| Drei Wochen auf dem Dach der Welt - Teil III
- Tag IV: Als wir aufwachten stand die Sonne höher als sonst. Kein Wunder. Gestern war ein langer Tag und wir hatten die Pause einfach nötig gehabt. Wir hatten uns das Phuktal Kloster angeschaut und die schwerste Stelle des Tsarap Chu bewältigt. Geendet hatte der Tag mit schönem non-stop WW IV. Und so sollte es auch weiter gehen.

Ein paar Kilometer beglückte uns der Fluss von seiner schönsten Seite. Das einzig störende war die Straße am Flussufer, die uns seit den Rerufalls begleitete. Der schöne Wildwasserabschnitt ging zu Ende, dafür wurde der Tsarap wieder enger.

Nach einer Klamm öffnete sich dann vor uns ein riesiges Tal. Dies konnte nur bedeuten, dass der Zusammenfluss von Tsarp Chu und Doda nicht mehr weit war.

Am Anfang des Tals liegt der Ort Padum. Will man nur die Zanskar-Schlucht befahren, kann man die Tour auch von hier aus starten. Wir jedoch machten in Padum nur eine kleine Pause und freuten uns nach mehreren Tagen wenigstens etwas Zivilisation zu finden.
In einem kleinen Geschäft kauften wir uns was zu trinken. Eine wahre Abwechslung zum chemisch desinfiziertem Flusswasser, die wir uns redlich verdient hatten. Mit unseren Paddelklamotten hielten wir es allerdings nicht lange in der Hitze aus und machten uns wieder auf den Weg.

Es folgten gut 40 Km Flachwasser mit wenigen Kiesbankschwällen und einer brüllenden Hitze die uns fast umbrachte.

Um wenigstens unsere Gesichter vor der Sonne zu schützen, bastelten wir uns aus Schaumstoffresten - die eigentlich als Fittingmaterial dienten - zwei provisorische Sonnenschirme. Und die Hände wurden so oft es ging eingecremt.
Der folgende Abschnitt war wirklich langweilig zu paddeln, dafür bot die Landschaft einen unglaublichen Anblick. Ich habe noch nie so viele Gletscher in einer so unwirklichen Welt gesehen wie im Quellgebiet des Zanskar. Einfach atemberaubend.

Allerdings waren wir froh, als sich das Tal wieder verengte und sich die große Zanskar Schlucht unserer annahm.
Noch etwa 100 Kilometer lagen nun vor uns. Und auf den nächsten 80 Kilometern sind wir endgültig abgeschnitten vom Rest der Welt.
Kein Wanderweg, kein Trampelpfad begleitet uns in diesem Bereich.

Doch bevor es weiter ging hieß es erst einmal wieder Lager aufbauen. Inzwischen bauten wir aus Plane, Booten und teilbarem Paddel das ultimative Schlafgemach für Kanuten.
Am nächsten Tag genossen wir die Einsamkeit der Schlucht. Wunderten uns immer wieder über die ungewöhnlichen Gesteinsformationen und -Farben.

An einem klarem Seitenbach unterbrachen wir unsere Tour für eine Pause und um unsere Trinkflaschen zu befüllen. Bei einem Blick auf die Karte waren wir dann überrascht, wie schnell wir voran kamen.
Die Strömung in der Schlucht muss um einiges höher sein als am Tag zu vor. Wir schätzten die Lage ab und kamen zu dem Entschluss, das wir uns heute früher einen Schlafplatz suchen sollten. Einfach um die Abgeschiedenheit noch mal richtig zu genießen.
Sollten wir den ganzen Tag weiter fahren, hätte es gut sein können, dass wir schon am späten Abend den letzten Teilabschnitt der Schlucht erreichen, an dem uns dann schon die Straße aus Nimu entgegen gekommen wäre.

Somit unterbrachen wir unsere Fahrt schon am frühen Nachmittag. Ich nutzte die „freie“ Zeit für ein kleines Nickerchen während Flo den Bachlauf erkundete, an dessen Mündung wir unser Camp aufschlugen.
Vor lauter Langeweile und mit dem guten Gewissen, das wir am nächsten Abend wieder essen gehen können verschlangen wir Unmengen an Essen und vernichteten unseren Vorrat.

Am nächsten Tag erreichten wir nach circa 30 Kilometern jenen Abschnitt, welchen wir schon vor einer Woche zum einfahren gepaddelt sind. Leider mussten wir feststellen, dass der Wasserstand inzwischen gut einen halben Meter gefallen war.

Dies wirkte sich stark auf die Fließgeschwindigkeit aus. In manchen Bereichen pulsierte das Wasser dadurch so stark, dass man das Gefühl hatte, man paddle gegen die Strömung.
Am Nachmittag erreichten wir die Mündung in den Indus und wenige Kurven weiter das Raftcamp in Nimu, unser Ziel.

Glücklich und zufrieden fielen wir uns in die Arme und schälten uns aus den Trockensachen. Im Camp bekamen wir etwas zu essen und fanden sogar noch am gleichen Tag eine Mitfahrgelegenheit zurück nach Leh, zum Ausgangspunkt unserer Reise.
Schon auf der Fahrt dahin diskutierten wir die weiteren Möglichkeiten und versuchten uns am Abend über neue Ziele zu informieren.

Zufällig trafen wir eine sechs köpfige Truppe aus England, die am nächsten Tag die Zanskarschlucht angehen wollte und uns bzgl. Tipps ausfragte.
Wir wiederum erfuhren, dass sich in der Nähe von Kargil der wohl beste Fluss Kaschmirs befindet,der Drass River. Ebenfalls ein Seitenfluss des Indus, jedoch 250 Km flussabwärts.

Das hieß mal wieder eine lange Busfahrt in Kauf nehmen. Diese buchten wir am nächsten Morgen noch für den gleichen Abend.
Und es geht weiter....
Bericht: Thomas Hinkel Fotos: Florian Primetzhofer |