Paddler gegen Wasserkraft

Autor: MPE alias Martina
22.06.2015
0 / 0

Vom 04.-07.06.2015 fand im Stubaital in Österreich das Kajakfestival Tirol statt. Veranstaltet von Bernhard Steidl und Team, ins Leben gerufen hauptsächlich, um den dortigen Bach Ruetz (gesprochen wie man es schreibt, nicht Rütz!) vor der totalen Ableitung zu bewahren und zu demonstrieren, dass wir Paddler uns nicht unser Wasser abgraben lassen. Soulboater-Reporterin Martina ist hingefahren und hat mitgemacht:

Auf dem Festivalgelände am Kampler See waren zahlreiche Hersteller vertreten: Unter anderem auch die Firmen Lettmann, Prijon Kajaks und Paddel, Exo Kayaks, Waka Kayaks, Spade, Astral, AT Paddles, Langer, Dagger und Kober – eine ganze Menge Firmen, die natürlich auch in eigenem Interesse auftraten und ihr Material zum Testen zur Verfügung stellten.

 

  • Der Campingplatz in Neustift füllte sich zusehends mit Paddlern.

    Am Tag 1 stand schon Einiges auf dem Festivalprogramm:

    Im Testcenter am Kampler Badesee und auf den diversen Flussabschnitten der Ruetz konnten Produktneuheiten der anwesenden Hersteller in der Praxis getestet werden. Dies dann im Übrigen an jedem weiteren Festivaltag.

    Im Campzelt von S2S konnte man sich gleich zum Boatercross oder der Tiroler Kanumeisterschaft anmelden oder sich gleich mal einfach so ein Festival-T-Shirt oder den Festival-Aufkleber besorgen.

    Nachmittags startete der Boatercross auf der mittleren Ruetz – nachdem ich die Strecke aber mittags schon gefahren war, und dabei ausgerechnet auf den letzten 20 Metern der Boatercross-Strecke umtragen hatte, weil ich aus der Schnappatmung nicht mehr heraus kam, stand für mich schon fest, dass dieser Teil und auch die Kanumeisterschaft ohne mich stattfinden würden. Gleichzeitig reizte mich aber das Rafting-Angebot für die gleiche Strecke. Doch dazu kam es dann erst am Sonntag.

    Der Boatercross war bei dem an diesem Tag schon relativ hohen Wasserstand eine Herausforderung für fast alle Teilnehmer/innen. Schon beim Start – 3 Meter die steile, steinige oder astreiche Böschung hinunter – fielen teilweise Vorentscheidungen. Die Strecke, wenn auch kurz, dafür aber um so wuchtiger, konnte dann auch richtig Zeit kosten, wenn man die zahlreichen Walzen nicht schlau vermied und den schnellsten Weg fand. Dazu kamen ja auch noch die Zweikämpfe mit den anderen Teilnehmern – für die Zuschauer auch eine spannende Sache.

    Wer wollte, konnte mal SUP-Yoga ausprobieren und abends startete dann der Grillabend am Kampler See.

    Am Tag 2 startete das gleiche Programm, sozusagen Freies Paddeln im und um das Stubaital herum, Testen, was das Zeug hält...

    Um 16:00 Uhr ging es dann zum wichtigsten Punkt, der Demo auf der Ruetz – Strecke von Neustift zum Kampler See – wildwassertechnisch deutlich einfacher als die Boatercross-Strecke, aber nichtsdestotrotz auch aufgrund des Wasserstandes durchaus nicht ohne Reiz.

    Es kam viel Presse und sogar das Fernsehen, um über die Demo zu berichten. Gefühlte 500 Paddler (real ca. 100) versammelten sich bei 35 Grad im Schatten am Einstieg und zwei Rafts suchten Mitfahrer – die Gelegenheit konnte ich mir schon mal nicht entgehen lassen, zumal man im Raft sitzend deutlich einfacher protestieren kann – mit Plakat oder per Pfeifkonzert.

