Testbericht Bergesystem Wildwasser-Sport-USA "Tow-and-Throw-Belt"
Von Sven Perschmann
Bereits am 7.2. diesen Jahres hatte Horst Fürsattel dieses Produkt ganz
kurz bei Soulboater präsentiert. Er tat dies mit der Option, dass der erste,
der sich meldet, das Teil testen und einen Bericht darüber schreiben kann.
Na ja, der war dann wohl ich...

Das System besteht im Grunde genommen aus einem Gürtel vom Format eines
Schwimmwesten-Brustgurts ohne Umlenkplatte, an dem eine Neopren-Wurfsacktasche
mit einem kleinen Neun-Meter-Wurfsack angebracht ist. Desweiteren befindet sich
am Gurt ein mittels mehrerer Laschen befestigter, separat auslösbarer Bungee-Cowtail,
der durch einen Klettverschluss auf der einen und eine Plastiköse auf der
anderen Seite eng am Körper gehalten wird. Der Gurt wird unter den modernen
kurzen Schwimmwesten (z.B. °hf Serpent) um die Hüfte getragen.
Das System kostet 185,00 € und ist in Deutschland auf www.paddle-people.com
zu besichtigen. Im Folgenden möchte ich die Vor- und Nachteile, welche
mir im Verlauf der Testphase aufgefallen sind, schildern. Den Cowtail habe ich
zum Glück bisher nicht benutzen müssen. Auch den Wurfsack habe ich
nur angetestet, da es im Harz schweinekalt (-8°C) war, was die angefrorenen
Fotos wohl gut verdeutlichen.
Größter Vorteil des Tow-and-Throw-Belts ist wohl, dass man das Bergesystem
immer mit dabei haben kann, ohne dass man erst mehr oder weniger aufwendig nach
dem Wurfsack kramen muss. Dadurch ist es schon beim Besichtigen eine zusätzliche
Sicherheit. Der kleine Wurfsack kann aber auch in allen möglichen anderen
Situationen praktisch sein. Wenn man sich in die Situation eines Schwimmers
in, wie in den Alpen ja oft üblich, engen Bächen mit steilen Ufern
versetzt, so ist es endlich auch möglich, von sich aus den Kameraden am
Ufer das Seil zuzuwerfen. Hier kann ein kurzes Seil von Vorteil sein, wenn man
nur die Distanz zur helfenden Hand überbrücken will.

Der Tragekomfort des Systems ist erstaunlich gut. Allerdings verliert man etwas
Bewegungsfreiheit nach hinten (zumindest bei meinem Micro 240), was die Vorzüge
der modernen kurzen Schwimmwesten wieder eliminiert. Außerdem muss man
den Gurt recht fest anziehen, damit er nicht zu leicht verdreht.
Sicherheitstechnisch ist es gut, dass der Gurt mit einer Schnellauslösung
versehen ist, so dass das evtl. zu befürchtende Verheddern kaum ein Problem
darstellt. Danach hat man immer noch die volle Sicherheit des Schwimmwesten-Bergegurts,
da dieser nicht gleich mit dem Cowtail flöten geht.
Leider hat der Gurt mangels Fixpunkt am Körper die Möglichkeit, sich
an der Hüfte zu verdrehen, wodurch ein Erreichen der Schnalle schwierig
werden kann.

Zum Cowtail: Sehr schön gelöst! Er sitzt sehr tief
auf der Hüfte, wodurch der erforderliche Hebel und damit der Kraftaufwand
der Bauchmuskeln minimiert und das Schleppen fremder Boote oder Personen erheblich
erleichtert wird. Gut ist auch, dass man den Cowtail beidseitig (!) auslösen
kann, ohne gleich den ganzen Gurt zu verlieren. Durch die Umlenkung des Cowtails
im Ruhezustand mittels eine Klettschlinge liegt dieser schön eng am Körper
an und bietet trotzdem genug Länge für die meisten Situationen. Allerdings
ist es ein ziemliches Gefummel, den Zustand auf dem Wasser wiederherzustellen,
da eben diese Klettschlinge am Rücken liegt und man sie kaum erreichen
kann wenn man im Boot sitzt. Das Gleiche gilt für den Karabinerpark. Dieser
besteht aus einem einfachen D-Ring an der rechten Seite, der nicht, wie z.B.
bei der Serpent, aufgeschnitten ist, so dass keine Schnellauslösung möglich
ist. Hinzu kommt noch, dass man den Karabiner erst einmal finden muss, da die
Weste noch darüber sitzen kann. Ich bin dazu übergegangen, ihn am
Karabinerpark meiner Weste zu befestigen, da er dort auf jeden Fall griffbereiter
ist. Größtes Manko ist wieder die Möglichkeit des Verdrehens
des gesamten Systems, wodurch bei fixiertem Boot am anderen Ende der Leine die
Notauslösung schwierig zu erreichen sein kann.

Zum Wurfsack: Der Wurfsack ist sehr simpel konstruiert und
kann kaum mit den gewohnten Modellen konkurrieren. Zum Ersten sind die gemessenen
neun Meter für einen ernsthaften Wurfsack viel zu kurz. Außerdem
fehlen vernünftige Griffschlaufen. WS-USA hat einfach viel zu kleine Schlaufen
in beide Enden des Seils geknotet. Dem kann allerdings mit einem Stück
Schlauch sehr einfach selbst abgeholfen werden. Aus Platzgründen wurde
beim Wurfsack auf Auftriebsschaum verzichtet, der im WW meines Erachtens nach
sehr wichtig ist. Aufgrund der geringen Größe ist er zudem vergleichsweise
schwierig zu füllen. Das Verstauen des Sacks selber ist sehr fummelig und
man muss den ganzen Gurt abnehmen, um den Wurfsack in seine Neoprenhülle
stopfen zu können. Hier wäre vielleicht ein Karabinersystem, kombiniert
mit einer Nylontasche mit Klettverschluss, einfacher. Dann würde der Gurt
beim Herausziehen des sehr fest in der Tasche sitzenden Wurfsacks auch nicht
so leicht verrutschen.

Fazit: Beim Tow-and-Throw-Belt handelt sich um ein sehr interessantes
Rettungsgerät, das zwar einerseits sehr gute Ansätze beinhaltet (alles
am Mann, verschiedene Auslösemöglichkeiten), andererseits jedoch einige
Sicherheitsmängel (verdrehter Gurt, kurzer Wurfsack) und Bedienungsschwierigkeiten
aufweist. Als Ergänzung zur normalen Wildwasserausrüstung ist es sinnvoll,
nicht aber als alleiniges System (großen Wurfsack mitnehmen, kein Ersatz
für das Bergesystem der Weste). Hinzu kommt der stolze Preis, für
den man sich auch eine High-End-Weste oder eine komplette klassische Wildwasser-Sicherheitsausrüstung
leisten kann (Wurfsack, Cowtail, Bergehaken, Umlenkrollen, Bandschlinge, Abseilachter).
Aber vielleicht baut der Horst ja eine überarbeitete Version? Schön
wär´s auf jeden Fall.
Sven Perschmann
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