Kayaksurfing in Cornwall und Wales -Teil 1: Cornwall (England)

Autor: Uwe
11.03.2008
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Kayaksurfing in Cornwall und Wales -Teil 1: Cornwall (England)


 - Wer mitsamt seinem Auto und seinem Kayak- oder Surfstuff von Mitteleuropa aus möglichst schnell an den Ozean will, fährt zumeist nach Frankreich, seltener nach Nordspanien. Ganz zu schweigen, dass man sich die Drei-Tages-Tour nach Portugal allzu oft antun möchte.


Bei allen drei Möglichkeiten wird der automobile Paddler Opfer der modernen Wegelagerei in Form von Mautstationen.

Was lag da näher, als 2007 mit einem Trip auf die Insel der "VW-Surfer-Bullys", Großbritannien zu liebäugeln um endlich einmal neue Küsten zu entdecken.


Ein Blick auf die Karte zeigte: über Belgien geht es ganz ohne Mautgebühren auf "die Insel" (leider ab 2008 leider auch in Belgien Maut) und selbst in UK ist man dann, abgesehen von Brückenzöllen günstig und vor allem sehr zügig an vielen der wunderschönen atlantischen Wave- und Gezeiten-Spots. Die Insel bietet ein hervorragend ausgebautes Autobahn- und Kraftfahrstraßennetz, ebenso viele Campingplätze.


Blieb also nur der Kostenfaktor Fährüberfahrt und der Angstfaktor Linksfahren, wenn man einmal vom typisch britischen Wetter-Lotteriespiel absah:


1) Fähre:

wer bei aferry.de (http://www.aferry.de/fähre-nach-england.htm) die Preise der Hauptanbieter vergleicht (P&O Ferries, Seafrance, Norfolk Line, LD Lines oder Eurotunnel) landet schnell bei bei der sehr günstigen und höchst modernen Norfolk Line, einer Reederei von Maersk, die jedoch eine halbe Stunde länger nach Dover braucht als die anderen, da der Heimathafen auf dem Festland ein paar km nordöstlich von Calais, bei Dunkerque liegt.


Wenn man z.B. bei Norfolk frühzeitig fest die Hin- und Rückreise bucht (http://www.norfolkline-ferries.co.uk/DE) und auch mal in den frühen Morgenstunden bereit ist aufs Schiff zu gehen, zahlt man so gut wie nichts für die gesamten 3h Hin- und Rückfahrt.

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England-Fähre der Norfolk-Line im Hafen von Dunkerque


2) Autofahren in Großbritannien:


Links fahren ist leichter als man glaubt, einfach alles im Kopf spiegeln.

Alle die es schon mal gemacht haben hatten zwar irgendwann mal ein Falschfahr-Aha-Erlebnis: aber das ist meist dann, wenn man auf einer kleinen Straße ohne Mittelstreifen unterwegs ist, oder wenn man nach längerer Zeit mal von einem Parkplatz herunter fährt und noch mit geringer Geschwindigkeit unterwegs ist.

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Links fahren? Kein Problem auf gut ausgebauten Schnellstraßen und Autobahnen, die wahnsinnige Anzahl der alten getunten VW Surf Bully's ist nur aufgrund der laxen "Tüv-Vorschriften" erklärbar.


Viele Küstenstraßen sowohl an Ost, als auch Westküste sind extrem schmal und führen durch, direkt am Straßenrand senkrecht beschnittene Hecken und Gebüsch, so daß Womos und Vans zum verkratzen neigen und ab und zu die Spiegel einklappen müssen.


Wer einen modernen PKW hat kann seinen Digitaltacho im Handumdrehen auf Meilen umstellen, ansonsten empfiehlt es sich eine Umrechnungstabelle für die wichtigsten Limits zu lernen, denn Blitzer gibt es auch hier, jedoch meist gelb angestrichen und mit Warnschildern rechtzeitig angekündigt.

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Style is everything: Surfmobil im Surfmekka Newquay


Spots:

wer in Großbritannien auf die Suche nach der besten Welle geht hat abgesehen von den Inseln (einschl. Nordirland), die sich vor der Küste erstrecken 3 Möglichkeiten: Im Süden erstreckt sich südlich des Bristo-Channels und nordwestlich des Ärmelkanals Cornwall mitten in den Atlantik, South-West Wales bietet ebenso noch eine gute Welle, aber v.a. die großartigsten Gezeitenströme. Dann findet der Surfer erst wieder gute Spots nördlich des Wellenschattens durch Irland, das heißt im Norden der Schottischen Highlands, wo es für kältefeste Surfpros auch Weltcup Surf Turniere ("Highland Open") gibt.


