| - Die Outdoortrophy in Lingenau im Bregenzerwald ist mal wieder erfolgreich über die Bühne gegangen.
Es war ein Stelldichein von Weltmeistern, Europameistern und Amateuren aus den Sportarten Berglauf, Paragleiten, Wildwasserkajak und Mountainbike.
35 Teams aus 5 Nationen waren am Start und kämpften in den Kategorien Profi, Amateur und Firmenteams um die Krone und 20.000 Euro an Preisgeldern. Im Gegensatz zum letzten Jahr konnte der Bregenzer Wald dieses Jahr mit einem traumhaften Wetter und einer malerischen Kulisse aufwarten. Einem Start der Bergläufer um Punkt 10 Uhr stand nichts im Wege.
Ich selbst bin als Kajaker in einem Firmenteam an den Start gegangen. Man glaubt gar nicht, wie schwierig es ist, ein Team von 4 Leuten zu koordinieren.
Bis zur letzten Minute wird gebangt, dass ja keiner mehr krank wird oder sich noch verletzt. Unsere Vorbereitung gestaltete sich schwieriger als gedacht, als drei Wochen vor unserem Start unser Gleitschirmpilot aus dem Team ausgestiegen ist und ich mich danach fieberhaft auf die Suche nach Ersatz machen musste, welchen ich aber relativ schnell mit Patrizia aus Vorarlberg gefunden habe.
Die zweimalige Outdoortrophy-Gewinnerin hat sich spontan entschlossen unser Team zu unterstützen. Unsere Vorbereitung war also nicht umsonst, und wir konnten an den Start gehen.

Unser Bergläufer Thomas musste eine Strecke von 15 km und 1400 Höhenmetern zurücklegen. Wer schon mal zum Wandern in den Bergen unterwegs war, weiß, wie anstrengend es ist, überhaupt einigermaßen zügig irgendwelche steilen Bergflanken zu erklimmen.
Thomas ist begeisterter Marathonläufer, und rennt auch schon mal zum Spaß den einen oder anderen Berg hinauf. Aber was die Profis, allen voran Europameister Marco Giardo hier für eine Zeit vorgelegt haben, ließ uns schon ein wenig blass aussehen.
Marco rannte in einer Zeit von 1:19:38 Stunden den Berg hinauf. Zum Vergleich, unser Hobbyläufer Thomas benötigte für die Strecke 2:12:56 Stunden, und war auch dementsprechend fertig.

Meiner einer wartete schon mit Spannung beim Kraftwerk Andelsbuch in der Wechselzone auf den Wechsel vom Bergläufer zum Gleitschirmpiloten.
Die jeweiligen Starts der Gleitschirmflieger wurden uns in der Wechselzone mitgeteilt, so dass wir Kajaker uns schon mal seelisch und moralisch auf unseren Einsatz vorbereiten konnten. Leider riss wohl die Thermik abrupt ab, so dass auf einmal kaum noch ein Gleitschirmflieger in die Wechselzone einschwebte.
Die armen Jungs und Mädels mussten teilweise bis zu 2 km mit ihrem gesamten Equipment ins Ziel laufen, und dann auch noch zur Strafe, da keine Punktlandung erfolgte, eine Strafrunde laufen. Und ich habe mir sagen lassen, Gleitschirmpiloten laufen überhaupt nicht gerne....
Während sich die Reihen der Kajakfahrer langsam lichteten, wartete mittlerweile nur noch eine Handvoll Paddler auf ihren Einsatz. Aber Patrizia wurde bereits über den Baumwipfeln der Wendemarkt gesichtet.
Leider aber schaffte sie es auch nicht, ihren Flug bis zur Wechselzone zu beenden und musste ins Ziel laufen, inklusive Strafrunde. Ja, auch Patrizia war nach dieser Laufeinlage sichtlich platt.

Nun kam mein Einsatz. Abklatschen und Spurt zur Startrampe. Boot auf die Schulter und rauf auf die Rampe. Jetzt muss nur noch die Spritzdecke drauf bleiben und dann kann eigentlich nix mehr schief gehen.
Start aus knapp 6 m Höhe und ab zum Wehr. Da vier Paddler kurz vor mir gestartet sind, hatte ich nur ein Ziel, möglichst schnell, möglichst nahe rankommen. Nach ca. 1 km hatte ich bereits den ersten im Sack und den nächsten dann bei der ersten Aufwärtspassage in Egg.

