Paddeln in der Eifel
Von Christian Zicke
Alles begann mit einem Anruf. Alles begann um 6.30 Uhr. Lalobootfaahrn?
Natürlich gehen wir Bootfahren, aber wer um Gottes Willen stellt uns diese
Frage mitten in der Nacht? Das kann kein Paddler sein! Paddler machen so etwas
nicht mitten in der Nacht - Doch! Wenn sie schon sehr lange nicht geschlafen
haben, sich vorgenommen haben die nächsten Nächte auch nicht zu schlafen
und wenn sie in der Eifel paddeln wollen, aber ihren Autoschlüssel nicht
finden.
 
Knapp zwei Stunden später sind wir bei Tobi. Kumpel Samo aus Slowenien
liegt ziemlich fertig auf dem Sofa, aber Tobi hat schon alles eingepackt. Wir
stehen vor der Haustür, jedoch fehlt uns etwas: Samos Auto als Versatz-Fortbewegungsmittel
Nr. 2 für unseren Trip. Tobis Karre steht zwar vor der Tür, aber der
Schlüssel fehlt.
Kurze Zeit später finden wir das Auto auch ohne Samos Hilfe. Er kann sich
an nix erinnern.
Zwei Minuten später sind wir auf der Autobahn, auf dem Weg zur Rur ohne
"h"! Wir fahren die A1 von Köln bis zum Ende, verlassen dann
die Bahn und Tobi erzählt, dass hier ganz in der Nähe irgendwo der
Endertbachfall sein muss. Ich werde stutzig. Die Rur soll eigentlich am ganz
anderen Ende der Eifel liegen. Wir kaufen eine Karte und stellen fest, dass
es tatsächlich so ist. Die Karte, die wir vorher benutzten, war ein Miniaturatlas,
in dem die ganze Eifel ungefähr so groß aussieht wie die Stadt Dortmund.
Wären wir mal über Aachen gefahren, dann wären wir schon da.
Doch nun setzen wir unseren Weg weiter fort. Vorbei an Endert, Elzbach und Soca,
oder wie die Bäche hier so heißen, erreichen wir eine gute Stunde
später die wunderhübsche Stadt Hammer, wo wir gleich mal ein Auto
stehen lassen.

Bereits beim Umziehen an der Einsatzstelle fällt uns auf, dass die 53
verschiedenen Taschen, die Tobi für die Tour gepackt hat, wenig Inhalt
haben und dass sein Zustand in der Früh wohl doch alles andere als nüchtern
war. Wir vermissen eine Spritzdecke, eine Schwimmweste und eine Vlieshose, schieben
das Problem aber aufgrund der Unübersichtlichkeit des Fahrzeuges erst mal
zur Seite.
Über die schöne Ortschaft Monschau fahren wir in Richtung Einstieg.
An der Perlbachtalsperre halten wir an und liebäugeln mit der Befahrung
des Talsperrenauslaufs. Doch die Zeit drängt und wir beschließen
erst mal die Einstiegstelle zu suchen und loszupaddeln. Es ist ja bereits 14
Uhr und im Winter wird es bekanntlich früh dunkel.
 
Wir packen alles notwendige in die Boote, ziehen unsere Ausrüstung an
(Tobi hat seine Schwimmweste vergessen und die Spritzdecke für Samo), basteln
eine undichte Decke aus Ulis Müllsack (sorry Uli) und stechen los. Es ist
bereits halb drei.

Nadja am Endertfall
Verblockt und mit einem für Mittelgebirgsbäche hohen Gefälle
strömt die Rur daher. Einige nette Stufen verleiten zum Boofen und nach
ein paar Metern ist das Boot von Samo so voll, dass er mehr oder weniger kontrolliert
aussteigen muss. Es stellt sich heraus, dass die provisorische Spritzdecke was
für den Allerwertesten ist und dass vielleicht doch ein etwas erfahrener
Paddler ohne Spritzdecke fahren sollte. Tobi opfert sich und steigt in den Micro,
kommt ca. 50 Meter weit und parkt dann das vollgelaufene Boot im nächstbesten
Kehrwasser. Sinnlos! Tobi entschließt sich, das Boot zurück zum Auto
zu tragen. Wir beeilen uns, um noch vor Einbruch der Dunkelheit den Ausstieg
zu erreichen.