Da die Statistik an Pfingsten für einen Besuch der Insel beste Wetterprognosen vorraussagte rechneten wir nicht mit Temperaturen um 4 Grad bei gleichzeitigem Regen, Frost und Sturmwarnungen, aber auch in Deutschland spielte das Wetter ja verrückt und nur ein paar Wochen nach unserer Abreise waren weite Teile der Ostküste überschwemmt, so dass wir mit unserem Wetter noch gut bedient waren.

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Cornwall bietet für beinahe jede Wind und Wellenrichtung schnell zu erreichende optimale Strände. Man muß ähnlich der bretonischen oder spanischen Atlantikküste nur wissen wo sie zwischen den Klippen liegen.


Unserer erste Route führte uns nach einem kurzen Ostküstenabstecher und Vorab-Visite in der Londoner City nach Cornwall. Eine Gegend, die nicht nur aufgrund der Normannischen Invasion der Normandie und der Bretagne zum verwechseln ähnlich sieht. Nicht nur die Kirchen und Städte ähneln sich, auch die Namensgleichheit verwundert. So ist der St-Michaels Mount in der Bucht von Pennzance sicherlich dem Mont St. Michel in Frankreich nachempfunden.


Nach ersten Campingversuchen und Bed and Breakfast-Test bei regnerischen 7 Beaufort Sturm und entsprechender Kälte entschieden wir uns gegen das ursprünglich geplante Tages-Nomadentum und mieteten für eine Woche einen Wohnwagen mit Heizung in der St-Yves Bay als Basisstation.

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Ankunft in der Carbis Bay nahe St. Yves - Altlantik pur bei Sturm und peitschendem Regen

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Cornwalls Atlantikküste ist geprägt von langen Klippenabschnitten und vereinzelten Buchten. Die Kunst ist es jeweils den richtigen Spot für die richtigen Wind, Wellen und Gezeitenverhältnisse zu finden. Da Cornwall aber eine Halbinsel ist und sehr kurze Wegzeiten von der Nord- zu Südküste bietet ist es ein optimales Surfrevier.

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Dünencampen in Hayle: schon beim Frühstück wissen wie der Swell ist und keine Pakgebühren zahlen! Hier der Blick von the Towans in die St. Yves Bay Richtung Gwithian, wo die meisten Surfer und auch viele Kanuten anzutreffen sind. Dort ist auch eine Surfschule. Vorsicht: in Gwithian sind viele Riffs unter der Brandung zu finden, die erst bei Ebbe ersichtlich werden.

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Die Bucht bietet vor allem bei Ebbe einen sehr weitläufigen Sandstrand und optimale Surfbedingungen, bei Flut geht das Wasser an einigen Stellen bis an die Klippen, sodaß die Brandung reflektiert wird.

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Der Strand von Gwithian mit Blick nach Hayle.

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Playboater am Strand von Gwithian.

In der Saison optimale Sicherheit durch die typisch britischen Lifeguards mit Seadoo's (siehe Hintergrund). Beflackte Surf-Zonen müssen penibel eingehalten werden, aber dennoch ist jede Menge Raum vorhanden. Und vor allem gab es hier während des Urlaubs nie Streit zwischen Kanuten und Surfern im Kampf um die beste Welle. Nirgends an der französischen Atlantikküste sah ich zudem soviele Kanuten wie an Groß Britanniens Westküste.

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Die Wellen von Gwithian spülen über diverse Riffe, am besten bei Ebbe besichtigen oder die Guards fragen.

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Surfer bei Gwithian, St. Yves Bay

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Hayle Stadt: hier ist alles zwar etwas dreckiger, sportlicher, bevölkerter, aber auch natürlicher, billiger und jugendlicher als in St.Yves. Und nach dem Surf unbedingt noch mit dem Skateboard in die Betonpoollandschaft! Flutlicht garantiert lang anhaltendes Vergnügen. Die Szene-Kneipe "Bucket of Blood" ist nur 300m entfernt.

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In Hayle gibt es außer dem Skatepark und einem Surfshop auch einen KajakClub, dessen Mitglieder mit Surfskis und Sitontops ausgerüstet meist abends aus der Hafeneinfahrt raus in die Bucht paddeln.


Da durch die Hafeneinfahrt und die dahinterliegenden "Salinen"-artigen Seen riesige Mengen Meerwasser strömen entwickelt sich bei Ebbe in der Einfahrt auch manchmal mit der Dünung zusammen eine stehende Welle. Aber Vorsicht mit der Strömung. Die Liefeguards überwachen diesen Abschnitt besonders stark.

