Großes Vorspiel eines großen Flusses - Grundache und oberste Brandenberger Ache
- Wenn im Frühjahr der Schnee zwischen Risser Kogel und Rotwand anfängt zu schmelzen, ist die Zeit für eine Befahrung des obersten Oberlaufs der Brandenberger Ache, die hier noch Grundache heißt, gekommen. Trotzdem wird dieser landschaftlich außerordentlich schöne Flussabschnitt relativ selten befahren. Dies liegt vor allem daran, dass die Einsatzstelle von Kramsach aus nur mit einem 40 km langen Umweg über den Achenpass, Rottach-Egern und die mautpflichtige Straße durchs Rottachtal zu erreichen ist.
Der Zusammenfluss von Roter und Weißer Valepp bildet den Ausgangspunkt der Fahrt. Der Parkplatz beim Forsthaus Valepp gehört zu einer Gaststätte und sollte, wenn überhaupt, nur nach vorheriger Rücksprache mit dem Wirt benutzt werden. Von einem Hügel am linken Ufer aus grüßt eine Kapelle den Paddler. Sie markiert zugleich den ersten Durchbruch der Ache. An dieser Stelle befand sich von etwa 1500 bis 1833 die sogenannte Kaiserklause. Diese Staumauer entstand, um Holz, das in den umliegenden Wäldern für den Bergbau im Inntal geschlagen wurde, auf der Ache bis Kramsach transportieren zu können. Erst 1972 wurde die Holztrift endgültig eingestellt. Geblieben sind die Triftsteige, die uns heute das bequeme Umtragen oder Besichtigen der schwierigen Klammabschnitte im Unterlauf ermöglichen.
 Wehr kurz nach dem Einsatz
An der Stelle der Klause, die aus Holzstämmen und Felssteinen gebaut war, befindet sich heute ein etwa sechs Meter hohes Betonwehr, das man, je nach Wasserstand, befahren oder links umtragen kann. Danach beginnt die Schluchtstrecke. Auf beiden Flussseiten steigen steile, mit Latschenkiefern bestandene und wild zerklüftete Hänge empor. Bizarre Felstürme und vom Schluchtrand herabgischtende Wasserfälle ergänzen diese beeindruckende Szenerie. Derweilen sorgen muntere Schwälle für den nötigen Vortrieb. Bis auf einige angespülte Felswände und das eine oder andere Baumhindernis sind allerdings zunächst kaum wildwassertechnische Probleme vorhanden.
 Leichtes Wildwasser vor beeindruckender Kulisse
 Es bleibt immer Zeit, sich ein wenig umzusehen
 Achtung bei angespülten Felswänden
Im unteren Teil der Schlucht steigen die Schwierigkeiten etwas an. Nach ungefähr drei Kilometern nimmt das Gefälle plötzlich sprunghaft zu. Auf 200 Metern folgt die schwerste Passagen der Grundache. Bei gutem Wasserstand ist dieser stark verblockte Katarakt ein satter Vierer. Notfalls lässt er sich jedoch gut, wenngleich etwas beschwerlich umtragen.
 Einfahrt in den Katarakt
 Ausfahrt aus dem Katarakt
Wenig später weitet sich das Flussbett und mit ruhiger Strömung fließt die Ache in den verlandeten Stausee der Erzherzog-Johann-Klause. Sie diente ab 1833 als Ersatz für die oberhalb gelegene Kaiserklause. 1934 wurde die ursprünglich aus Holz errichte Mauer durch einen Neubau aus Beton ersetzt. Zur Zeit der Trift wurde das Wasser bis zur Oberkante der Klause aufgestaut. Anschließend öffnete man die Schlagtore in der Mauer und erzeugte auf diese Weise ein künstliches Hochwasser, mit dem hunderte Baumstämme auf einmal den Fluss hinabgespült werden konnten. Heute steht die Erzherzog-Johann-Klause unter Denkmalsschutz.
Das Wehr der Klause lässt sich ohne Probleme in der Mitte befahren. Allerdings fließt ein Teil des Wassers seitlich durch zwei siphonartige Durchlässe. Eine Besichtigung von der darüber liegenden Brücke ist daher anzuraten. Im Zweifelsfall sollte die Klause links umtragen werden.
 Die Staumauer der Erzherzog-Johann-Klause
Ab der Erzherzog-Johann-Klause heißt der Fluss Brandenberger Ache. Auf den nächsten Kilometern geht es erneut auf leichtem Wildwasser durch eine sehenswerte Schlucht. Auch der aus der linken Felswand herausgesprengte Forstweg vermag diese Naturkulisse nur geringfügig zu stören. Wenn der Weg vom linken auf das rechte Ufer wechselt und sich allmählich vom Fluss entfernt, sollten weniger sattelfeste Paddler ihre Boote verlassen, da bald darauf die sehr schwierige Kaiserklamm beginnt. Unter günstigen Bedingungen lässt sich die Ache von Valepp bis Kramsach ohne eine einzige Umtragung befahren. Hierfür sind allerdings mindestens sechs Stunden Fahrtzeit einzukalkulieren.
Kurzinfo Valepp: Einsatz: am Zusammenfluss von Roter und Weißer Valepp. Aussatz: wahlweise an der Brücke vor der Kaiserklamm oder in Mariathal Fahrtstrecke: 10 Kilometer, bei Weiterfahrt bis zum Pegel 26 Kilometer Pegel: Mariathal, mindestens 80 cm, 100 cm sind optimal Charakter: Mit Ausnahme eines kurzen Katarakts leichte, größtenteils gering verblockte Schwälle in einer weglosen wildromantischen Schlucht. Schwierigkeiten: WW II / 2 / C (III-IV / 3 / C) Besonderheiten: vereinzelt angespülte Felswände; Holzversperrungen möglich; gefährliche, von oben her schwer erkennbare Durchlässe in der Staumauer der Erzherzog-Johann-Klause
Text: Nils Kagel Fotos: Benjamin Mauracher / Nils Kagel
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