| In der letzten Juli-Woche 2008 veranstaltete die Essener Kanuschule einen Einsteiger- und einen Aufbaukurs an der Soca. Am Aufbaukurs nahm soulboater-Reporterin Martina teil.
- Wie um diese Jahreszeit häufig war der Wasserstand sehr niedrig, womit gleich mal die Befahrung der Koritnica wegfiel.

Dafür gab es aber um so mehr Gummibusse auf den Normalstrecken ab Czesoca und der Friedhofstrecke.

Erschwerend kam hinzu, daß zuwenig Autos zum Umsetzen zur Verfügung standen, so daß der Aufbaukurs immer annähernd die gleichen Strecken fahren mußte wie der Einsteigerkurs. Anders ausgedrückt: Diese Streckenabschnitte wurden im Aufbaukurs in der Woche gefahren:
Tag 1 (Seetag): Ab Ende Abseilstrecke einige Kilometer Tag 2: Ab Pegelbrücke bis Tonkuhle Tag 3 (Sicherheitstag): Ab III.Klamm bis Czesoca Tag 4 (nach Freiem Tag): Ab Rafteinstieg bis Ende Friedhofstrecke Tag 5: Gleiche Strecke noch mal
Die ganze Gegend machte ihrem Spitznamen „Ballermann für Paddler“ alle Ehre: Es war brechend voll und laut auf dem Bach und im Tal. Die slowenische Vermieterin unserer Ferienwohnung war am Verzweifeln, weil die Supermärkte ab 11:00 Uhr in Sachen frisches Fleisch o.ä. quasi ausverkauft waren. Die Paddler waren wie die Heuschrecken eingefallen...
Aber zurück zum Kurs: Alles begann mit einer kleinen Vorstellungsrunde der Teilnehmer und der allgemeinen Organisation der Kochgruppen, Gruppenkassenverwalter etc. Dabei stellte sich schnell heraus, daß die Mehrheit der Teilnehmer kein Auto dabei hatte. Das war für den Einsteigerkurs nicht ganz so schlimm, weil für diese größere Gruppe der Bus der Essener Kanuschule samt Anhänger genutzt werden konnte. Für den Aufbaukurs war aber gleich klar, daß das so nicht klappen würde, da gab’s nämlich außer meinem eigenen gar kein weiteres Auto..
Für den Einsatz des privaten Autos samt aller damit verbunden Nachteile wird zur Zeit ein Kilometersatz von 0,15 EUR angesetzt, was ich angesichts der aktuellen Spritpreise und der Tatsache, daß ein Auto nach einem solchen Kurs nie wieder so aussieht wie vorher (Kratzer, Dreck, Geruch etc.), reichlich antiquiert finde. Mein Rat: Zum Kursort fliegen und die anderen fahren lassen. Das spart jede Menge Zeit und Kosten....
Nach dem die Transportproblematik so halbwegs - wenn auch nicht wirklich zufriedenstellend - geklärt war, wurde den Teilnehmern ohne Material die Ausrüstung zugeteilt, die Boote individuell angepaßt und aufgeladen. Anschließend ging’s dann zum Seetag auf den Bach, der Aufbaukurs fuhr die Soca ab Ende Abseilstrecke bis zu dem seeartigen Teil, auf dem die Einsteiger übten.

Allerdings mit einer Gewitter-Unterbrechung und anschließendem Nebel ...


Am nächsten Tag ging es um 09:00 Uhr mit Frühstück los und nach einer Theorieeinheit und anschließendem ausführlichen Aufwärmen bei 30 Grad im Schatten fuhren beide Gruppen von der Pegelbrücke bis zum Rafteinstieg bzw. die Aufbaukursler bis zur Tonkuhle.



Dabei wurden dann alle Techniken aus der Theorie geübt und in die Praxis umgesetzt: Kehrwasserfahren, Ziehschläge, Bogenschläge, rückwärts aus dem Kehrwasser fahren und so weiter. Insbesondere am Pastorentöter konnte man so manche Viertelstunde zubringen..

Aber auch kleine Wunderwerke der Natur sind mir trotz der Arbeit nicht entgangen:

Dadurch, daß der Aufbaukurs nur aus zwei Teilnehmern bestand, war das ganze Training auch ausreichend anstrengend, wenngleich das Raustragen aus der Tonkuhle an diesem Tag das Anstrengendste war. Lustig war auf jeden Fall der kleine Felsenstart...



Am nächsten Tag stand Sicherheitstraining auf dem Programm. Zuerst wurde die Theorieeinheit um Flaschenzugaufbau in der Praxis und Wurfsackwerfen erweitert. Dann fuhr die gesamte Truppe zum Ende der III. Klamm an die Soca. Wer wollte, konnte am Einstieg von einem hohen Felsen zur Abkühlung ins Ende der Klamm springen...

oder direkt ins Boot zu den wenigen anderen zufällig anwesenden Paddlern..


Am Frauenschlucker fand dann das eigentliche Sicherheitstraining statt, bei dem von der Mannsicherung über die Wurfsacksicherung

und das richtige Schwimmen im Wildwasser

alles geübt wurde. Der Aufbaukurs durfte dann auch noch ein bißchen paddeln, nämlich nach abgeschlossenem Training bis Czesoca.
Am freien Tag konnte ich dann durch eine glückliche Fügung klettern gehen: Die Uni Hannover war zum Paddeln an die Soca gekommen und in der Gruppe gab es einige Kletterer. Also ging’s bei superschönem Wetter an die Wand bei Kal Koritnica: Mitten im Wald im Schatten klettern bei Temperaturen jenseits der 30 Grad-Grenze. Toll!!


Dazu mußte man noch nicht einmal das Auto bewegen, weil man vom Campingplatz Liza oder Toni über die Brücke auf netten kleinen Pfaden direkt zum Klettergebiet laufen konnte. Am Tag 4 war dann die Friedhofstrecke angesagt. Leider war richtig viel los auf der Strecke, ein Raft nach dem anderen kam die Soca herunter

und man mußte beim Traversieren genau aufpassen, nicht von einem umgefahren zu werden.


Auch Paddler waren jede Menge unterwegs, vor allem eine Kölner Gruppe fiel mit ihren „Hundertschaften“ von gelben Eskimos total auf. Wo sie auftauchten, konnte man als kleine Gruppe eigentlich nur noch Fersengeld geben.
Am letzten Tag gab’s dann eine Wiederholung des Vortages, aber irgendwie war die Luft raus.

Der „Lockenwickler“ am Ende der Strecke wurde der gesamten Truppe zum Verhängnis und die Trainer hatten jede Menge zu tun, Leute und Material zu bergen. Abends beim Essen im Letni Vrt folgte dann die "Einzelbeurteilung" jedes Teilnehmers, bei dem noch einmal ausführlich auf die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen eingegangen wurde und man das zu Beginn verteilte Info-Heftchen der Kanuschule mit einem schriftlichen Statement zurückbekam.
Näheres zu den Kursen der Essener Kanuschule (insbesondere zu den theoretischen Inhalten und dem Aufbau der verschiedenen Kurse) auf www.kanuschule.de
Fazit: Netter Sommerkurs, bei superschönem Wetter. Aber man fährt doch besser außerhalb der Saison an die Soca…. Übrigens wurde in der gesamten Zeit nirgendwo irgendwas geklaut und der einzige Kartenkontrolleur, der in der gesamten Woche in Czesoca auftauchte, war sehr nett….

Martina
Fotos: Martina, Christian (von der Uni Hannover) und Thorsten (Kanulehrer) |