| - Playboater Thomas Hinkel war für einen "Kurztripp" zum Paddeln in Indien. In seinem Bericht schildert er seine Erlebnisse mit Land, Leuten und natürlich Wildwasserbächen in einem Land, das wohl eher selten auf der Urlaubsliste von Kajakfahrern steht:
Schon im Februar war klar, ich fahr nach Indien. Relativ spontan hatte ich mich zu dieser Reise entschieden, als ich in einem Internetforum gelesen habe, dass Bekannte von mir eine Tour planen.

Die Flüge wurden gebucht. Mit dabei sind Gabi und Christian aus Passau, Flo aus Wien und ich, Thomas aus Münster. Während Gabi und Christian sich im Ötztal und Flo sich in Norwegen für Indien einpaddelten, tummelte ich mich im Kehrwasser des Rio Minon bei der Freestyle EM in Spanien.
Nervös war ich weil ich dieses Jahr relativ wenig Wildwasser gepaddelt bin. Bin ich trotzdem Fit für eine Kajaktour auf über 4000 Meter Höhe?
Entsprechend aufgeregt war ich, als ich am 8. August mit Gabi und Christian zum Münchener Flughafen fuhr. Flo, der schon einen Tag vor uns nach Neu Delhi geflogen ist, hatte bereits geschrieben, dass er gut angekommen ist und uns am Flughafen abholen wird.

Die erste Hürde auf unserer Reise jedoch waren die Türen des Airports. Natürlich passt ein zweieinhalb Meter langes Boot nicht quer durch die üblichen Dreh- und Schiebetüren. Also, Boot runter vom Trolli, durch die Tür ziehen und wieder rauf auf den Trolli.
Das ganze dann zwei bis drei mal, bis wir endlich am Sperrgepäckschalter der Lufthansa ankamen. Dort wurde dann verhandelt so gut es ging. Im Endeffekt mussten wir uns aber geschlagen geben und 160 Euro pro Boot zahlen.
Hilft ja nichts. Im Flieger konnten wir dann endlich entspannen. Wir flogen über Nacht, ich war allerdings zu aufgeregt, als dass ich hätte schlafen können. Nach gut siebeneinhalb Stunden Flug erreichten wir den Internationalen Flughafen in Neu Delhi.

Was für eine riesige Stadt, knapp 10 Milliotnen Einwohner auf einer Fläche soweit das Auge reicht. Als wir aus dem Flugzeug stiegen, traf uns die hohe Luftfeuchtigkeit und Hitze wie ein Schlag ins Gesicht. Ich war schon schweißgebadet bevor ich den Shuttlebus erreichte. Nach langem Warten und aufwändigen Passkontrollen konnten wir endlich unsere Boote in Empfang nehmen.
Draußen wartete auch schon Flo und dirigierte uns zum Taxi. Boote auf Dach geworfen und ab zum Hotel. Unsere Hotelzimmer waren zum Glück klimatisiert, zu mindestens immer so lange wie der Strom nicht ausfiel. Was schon mal des öfteren vor kam.

Da wir bis zu unserem Anschlussflug noch knapp 20 Stunden Zeit hatten, mieteten wir uns ein Taxi für den ganzen Tag und ließen uns die Sehenswürdigkeiten von Delhi zeigen. Nach einem typisch indischem Mittagessen ließen wir uns dann wieder ins Hotel bringen und schliefen, vom Jetlag bedingt schnell ein.

Nachts um 3 Uhr mussten wir auch wieder los. Dies mal zum NationalAirport. Mal wieder wurden wir, dank unserer Boote sehr verwundert angestarrt und ausgefragt: „Was wir denn mit diesen Plastik Dingern vor hätten?“. Freundlich erklärten wir auch zum zehnten mal, dass wir den Zanskar paddeln möchten.

Kritische Blicke. Die indisch Airline DeccanFly berechnete für unser Boote nichts extra, sondern waren eher amüsiert über die ungewöhnlichen Gepäckstücke und hatten ihre Mühe, die Kajaks auf die Waage zu legen. Wir mussten lediglich das Übergepäck von 90 Kg zahlen. Aufgeteilt waren es dann ca. 1600 Rupeen für jeden. Das entspricht etwa 25 Euro.

Nach einem spannenden Anflug in Leh, knapp an den umliegenden Berggipfeln des Himalayas entlang, waren wir froh wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren.
Gabi und Christian hatten schon von Deutschland aus ein Treffen mit einem indischem Raftguide organisiert. Shallap. Mit ihm wollten wir die ersten Tage paddeln, um uns zu akklimatisieren und Informationen zu sammeln. Allerdings ließ er uns am Flughafen warten, bis wir uns selbst ein Taxi organisierten und uns zu einem Hotel in der Nähe bringen ließen.