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Südküsten Wave Spot: "Praa Sands" ist ein abgelegener Strand zwischen Marazion und Porthleven am Ärmelkanalausgang, der jedoch bei Südwest-Swell rein theoretisch über 11000km !! Wellenanlauf aus Richtung Antarktis möglich macht.

Im Gegensatz zur Long Rock Bucht sind hier viele große Steine mit dem Sand vermischt und es handelt sich um einen Beachbreak, dh. Einen sehr steilen Sandstrand mit starker Unterströmung. Der Strandparkplatz ist aufgrund abgelegener Lage relativ preiswert und die Lifeguards gut ausgerüstet.

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Kitesurfer bei Südwestwind vor St. Michael's Mount (Long Rock) in der Bucht von Pennzance. Die Burg an sich ist wesentlich kleiner als ihr Pendant in Frankreich, aber der exotische Garten ist ein Traum. Wellen entwickeln sich hier aufgrund der geschützten Lage nie besonders, dazu ist die Bucht sehr flach und relativ feinsandig. Keine Lifeguards stationiert.

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Nordwestküsten Spot: Wer es turbulent liebt, für den ist "Newquay" im Norden Cornwalls genau richtig. Durch die einzigartige Bucht der Stadt bildete sich hier so etwas wie ein nachträglich ausgebautes "Surfodrom". Newquay ist regelmäßger Austragungsort von Surfwettkämpfen. In der Hochsaison ist jedes zehnte Auto ein VW-Bus und das Nachtleben passt sich dem Tourismus an. Wer gerne vor vollen Rängen bluntet muss hierher.


Auch zwischen Hayle und Newquay gibt es hübsche kleine Surferstädchen, wie z.B. Portreath, Porthtowan, St. Agnes und Perranporth mit manchmal kleinen, manchmal größeren Buchten und Sandstränden.

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British Black Humor: der Fish in St. Agnes schmeckt zwar nicht schlecht, aber weiße Haie haben sich hierher noch nicht verirrt. Die unterschätzten Gefahren des Nordatlantiks sind wie immer Strömung, ablandiger Wind und das kalte Wasser.

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Landsend: Ein jeder kennt es noch aus dem Englischunterricht, aber ein Besuch lohnt sich, auch wenn es ein überfüllter Toristenmagnet ist, denn auf dem schönen Küstenpfad wird schon nach wenigen Minuten Fußmarsches ruhiger.

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Und man sieht Stille Zeugen der Meeresgewalten, wie dieser ehemalige Hamburger Frachter oder man konzentriert sich auf die Vielfalt der Flora und Fauna.


Schon nach ca. 30 min nördlich von Landsend sahen wir nahe der Steilküste zwei Basking Sharks (Riesenhaie) mit etwa 6m Größe majestätisch das Wasser Richtung Norden nach Plankton zu durchpflügen. Diese Pflanzenfresser werden bis zu 8m lang und kommen auch in der Nordsee vor.

Ich sprach danach mit einem Beobachter vom WWF, der mir die Sichtung bestätigte. Da meine Kamera kein ausreichendes Teleobjektiv hat, kann man nur erahnen wie nahe eine Seekayaker Gruppe an den friedlichen Haien vorbeipaddelte ohne diese zu sehen. Die Sichtung dieser Meeresriesen ist gerade in Landsend kein Einzelfall.

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Wegen meines schlechten Bildmaterials, das ich hier nur ungern einstelle bat ich Kevin Mansell von seapaddler.co.uk mir einmal 2 Fotos dieser Tiere zur Verfügung zu stellen. Danke für deine Hilfe, Kevin!

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Für Einheimische Seakayaker schon fast Routine: Riesenhai vor britischer Küste (copyright by seapaddler.co.uk, special thanks to Kevin M.)

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Sharkwatching: (copyright seapaddler.co.uk , our special thanks to Kevin)

Wenn man die majestätischen Basking Sharks erst einmal gesehen hat schaut man beim Warten auf die Dünungsbrandung doppelt genau ins Wasser. Ich gebe zu ich erschrak noch Tage danach, als eine Robbe bis auf 10m an mich heran schwamm, aber die sogenannten "Seals "sind wie auch die Kegelrobben der Nordsee einfach nur neugierig.

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Alles in allem bietet Cornwall tolle Optionen für einen Urlaub, auch in den Städten, Dörfern und im Hinterland, dennoch wurde unser Cornwalltrip unter anderem auch aufgrund des besseren Wetters dann nochmals getoppt von der großartigen Küste in Pembrokeshire / Wales und den starkumströmten "Bitches" Riffen.


Dazu mehr in Teil 2 des Berichts



Text und Fotos: Uwe, 2007

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