| - Anläßlich des Boots-Testivals von Outdoordirekt in Holibu am 08.03.08 hatte Soulboaterin Martina auch den Prijon Soca zum Testen mitgebracht:
Ausstattung und Material:
Der Soca ist aus HTP = Hochleistungsthermoplast, eine spezielle Form des PE, das in den meisten Fällen zum Bau von Kajaks verwendet wird.
Nach Angaben von Hersteller Prijon ist das Material so gut, daß eine Garantie von 5 Jahren auf die Bootshülle gewährt wird.
Die Sitzanlage ist so konzipiert, dass man sie sehr schnell von Ganz-groß-Paddler auf Ganz- klein-Paddler verstellen kann. Mittels Ratschen kann man den Rückengurt in die optimale Position bringen, mit einem Gurtsystem zieht man die Prallplatte stufenlos auf die richtige Position für die Füße.

Für mich als sehr kleine und leichte Paddlerin (1,61 Meter Körperlänge bei 50 kg Gewicht) ergab sich letztendlich eine sehr gute Einstellung, lediglich im Hüftbereich könnte für mich der Kontakt zum Boot noch besser sein. Dies lässt sich jedoch leicht durch zusätzliches Fitting erreichen.
Gewicht des Bootes: 17,50 kg Länge: 254 cm Breite: 63 cm Volumen: 260 l Cockpit: 90 cm
Fahrverhalten:
Als eingefleischte Flachbootfahrerin (seit 4 Jahren nur mit Eskimo Nano und Dagger Kingpin unterwegs) fällt mir der Umstieg auf den Soca zunächst schwer.
Die Bootsform erinnert nicht nur an den Kendo, das Boot fährt sich auch so. Ist man gewöhnt, ein Boot mehr oder weniger nur mit Hüfte und Kante ins Kehrwasser zu bringen, muß man mit dem Soca deutlich umlernen. Hier ist permanent aktives Paddeln und eine Umstellung der Paddeltechnik gefragt.


Man kann zwar leicht aufkanten, aber die Kante reicht nicht aus, um den Soca auch konsequent darauf zu halten, die Folge war bei mir ein ziemliches „Gewackel“ beim Kehrwasserfahren.
Zudem hat das Boot bei einer geringen gewichtsmäßigen Auslastung wie in meinem Fall kaum Spielpotential in einem reinen Wildwasserpark mit wenigen Kubikmetern Wasserdurchlauf wie in Hohenlimburg, da einfach zuviel Volumen bewegt werden muß. Zum Vergleich die Wasserlage von Martina (50 kg):

und die Wasserverdrängung von Christian (100 Kg):

Daß es auch anders aussehen kann, wenn man den Soca etwas mehr „belastet“, zeigen die Fotos mit Christian Zicke als Paddler.


Das Boot ist sehr schnell und spurtreu. Beim Durchfahren von Walzen verhält sich das Boot sehr "gemütlich", wobei ich mich aber auch erst an den Überschuß an Volumen gewöhnen muß.

Mit einer angepassten Paddeltechnik macht auch das Kehrwasserfahren sicher Spaß, das muß aber die Zukunft zeigen. Das Spielpotential des Bootes wurde von mir noch nicht ausgetestet, ich muß mich erst noch an den Soca gewöhnen.
Ich verweise daher in diesen Punkten auf die Testfahrten von Jan-Peter und die kurze Testsession von Christian Zicke.