Als wir uns dort eingerichtet hatten, zog es uns in die Stadt. Dort trafen wir dann zufälligerweise Shallap. Dieser entschuldigte sich vielmals. Er hatte nicht damit gerechnet, dass die Flugzeuge heute landen würden, da sie in den Tagen zuvor, auf Grund des schlechten Wetters (Nebel und Regenfälle) immer wieder nach Delhi umkehren mussten.
Da eh alles geklappt hatte, war es kein Problem und wir gingen erst mal was trinken. Ein typisches indisches Getränk ist der Lassi, ein Joghurt-Frucht Getränk, den man süß, sauer oder salzig trinken kann. Auf jeden Fall äußerst lecker.

Von Shallap bekamen wir Informationen über die Gegend und über seine Pläne für die nächsten Tage. Gabi und Christian wollten auf der sicheren Seite sein und den Multi-Day-Trip durch die Zanskarschlucht mit Shallap als Guide bewältigen.
Flo und mir hingegen war das zu wenig Abenteuer. Außerdem wollte Shallap das momentane Hochwasser abwarten. Wir dagegen wollten alles tun um noch den hohen Wasserstand zu nutzen.
So kam es, dass wir uns dazu entschieden, uns von Gabi und Christian zu trennen. Jedoch erst zwei oder drei Tage später. Zum einpaddeln wollten wir gerne die Tipps von Shallap nutzen.

Am Abend verlegten wir die Unterhaltungen in eine örtlich Touri-Kneipe, dem Leh-chend. Nach dem ein oder anderem Bier mussten Flo und ich noch Nachts zurück zum Hotel. In der Dunkelheit und der unbekannten Stadt kamen wir allerdings vom rechten Weg ab und benötigten statt 20 Minuten knapp eine Stunde für den unheimlichen Rückweg.
Am nächsten Morgen trafen wir uns um 8 Uhr mit Shallap und John, einem Schottischem Paddler der sich Gabi, Christian und Shallap anschloß.

Am ersten Paddeltag ging es auf den Indus. Knapp 30 Km fuhren wir von Leh nach Nimu. In einem örtlichem Raftcamp übernachteten wir und fuhren am nächsten Tag die untersten 25 Km der Zanskarschlucht.

Knapp 25 Km führt die sich im Bau befindliche Straße durch die Schlucht schon rein. Da von mehreren Stellen mit dem Bau der Straße begonnen wird, ist es wahrscheinlich, dass die Straße in 3-5 Jahren fertig gestellt ist. Dann verliert einer der letzten großen Multi-Day-Trips ihren Reiz.

Unter anderem ein Grund für unsere Himalayafahrt. Gerüchten zu Folge wird der Straßenbau von großen Energiekonzernen finanziert, die wollen die Straße angeblich für den Bau eines Zanskar-Staudamms nutzen. Wieder eine großartige Schlucht, die in Zukunft der Energiegewinnung zum Opfer fällt. Ein weiterer Grund diese fantastische Schlucht möglichst bald zu erleben.
Am Nachmittag des 12. Augusts trennten Flo und ich uns dann schließlich vom Rest der Gruppe und machten uns auf den Rückweg nach Leh. Dort blieben wir für eine Nacht.

Zwei Tage zuvor hatten wir uns bereits Bus-Tickets nach Sarchu, zum Einstieg besorgt. Es wurde eine sehr abenteuerliche Busfahrt. Aus den zuvor angekündigten sieben Stunden wurden insgesamt neun Stunden. Auf Straßen, die in Europa zum Teil nicht mal als Feldwege durch gehen würden.

Dazu kam noch die Überquerung des zweithöchsten Passes der Welt (5600 m). Da der Pass der einzige Versorgungsweg für Ladhak ist und dem entsprechend stark befahren wird, wurde der Adrenalinpegel auf der engen Straße immer wieder in die Höhe getrieben.
Endlich. Um 15 Uhr des 14. Augustes erblickten wir den Tsarap Chu! Kurz laut pfeifen und schon hält der Bus an. Irgendwo im Nirgendwo.

Aber der Fluss ist nur 200 m von der Straße entfernt. Die zugestaubten Boote vom Dach geladen, noch einmal schnell den staunenden Mitreisenden zugewunken und schon waren wir allein. Allein auf uns gestellt. Zumindestens für die nächsten sechs Tage.

Bevor wir in die Boote stiegen genossen wir noch zwei Müsliriegel als Frühstück bzw. Mittagessen und packten unsere Boote. Dann konnte es endlich los gehen. Die ersten Paddelschläge auf 4200 Metern Höhe über Normalnull.

Text: Thomashinkel.com / Fotos: florian primetzhofer
Sponsoren: denk.com ; paddle-poeple.com und bliss-stick.de |