen Dörfer mit den Nischenstränden haben ihr eigenes Flair.

Der Küstennationalpark bietet ein immenses Spektrum an Sightseeing. Auch außerhalb des Paddelns ist also dafür gesorgt, dass keine Langeweile aufkommt. Ganz im Süden liegt noch ein weiteres Surfgebiet am Pembroke'schen "Stadt"-Strand: Freshwater West.

Schon drei Meilen südlich von Newgale Sands erstreckt sich der größte Sandstrand der St- Brides Bay. So früh am Morgen war der Swell noch ganz klein. Das sollte sich schnell ändern, aber wie. (St. Brides Bay mit Blick nach Süden Richtung St. Brides, Martin's Haven und Skomer Island)
Hier der Blick nach Norden: Man sieht: In Newgale Sands brechen die Wellen weiter draußen.

Große Teile der Küste sind Felsküste ähnlich wie in Cornwall und damit optimal zum Wandern und Klettern, aber weniger zum Kanusurfen.

Broad Haven mit Blick nach Norden, Richtung St. Davids.
 Auf dieser Karte sieht man bestens alle Sandstrände der St. Brides Bay und darüber hinaus. Natürlich sind zum Surfen nur die, zur Atlantikseite ausgerichteten geeignet.
Der von den Surfern und Kanuten am meisten aufgesuchte Strand ist Newgale Sands.

Der schönste Kajaksurftag in Newgale: gemessene 4 beaufort ablandiger Wind machten die Wellen zwar nicht höher als 2 Meter, aber so steil, dass sie tube-artig brachen. Hinter der Brandung wurde der Spray bis zu 15m Seeeinwärts gesprüht. Bilder die man nie vergisst.
Als Paddler ist man In Newgale selten allein: Die Freaks, die gerade nicht die Bitches rocken regenerieren hier in der Brandung. Die, in Cornwall so zahlreichen Lifeguards suchten wir an Wales' Stränden vergeblich.
 Nördliches Ende von Newgale Sands.
 Zwei Surfer, ein Paddler:
Gut gemischt wartet jeder geduldig auf die nächste Welle. Dazu kommt, dass hier lange nicht so angespannte Verhältnisse zwischen Surfern und Kanuten sind wie in Frankreich oder gar auf dem Eisbach in München. Beim Warten auf die nächste Welle konnte man schon den ein oder anderen Smalltalk halten.
Die notorious Bitches:
Dass der Gezeitenspot "Bitches" irgendwo an der Westküste Großbritanniens liegt, hatte ich einmal gelesen, jedoch waren die Bitches nicht Ziel unserer Reise. Als ich eines Abends in der Touristeninfo den Artikel vom Verlust des Lebensrettungsboots "Gem" las, dachte ich mir schon, dass es sich hier um das besagte Riff handeln könne und spähte auf unserer Küstentour immer wieder nach umströmten Felsen.

Erste Hinweise auf die notorious Bitches in der Touri-info.
Schon früher (1910) starben hier Seeleute und ruderten die tapferen Jungs im Rettungsboot raus. Die Lifeboatstation gibt es heute noch (siehe weiter unten).

Skomer Bitches - Neuer Spot?
Doch bevor wie die "echten" Bitches (bei Ramsey Island im Norden) entdeckten führte unser Weg Richtung Skomer Island. Das ist die südliche Begrenzug der St. Brides Bay:
Kurz nach Martins Haven befindet sich ein kostenpflichtiger Parkplatz für alle Ausflügler. Nach wenigen Minuten Fußmarsch kann man dann in einer kleinen Bucht mit diversen Ausflugsbooten übersetzen. Wer in Martins Haven parkt zahlt nichts und hat nur 1-2 Meilen längeren Fußmarsch.
Was aber genau so spannend sein kann ist ein Spaziergang am Klippenrand Richtung Süden. Bei der richtigen Tide zieht das Wasser hier durch die Meeresenge mit einer so rasanten Geschwindigkeit, wie etwa bei der Eisenbahnbrücke vor dem Rheinfall.