Erste Eindrücke zum Prijon Soca von Jan-Peter:
Mit meinen 100 Kg Paddlerkampfgewicht überschreite ich das "zulässige Gesamtgewicht" des Soca schon deutlich. Das Idealgewicht des Paddlers für den neuen Riverrunner liegt um die 70 Kg, wenn man damit im Wildwasser seinen Spass haben möchte.
Als Einsatzbereich für den Soca sieht Prijon das spielerische Kajakfahren im wuchtigen Wildwasser bis zum vierten Schwierigkeitsgrad. Ich hatte bisher "nur" die Möglichkeit, das Boot im verblockten und dabei eher niedervolumigen Wildwasser und in der Spielwalze zu testen, also nicht gerade die idealen Voraussetzungen des eigentlichen Zielbereichs.
Trotzdem lassen sich einige grundsätzliche Aussagen treffen:
Der Soca hat sehr viel Platz auch für langbeinige Paddler. Nach dem Ausbau der Prallplatteneinheit und Schnitzen eines Fussblocks aus geschlossenporigem Schaum war für mich auch stundenlanges Sitzen im Boot ohne eingeschlafene Füsse gut möglich.
Die Sitzanlage ist wie bei allen aktuellen Prijonbooten variabel und vor allem leicht mit einem auf alle Schrauben passenden Inbusschlüssel schnell einstellbar, durch die Polsterung gibt es kein kaltes Hinterteil sondern angenehm warmes Sitzen. Auch die Schenkelstützen lassen sich nach Lösen der Innensechskantschrauben individuell einstellen.
An die Fahreigenschaften des Bootes musste ich mich erst einmal gewöhnen, es erscheint zunächst recht kippelig, lässt sich dabei aber sehr schnell beschleunigen und sehr präsise in Kehrwasser fahren.
Dabei fällt sofort die ungleiche Volumenverteilung auf: Das Heck ist sehr flach und lang gehalten, während das Vorschiff eher voluminös ist. Dadurch entsteht beim aufgekanteten Einschwingen ins Kehrwasser der Eindruck, dass das Heck absäuft und das Boot dadurch instabil in seinen Fahreigenschaften wird.
Bei leichteren Fahrern mit 30 Kg weniger Gewicht als bei mir kann sich dieser subjektive Eindruck aber schnell wieder relativieren. Um kontrolliert durch Verschneidungen und verblockte Abfälle mit Walzen zu kommen und in diesen Situationen auch noch Kehrwasser anzufahren, ist es wichtig, das Boot aktiv und mit Vorlage des Oberkörpers zu fahren. Ein passives Sich-Treiben-Lassen bestraft der Soca sofort durch erhebliche Seitenwasserempfindlichkeit und damit einhergehende Instabilität.
Das Boot lässt sich auf langen Wellen schön carven, durch seine lange Wasserlinie surft es ruhig und lässt sich wegen der Kanten im Unterschiff gut durch Gewichtsverlagerung steuern. Auch das Aufspringen auf die Welle aus dem Kehrwasser heraus klappte sehr gut.
Geht es in die Vertikale, sind die Grenzen des Soca bei schweren Fahrern jedoch schnell erreicht: Das Boot stellt sich auf die Spitze, sackt nach unten durch und hat aufgrund des geringen statischen Auftriebs in den Spitzen wenig Tendenzen, aktiv wieder aufzutauchen.
Dafür funktioniert die Eskimorolle fast von allein, das Boot hat eine gute Rückenfreiheit und wegen der geringen Breite sowie des flachen Hecks wenig Widerstand beim Rollen.
Zusammenfassend bin ich der Meinung, dass Prijon mit dem Soca einen Riverrunner entworfen hat, der genau auf die breite Zielgruppe mittelgrosser, mittelschwerer Paddler zugeschnitten ist, die vorzugsweise auf leichtem bis mittelschwerem Wildwasser unterwegs sind und dabei keine Experimente machen wollen.
Es ist kein Boot für Spezialisten, die damit Rodeos gewinnen oder Extrembefahrungen wagen wollen, sondern ein Allround-Riverrunner für die grosse und immer mehr wachsende Gruppe der Wochenend- und Freizeitpaddler, die ein bequemes und gegenüber einem dicken Creeker sportliches Boot aus robustem Material für Flüsse wie Salza, Soca und Isel suchen.
Mehr Infos zum Soca und auch einen weiteren Erfahrungsbericht gibt es bei hier.
Martina, Fotos: Martina, Hannes und Thomas Hinkel |