| Snowkayak – ein neuer Trendsport?
- Vor über 30 Jahren ging es los: Im Winter setzten sich übermütige Paddler, denen mangels gut isolierender Kälteschutzkleidung das Bootfahren im Wildwasser bei Minustemperaturen einfach zu kalt war, trotzdem in ihre Kajaks.
Allerdings nicht im eisigen Wildbach sondern auf dem „Gipfel“ vertrauter Rodelberge. Und los ging die Fahrt: Die vier Meter langen Polyesterbomber waren kaum zu steuern und die übrigen Pistennutzer stoben schreiend auseinander, wenn so ein bemannter Torpedo ohne Ziel den Berg hinabdonnerte.
Mit der Einführung kurzer Kajaks 1980 wurden auch die Skipisten besser beherrschbar und Hans Memminger machte mit seinem Film „Topolinaden“, der auf Deutschlandtour in vielen Städten gezeigt wurde, den neuen Sport auf gefrorenem Wasser schon fast salonfähig.

Es gab viele Nachahmer, die mit Schleppliften im Boot sitzend die Pisten hoch und anschliessend in Schussfahrt wieder herunterbretterten.
Die Gaudi bei allen Beteiligten, sowohl Schneepaddlern als auch Zuschauern, war immens und erstaunlicherweise wurde kaum von Unfällen berichtet.

Ein Vierteljahrhundert später hat sich der „Sport“ grundlegend gewandelt:
Waren es früher Rundbodenkajaks, die mehr oder weniger unkontrolliert und schwer steuerbar über den verharschten Schnee schlitterten, hat sich heutzutage einiges beim Material und auch den Fahrtechniken getan:

Moderne kurze Flachbodenkajaks mit ausgeprägter Kante im Unterschiff lassen sich nach einiger Übung durchaus kontrolliert auch über steile Abfahrten mit dem Paddel ins Tal lenken.

Voraussetzung ist aber, dass der Schnee nicht völlig vereist ist, sondern mit etwas „Powder“ versehen dem Snowkayaker die Möglichkeit gibt, mit Paddeleinsatz und gleichzeitiger Gewichtsverlagerung auf die Kanten das Boot in die gewünschte Richtung zu steuern. Am schönsten ist natürlich das Carven im Tiefschnee fernab von präparierten Pisten... .
Mit den geeigneten Booten kamen auch die Wettbewerbe:
So wurde 2008 im österreichischen Lienz bereits zum fünften Mal die Weltmeisterschaft im Snowkayak durchgeführt, um die 150 Starter lieferten sich packende Rennen auf einer eigens für die WM beschneiten Piste mit Steilkurven und Kicker genannten Sprunghügeln.

Veranstalter Thomas Zimmermann sieht aber deutlich den schmalen Grad zwischen „langweiliger“ Anfängerpiste, auf der keiner so recht in Stimmung kommt und riskanter Downhillstrecke, bei der den Akteuren bei Fahrfehlern lebensgefährliche Verletzungen drohen.

Trotzdem oder gerade deshalb ist Snowkayaking für die Medien so interessant, dass von der WM auf vielen Fernsehkanälen zu guter Sendezeit berichtet wurde.

Doch Snowkayak ist nicht nur ein Outdoorsport, auch in den vielen in letzter Zeit im Flachland gebauten Skihallen lässt es sich vorzüglich mit dem Kajak talwärts sausen.

So ist es nicht verwunderlich, dass im Frühjahr 2007 im niederländischen Landgraaf in der dortigen „Snow-World“ die ersten Indoor-Weltmeisterschaften stattfanden.
Eine kreativ gestaltete Rennstrecke mit Steilkurven und abschliessendem Sprung über einen hohen Kicker in einen wassergefüllten Pool liessen Zuschauer wie auch Snowkayaker ihren Spass haben. Auch das Medieninteresse war enorm.
Abschliessend stellt sich trotzdem die Frage: Ist Snowkayak eine neue ernstzunehmende Sportart oder nur ein kurzlebiger Trend in einer funorientierten Spassgesellschaft?
Die Antwort darauf kann wohl nur geben, wer es selbst einmal ausprobiert hat...

Dieser Bericht erschien als Printversion in Ausgabe 01/2009 des Kajak-Magazins vor einem Jahr.
Im neuen Kajak-Magazin, das ab 11. Dezember 2009 an vielen Kiosken, in Bahnhofsbuchhandlungen und natürlich im Abonnement erhältlich ist, ist Snowkayaking wieder ein aktuelles Thema.
Aufgrund der positiven Entwicklung der Zeitschrift wird das Kajak-Magazin in Zukunft noch öfter erscheinen. Waren es zunächst vier Ausgaben in 2009, wird es ab 2010 zweimonatlich erscheinen und dadurch noch aktueller für die Paddler da sein. |