| Die Strecke: Ca. 16 Kilometer von Campo bis Bessians
- Es war meine erste richtige Paddeltour in diesem Jahr und ich hatte mir dafür etwas ausgesucht, das gleich an meine paddeltechnischen Grenzen gehen sollte: Eine Tour auf einem Wuchtwasserbach, der aber auch noch mit einer kleinen Blockstrecke aufwartete. Wuchtwasser – eigentlich so gar nicht mein Ding..
Aber immer langsam...
Zu den Bedingungen: Der Bach hatte Mittelwasser – optimaler Wasserstand, es war superschönes Wetter (ca. 30 Grad, kein Wölkchen am Himmel), nur begann unsere Tour etwas später als geplant, weil mich ein Spanier noch als Unfallverursacher hinstellen wollte und uns unsere Verhandlung mit der nur spanisch sprechenden Polizei mindestens zwei Stunden Zeit kostete…
Nachdem das geklärt war, konnten wir endlich die Autos umsetzen und loslegen.
Einstieg: Ca. 1 Kilometer vor dem Ort Campo, besser wäre ein verlassener Campingplatz ca. 100 Meter weiter in Richtung Campo gewesen, aber hinterher ist man immer schlauer..
Die ersten Kilometer ging es recht leicht voran mit max. WW III, wunderbar zum Einpaddeln und um ein Gefühl für den Bach zu bekommen. Meine sonst übliche Nervosität stellte sich nicht ein – ein Wunder! Beweisfoto: Pfeifend auf dem Bach...



Begleitet wurden wir nur an einer Stelle durch ein Raft, das uns dann gleich mal mit einem spektakulären Flip in einem schönen Loch begeisterte.



Die armen Teufel im Raft waren wohl etwas weniger begeistert – obwohl bei der Hitze das unfreiwillige Bad bestimmt nicht schlecht kam…
Der Flußcharakter: Immer wieder Schwälle und hohe Wellen, aber alles gut einsehbar und immer gab es eine einfache Route.





Ansonsten gab es außer uns an diesem Tag keine Paddler auf dem Esera und wir fuhren entspannt bis zur ersten schweren Stelle, den Pyramiden. Ich hätte das eher Labyrinth genannt, weil es doch etwas unübersichtlich zuging, aber die Spanier fühlten sich wohl von den Steinformationen eher an Pyramiden erinnert. Wir Vorsichtigen schauten uns die Stelle an.


Unser Vorfahrer winkte zwar, daß wir „einfach fahren“ sollten, da wir aber die gesamte Strecke nur unvollkommen übersehen konnten, fuhren wir erst einmal in ein geeignet erscheinendes Kehrwasser auf der linken Seite. Das entpuppte sich schnell als Sackgasse, da man von dort aus nur die Hardcore-Linie fahren konnte – samt eventuellen, von dort nicht sichtbaren Siphonen – oder umtragen. Auf die andere Bachseite kam man von dort leider schon nicht mehr.
Wir beschlossen also, zu umtragen.
Das war dann auch Hardcore mit Boot und Paddel an einem gerölligen Hang mit großen Steinen und vielen Dornen herumzukraxeln – das volle Programm… Dabei konnten wir uns aber die Stelle ganz gut ansehen und ich war ganz zufrieden mit der Umtrage…
Leider gibt es von der Aktion keine Fotos, da wir zuviel mit Tragen zu tun hatten und unser rennradfahrender Fotograf die Stelle von der Straße aus nicht einsehen konnte - wie das immer so ist...
Anschließend wartete der Esera immer wieder mit Überraschungen in Form von plötzlichen Schwällen und Prallwänden auf – eigentlich jedes Mal, wenn man abschalten wollte – es wurde also nie langweilig und nur ganz gegen Ende blieb es bei max. WW II.

Auch Stellen mit schönen Surfwellen wurden natürlich genutzt:

Die Strecke endete an einer alten Römerbrücke im Ort Bessians auf der linken Seite. Die Spanier hatten einen regelrechten Komfortweg nach oben zur Straße angelegt und wir erlaubten uns noch den Luxus, für ein Gruppenbild die Boote über die Römerbrücke zu tragen…

Fazit: Der Esera ist ein Bach für Fortgeschrittene und Wuchtwasserliebhaber, die aber auch nicht auf spannende Verblockungspassagen verzichten wollen. Einziger Wermutstropfen sind die Syphone, die die Pyramiden gefährlich machen. Ansonsten gab es keine fiesen Überraschungen auf der Strecke.

Bericht: Martina
Fotos: Thomas Klinkenberg, Hannes und Martina |