Tobi Altvater
Nach einigen verblockten Stellen im zweiten Schwierigkeitsgrad geht es über
ein acht Meter hohes Schrägwehr in Richtung Monschau City. In der wunderschönen
Altstadt stehen ein paar nette Wellen und auch eine Spielwalze zwischen den
Häuserschluchten verleitet zum Kreiseln. Doch wir haben keine Zeit (oder
doch eher das falsche Boot dabei?). Weiter geht es über den legendären
Favoritentöter, ein ziemlich hohes und für Ersttäter sehr eindrucksvolles
Wehr durch mehrere schluchtartige Abschnitte gen Ausstieg. Ziemlich kalt und
mit schmerzendem Gesäß, denn wir machten auf der für eingefleischte
Wildwasserfahrer gewaltigen Strecke von 15 Kilometern nicht eine Pause, erreichen
wir unser Ziel, die Drei-Seelen-Stadt Hammer. Hier steht zum Glück unser
Auto. Wir ziehen uns um und schwupps, es ist dunkel. Eine halbe Stunde später
erreichen wir erneut den Einstieg, wo es sich Tobi mit einem Schlafsack in einer
Bushaltestelle gemütlich gemacht hat. Wir lassen den erlebnisreichen Tag
mit einem sehr merkwürdigen (und sehr teuren) Döner ausklingen.

Zicke
 
Schöne Bäche in der Eifel:
Elzbach:
Fahrstrecke: Von Monreal bis zum Elzbachfall am Fuße der Burg Pyrmont,
ca. 20,5 Kilometer.
Beschreibung: Netter Wald und Wiesenbach mit vielen Wehren, aber auch schönen
natürlichen Stufen und einer netten Klamm in der Mitte. Bei Hochwasser
gibt es am Ende der Klamm ´ne geile Stufe mit fettem Loch. Wer es also
drauf anlegt auch im Winter kräftig nass zu werden, der fahre auf jeden
Fall mittig! Vorsichtig in die Klamm einfahren, könnten Bäume drin
liegen.
Am Ende der Strecke netter Wasserfall, ca. acht Meter hoch, bei HW rechts fahrbar,
bei wenig Wasser links.
Restaurant am Ausstieg!
Pegel: Ab einem Pegel der Ahr in Müsch von 75cm. (Internetpegel: www.kanu-nrw.de)
Alfbach:
Fahrstrecke: Bei viel Wasser ab Brücke in Strohn, ansonsten weiter unten,
je nach Wasser. Fahrbar bis Straßenbrücke Niederscheidweiler
Beschreibung: Anfangs sehr schmales Flussbett mit relativ viel Gefälle
und kleinen Stufen. Weiter unten wird das Bachbett breiter, viele Bäume
liegen quer im Bach, nette Stufen und einige Wehre machen Freude.
Pegel: Ab einem Pegel der Ahr in Müsch von 105cm (Internetpegel: www.kanu-nrw.de)
Endertbach:
Fahrstrecke: Normalerweise fahrbar von der Straßenbrücke Müllenbach-Alflen
bis 2 Kilometer vor die Mündung in die Mosel. Da wir jedoch zu wenig Wasser
hatten, folgt eine Beschreibung später.
Aber: Auch bei wenig Wasser geht der Endertbachfall, ca. 6 Meter hoch und Garant
für Fundrenalin.
Den Endertfall erreicht man, wenn man von der Straße Müllenbach-Alflen
die zweite Straße Richtung Kloster Maria Mariental fährt. Vor einer
Brücke links Wanderweg Richtung Kloster, rechts nach der Brücke Parkplatz.
(Internetpegel: www.kanu-nrw.de)
Rur:
Fahrstrecke: Von der Brücke Reichenstein bis Hammer ca. 15 Kilometer.
Beschreibung: Netter Bach mit anfangs vielen Naturstufen und Schwällen.
Erinnert an echtes alpines Wildwasser. Ab Monschau landschaftlich schön,
aber nicht mehr so sportlich.
Pegel: Fahrbar ab 30 cm in Dedenborn (Internetpegel: www.kanu-nrw.de)
by Christian Zicke
Bilder by Zicke&Friends, Kanu-Wild.de
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