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- Ist es sinnvoll, beim Kajakfahren einen Helm aufzusetzen? Diese Frage wird vom Grossteil der Wildwasserpaddler eindeutig bejaht, während die Wanderpaddler nur sehr selten bei ihren Touren einen Helm auf dem Kopf tragen.

Dabei passieren gerade in den Kreisen der Wanderpaddler die meisten Kanuunfälle und wie oft hätte ein getragener Helm Schlimmeres verhindert.

Wenn dann aber trotzdem viele Paddler keinen Helm auf ihren Touren aufhaben, woran liegt das?


In erster Linie sind es wahrscheinlich Bequemlichkeit und Unwissenheit. Viele Gelegenheitspaddler haben nur die allernotwendigste Ausrüstung, um sich auf dem Wasser fortzubewegen. Für Sicherheitsutensilien wie Helm, Schwimmweste, Kälteschutzbekleidung und Rettungsseil im Wurfsack ist kein Geld mehr da, Boot und Paddel waren schliesslich schon teuer genug.
Auf der anderen Seite gehen einige Wildwasserpaddler völlig „overdressed“ auf den Bach und versuchen mangelnde Technik und Erfahrung durch vermeintlich optimale Ausrüstung auszugleichen.

Auch das kann zu einem Sicherheitsrisiko werden, wenn z.B im Sommer ein Neoprenanzug noch unter den für Expeditionen gedachten Trockenanzug angezogen wird, ein Motorradintegralhelm mit Neoprenhaube auf dem Kopf sitzt und der Paddler dann auf leichtem Wildwasser in praller Sonne am Rande eines Hitzschlags steht.

Die grösste Sorge der Helmträger ist offenbar nicht die Kopfverletzung selbst, sondern eine möglicherweise darauf folgende Ohnmacht im Wasser, sonst müssten sie eigentlich auch genauso regelmässig Ellenbogen- und Schulterprotektoren tragen. Das ist am Bach aber kaum zu beobachten.

Im Bereich der Helme gibt es eine breite Bandbreite der Variationen: Vom Motocross-Helm mit Visier und Halbschalenhelmen mit voll vergitterter Gesichtshälfte aus dem Kanupolobereich über Full- und Sidecuthelme bis hin zum nur für Wettkämpfe auf künstlichen Wildwasserbahnen geeigneten Slalomhelm ist auf den Bächen alles vertreten.

Nicht wenige Paddler fahren gerade auf Kleinflüssen nur mit dem Baseballcap oder ganz ohne Helm in ihrem Kajak.

Je nach persönlichem Sicherheitsempfinden, Können und Erfahrung werden dabei auf denselben Flussabschnitten ganz unterschiedliche Helme getragen:
Während ein erfahrener Paddler z.B. auf einem Kleinfluss mit tiefhängenden Ästen und kleinen Wehren wie selbstverständlich einen Fullcut-Helm trägt und die Wanderfahrer in ihren offenen Zweierkajaks bekleidet mit T-Shirt , Badehose und natürlich ohne Helm über ihn lachen, wird genau derselbe Kajaker von in dickem Neo und mit Vollvisierhelmen wie in die Schlacht ziehende Ritter ausstaffierten Paddlern schief angesehen, wenn er es wagt, einen wasserreichen und tiefen Wildfluss wie den Inn in der Imster Schlucht oder den Vorderrhein ohne Helm zu befahren, wo kaum die Gefahr besteht, sich an Steinen unter Wasser den Kopf zu stossen.

Ob vollvergitterter Helm oder Halbschale getragen wird, hängt vorrangig vom gewählten Bach und dem technischen Können des Paddlers ab: Ungeübte Paddler sollten tendenziell eher einen besser schützenden Helm wählen, der aber immer den Nachteil hat, dass er schwerer ist und auch das Sichtfeld einschränkt.


Ganz ohne Helm fahren Experten nur auf Flüssen, wo sie sich definitiv sicher sind, dass sie nicht kentern oder das Wasser so tief ist, dass kein Kontakt zu harten Gegenständen auftreten kann.

Ein Restrisiko besteht natürlich bei jeder Variante und so gab es auch schon einige Fälle, wo das Tragen eines Helms nachteilig gewesen ist, weil sich der Paddler mit dem Schutzgitter in Ästen verfangen hat und durch die reissende Strömung fast stranguliert worden wäre.


Auf der anderen Seite ist Paddeln ohne Helm ein ganz besonderes Erlebnis, das den „Flow“ und „Spirit“ ganz besonders erleben lässt, vom Gefühl her dem Fahren mit dem Motorrad ohne Helm vergleichbar.
 . Wer also im Wildwasser ohne Helm paddelt, sollte seine eigenen Grenzen und Möglichkeiten sehr gut selbst einschätzen und bewerten können.
Für unsichere Paddler und Anfänger ist ein Helm immer Pflichtausrüstungsstück!
Zum Schluss noch eine Überlegung zum Nachdenken:
Welcher Wildwasserfahrer fährt im Alltag mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit oder Schule im dichten Stadtverkehr eigentlich immer mit Helm und wie gross ist die Gefahr und Wahrscheinlichkeit im Vergleich zum Kajakfahren, durch einen Unfall am Kopf verletzt zu werden?
Jan-Peter |