    Anschließend folgte die Protestkundgebung am Kampler See mit Stellungnahmen von Bernhard Steidl, Luis Töchterle, dem Experten in Sachen Wilde Wasser Weg,

     und dem Manager des Tourismusverbandes, Matthias Müller. Man kann nur hoffen, dass die Reden manche zum Nachdenken bringen – denn ohne Wasser auch kein Grawa-Wasserfall mit dem Wilde Wasser Weg, eine der neuesten Touristenattraktionen im Stubaital - sehr beeindruckend, hier sind die Fotos vom Wasserfall, wenn er mal richtig Wasser hat, wie beim Festival:

    Und Paddler, die ja immerhin auch für Umsatz in Restaurants, Campingplätzen, Pensionen und sonstigen Geschäften sorgen, gäbe es dann mit Sicherheit auch nicht mehr.

    Abends folgte dann passend ein Filmabend mit Olaf Obsommer, der unter anderem seinen – gekürzten – Bike-to-Boat-Film zeigte, den auch schon bekannten Canyoning-Film mit dem „irren“ Schweizer Warren Verboom, den Film über Paddeln in Mexiko auf der Suche nach dem Flußgott und ganz am Ende folgte der Film „Damnation“, eine amerikanische Produktion, die zeigt, dass je nach politischer Ausgangslage Staudämme auch schon mal demontiert statt neu gebaut werden. Und das nicht nur, um die Angler mit neuem Lachs zu versorgen...

    Am Tag 3 gab es wieder das Programm des vorhergehenden Tages mit Materialtests und Freiem Paddeln, gekrönt von der Tiroler Kanumeisterschaft, bei der zwei Strecken gefahren wurden: Der obere Teil von Neustift bis zum Kampler See und ab da bis zum Ende der Boatercross-Strecke.

    Am Abend fand dann die Siegerehrung für beide Wettkämpfe statt.

    Beim Boatercross sahen die Ergebnisse bei den Herren so aus:

    1. Andi Bormann

    2. Luca Dapra

    3. Andi Brunner

    4. Bernie Steidl

    5. Andi (Andi) Hauberländer

    6. Fabian Janzen

    Im Bild unten von rechts nach links...

    Bei den Frauen:

    1. Natascha Bammert (Mitte)

    2. Magda Steixner (rechts)

    3. Marieke Vogt (links)

    4. Anne Stevens

    Für die Teilnehmer von allen Wettbewerben gab es bei der Tombola noch schöne Preise zu gewinnen – vom Paddel und Schwimmweste bis zum Karabiner und Käppi - und anschließend stieg die Boater's Party mit der Truppe Jimmy and the Goofballs – die nach Hörensagen auch richtig Stimmung machten.

    Am letzten Tag schließlich konnte man noch einmal ausführlich alles verfügbare Material testen und hier kam ich endlich auch zu meiner Raft-Tour auf der Ruetz.

    Schön lange Strecke von Neustift bis Telfes inklusive der Boatercross-Strecke, die sich im Raft völlig anders anfühlte als im Kajak. Schon die Tatsache, dass man eher zum Motordasein verdonnert ist und sich irgendwie fremdgesteuert fühlt, fand ich jetzt mal etwas beunruhigend. Zudem bügelt man doch nicht so komplett alles mit dem Teil platt, wie ich immer gedacht habe.

    Hat viel Spaß gemacht, das Raften, auch wenn ich das Einzelkämpfer-Dasein im Kajak immer noch vorziehe – denn: Auf's Wort gehorchen war irgendwie noch nie mein Ding.... ;o))

    Wer sich den Grawa-Wasserfall und den Wilde-Wasser-Weg noch nicht angesehen hatte, konnte eine geführte Wanderung mitmachen und sich die Entstehung der Ruetz und des dortigen Wildwassers vom erklärten Fachmann Luis Töchterle vortragen lassen.

    Fazit: Das Kajakfestival war einwandfrei ein tolles Erlebnis und gleichzeitig ein deutliches Zeichen gegen die Verbauung und Zerstörung unserer Wildbäche. Super organisiert von Bernie Steidl und seinem Team. Dazu auch noch Kaiserwetter – sowas könnte es öfter geben!

    Voriger Artikel

    Initiative: Save the Rivers

    Nächster Artikel

    "Paddeln" ohne Paddel

    Kommentare