Je nach Tide tauchen aus dem Wasser bizarre Felsformationen auf, in meinen Augen mussten das die Bitches sein (was sie aber nicht waren). Die Wellenhöhe erscheint auf den ersten Blick gering, wenn man aber berücksichtigt, dass zwischen meinem Standpunkt und Skomer 1,7km Distanz!! liegen, wünscht man sich man hätte seinen 24-7-Seadoo-Toe-driver dabei, der einen mit dem Kajak zum Spot rauszieht und als Safety dabeibleibt. Das Kehrwasser ist zwar eine Quartermile lang, aber wenn es mal nicht mehr reichen würde zöge es einen auf den Bristol Channel raus und das ist dann ein klarer Seenotsfall

Zusätzlich zum Faktor Mond kommen auf Skomer weitere Faktoren, die die Strömung, aber auch Tier- und Pflanzenwelt beeinflussen zum Tragen: Die polare Kaltströmung aus Richtung Island und der warme Golfstrom. (Bildquelle Touristeninformation: Countryside Council for Wales - Skomer Marine Nature Reserve)

Pulsierende Surfwellen aber wo sind die Kanuten? Und das an einem optimalen Bitches-Tag, denn dazu braucht man Windstille oder ablandigen Wind mit wenig Swell.
Ganz oben rechts nahe der Insel befindet sich ein Kehrwasser, das zeitweilg von Fischkuttern angefahren wird. Erst dann bekommt man einen Eindruck von den Größenverhältnissen.

Ein weiterer Grund für die unglaublichen Wassergeschwindigkeiten ist das Meeresgrundprofil: links zu sehen die überspülten Riffs im Flachbereich, davor in Richtung St. Brides Bay sehr tiefes Wasser. Die Trichterform der Felsen tut ihr übriges dazu. (Bildquelle Touristeninformation: Countryside Council for Wales - Skomer Marine Nature Reserve)
Klar, dass uns der nächste Trip Richtung Ramsey Island führte: Und schon in St. Davids merkt man, dass die richtigen Bitches nicht mehr fern sein können:

Einheimische Soulboater versorgen sich im Supermarkt von St. Davids.

St. Davids Cathedral: eine tolle Hinterlassenschaft des Mittelalters - sollte man sich auf jedenfall mal ansehen, wenn Bitches oder Newgale mal nicht läuft. In der Stadt findet man viele Straßencafes und Eisdielen.

Nach vielen Irrfahrten über einspurige und tief eingewachsene Feldwege, bei denen man über die Böschung nie hinwegsehen kann und daher nur ahnen kann, wo man sich befindet ist das Ziel erreicht:

Die Lifeboatstation in St. Justinian südlich von St.Davids Head - von hier müssen die rudernden Rettungsmänner im Oktober 1910 aufgebrochen sein. Im Hintergrund befindet sich Ramsey Island und mittig sehr nahe davor die berühmten Bitches Felsen.
Die Station ist rund um die Uhr besetzt. In der Bucht befinden sich große Jetboats, die mit bis zu 30 Passagieren und 40 und mehr Knoten durchs Wasser schießen. Alle ausliegenden Flyer zeigen die Flora und Fauna der Insel oder zeigen imponierende Bilder vom Wale Watching. (Wale>> Wales?) - Ich sah keine Angebote Kajakfahrer mitzunehmen, oder gar Safety zu spielen.

Doch zum Zeitpunkt der Aufnahme, war gerade ablaufendes Hochwasser, d.h. Strömung gleich Null und wegen einbrechender Dunkelheit auch kein Kajakfahrer anwesend, den man hätte fragen können.

Wer mit seinem Kajak selber zum Spot übersetzen möchte, muß wissen, dass er immerhin 2km Distanz bis zum Riff und 2,2km bis zur Insel zu überbrücken hat. Dies funktioniert natürlich ohne Gefahr nur innerhalb einer Stunde vor und nach Hochwasser oder Niedrigwasser. Das heißt man muss sich auf einen 6h Ausflug einlassen und darf beim Surfen nicht soviel Kräfte lassen, dass es für die 2km Heimfahrt nicht mehr reicht.
Eine offene Spritzdecke oder ähnliches in der Welle hat bei diesen Strömungen gefährliche Konsequenzen und das Wasser ist vor allem bei Nord-Südströmung saukalt (siehe obige Temperaturgrafik).

Heute befinden sich die motorisierten Lifeboats auf einer überdachten Rampe um im Seenotsfall innerhalb von Sekunden im Einsatz sein zu können.
Es gibt Berichte, dass auch schon Kajakfahrer den Bitches nicht gewachsen waren. Näheres erfuhr ich nicht, also lest die einschlägigen Empfehlungen der Locals.
Fazit:
Sowohl Cornwall als auch Wales möchte ich auf jeden Fall gerne wiederbesuchen, wobei Wales mir einfach mehr zusagt. Aber es gibt ja auch noch die Irische Atlantik-Küste und die schottischen Highlands mit ihren Lochs. Sorry für das Fehlen von Kajakactionbildern, aber erstens ist meine Kamera nicht mit großem Zoomobjektiv ausgestattet und wenn ich im Boot sitze habe ich anderes zu tun als zu fotografieren.
Text und Fotos: Uwe
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