Irgendwie waren die Kraftwerksbetreiber wohl recht sparsam mit der Wasserabgabe, sodass es mit der sprichwörtlichen Handbreit Wasser unterm Kiel leider nicht immer hinkam.

Der diesjährige Gewinner Harald Hudetz hat wohl sogar teilweise sein Boot verlassen und ist über die Kiesbänke gejoggt. Werde ich mir fürs nächste Mal merken.

Ich hab jedenfalls mein Boot nicht verlassen und mir mit langem Hals Ausschau haltend nach der Ideallinie irgendwie einen Weg nach unten gesucht. Nach ca. 30 min kommt dann der Zielbereich beim High 5 Center in Sicht, und auch die letzten beiden vor mir befindlichen Kajakfahrer waren mittlerweile nur noch wenige Meter vor mir.
Vor dem High 5 Center musste noch ein Slalomparcours von neun Toren einschließlich einer Eskimorolle bewältigt werden.
Ich schaffte es noch, die beiden zu überholen und sprintete zum Ausstieg, wo ich dann mit Boot noch einige Meter den Hang hinauf und dann ins Ziel rennen musste. Das gibt einem echt den Rest.

Leider war unser Mountainbiker Mathias bereits weg, da wir das Zeitlimit überschritten hatten, um noch einen ordentlichen Wechsel durchführen zu können.
13:20 Uhr war hier Deadline. 13:35 Uhr war ich da.
Aber egal, es war eine Riesengaudi. Mathias ist dann im Massenstart mit den acht verbleibenden Mountainbikern auf seinen Part geschickt worden. 30 km und 1600 Höhenmeter galt es zu bewältigen.
Hannes Palhuber, der 4-fache Dolomitenmannsieger kam bereits kurz nach Abfahrt der letzten Mountainbiker wieder ins Ziel. Irgendwie überirdisch und für uns Breitensportler fast nicht mehr nachvollziehbar, was hier für Leistungen erbracht wurden.
Für uns gab es nur zwei Ziele, alle heil ankommen und Spaß dabei haben. Letztes Jahr hatte Mathias ein wenig Pech und stürzte bereits nach wenigen Kilometern.
Hierbei hatte er sich den Sattel abgerissen, ist aber die gesamte Reststrecke im Stehen weiter gefahren. Die Party viel für ihn damals wegen körperlicher Ermüdungserscheinungen leider aus.
Dieses Jahr ging aber alles glatt und nach einer Gesamtzeit für unser Team von 6 Stunden und 12 Minuten war dann auch Mathias glücklich und sichtlich zufrieden mit seiner Leistung im Ziel.

Ich hab mich in der Zwischenzeit schon mal ausgiebig von drei hübschen Physiotherapeutinnen ausgiebig durchkneten lassen.
Ein Service des Veranstalters Chris Alge, den dann auch gleich die restlichen Teammitglieder ausgiebig genutzt haben.

Es war eine Top Veranstaltung, die uns allen einen Riesenspaß gemacht hat, egal ob Weltmeister oder Amateur. Die familiäre Atmosphäre unter den Teilnehmern macht diese Veranstaltung bestimmt auch zu etwas Besonderem.
Nichtsdestotrotz, der Dolomitenmann steht als nächstes auf dem Programm.
4 Wochen und das Training geht weiter. Mit leicht verändertem Team, leider dürfen hier keine Mädels teilnehmen, sonst wäre Patrizia bestimmt wieder dabei, werden wir auch hier dieses Jahr an den Start gehen und unser Bestes geben.
Auch wenn es voraussichtlich nicht zu einer vorderen Platzierung reichen wird. Dabei sein ist alles. Und mindestens einmal im Leben sollte man so was mal gemacht haben.
Eine Hürde müssen wir aber noch bewältigen.........einen Gleitschirmpiloten.........aber wir werden schon noch einen finden, der verrückt genug ist, mit uns an den Start zu gehen.
Ergebnislisten und weitere Informationen zur Outdoortrophy gibt’s hier: http://www.outdoortrophy.com/trailer.php
Bericht: Andy Klotz
Fotos: Thomas Schmiegelt |