Wir bauen uns eine Spielwalze

Autor: Team Playspotbau
05.08.2017
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 - Viele Paddler fahren viele Kilometer mit dem Auto, um an einem der wenigen bekannten und oft auch noch überlaufenen Playspots wenige Stunden Spass im Boot zu haben. Dabei ist es ganz einfach und ohne grossen Aufwand möglich, auch an unscheinbaren Wald- und Wiesenbächen eine Spielstelle einzurichten. Bevor ihr jetzt aber beginnt, in Naturschutzgebieten ganze Flussauen umzugraben, informiert euch bitte vorher über die gesetzlichen Vorschriften der Gewässernutzung und haltet die Regeln ein. Wir stellen in unserer Serie über Playspotbau nur die Techniken des Walzen-und Wellenbaus anhand von einigen Beispielen aus der Praxis vor. Falls jemand auf die Idee kommen sollte, ähnliches zu machen, übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung für möglicherweise auftretende Schwierigkeiten mit Behörden oder Grundeigentümern.

Wir bauen uns eine Walze
Serie über Selbsthilfe im Flachland Teil1

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Spots wie Plattling und künstliche Wildwasserkanäle wie in Markkleeberg lassen sich leider noch nicht so einfach aus der Tasche zaubern, aber wer mit einer  kleineren Version vor seiner Haustür seine Freizeit verwässern möchte hat, wenn er nicht gerade Niederländer ist, meist ganz gute Karten.
Am einfachsten lassen sich bereits vorhandene Kleinschwälle zu hungrigen Bootsfressern oder spinfähigen Wellen aufmöbeln. Dabei werden die meisten darauf angewiesen sein, alles schnell auf- und wieder abbauen zu können. Eine der Ideen, welche sich in der Praxis am besten bewährt hat, ist die


Pfosten-Latten-Planenbahn-Methode


Dafür brauchst du entweder eine belastbare Kante im Bachbett oder du musst ein Seil über den Fluss spannen, denn als ersten Schritt stellst du Pfosten im Fluss auf. Die Pfosten sollten mindestens armdick sein und lassen sich am besten und schnellsten mit der Axt herstellen.


Von beiden Ufern setzt du Pfostenreihen mit ca. einem Meter Abstand bis zu der von dir gewünschten Durchlassbreite in der Mitte. Als nächstes lässt du eine Querlattung vor die Pfosten treiben. Der Wasserdruck reicht vollkommen aus, um alles zu fixieren. Die Latten sollten über zwei Meter Länge haben, um vor drei Pfosten liegen zu können und nicht zu dick sein, damit sie sich anpassen (ideal sind alte Vertäfelungsbretter, aber lange Äste gehen auch).

Als letztes faltest du aus einer PE-Gewebeplane eine Bahn, deren angeströmte Seite aufwärts zeigt und rollst sie möglichst eng zusammen. Dann beginnst du vom Ufer aus, die Plane vor der Querlattung zur Mitte abzuwickeln, wobei dir die Strömung behilflich ist.

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Wenn du gut kalkuliert hast, reicht die Länge der Bahn aus, wenn nicht, wird lediglich die Verschneidung nicht so scharf. Ist die andere Seite auch fertig, staut sich das Wasser noch höher und die Oberkante lässt sich vorsichtig weiter erhöhen, vorausgesetzt die Plane reicht. Und schon kann das Playboaten losgehen.

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Aber erst mal muss das Unkraut im Kies entfernt werden .

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Toby wheelt auch gerne ohne das lästige Paddel 

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Bei Hochwasser im Winter sieht es anders aus - dann müssen die Pfosten sitzen.  

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Das Holz kann man später am besten in einer Schlinge am Fluss oder auch unter Wasser lagern – es dürfte wohl wenig Begehrlichkeiten wecken und wäre in der Summe ein ziemlicher Schwertransport.


Ein großer Vorteil der Methode ist die Möglichkeit, eine Walze nach Wunsch einzustellen.  Hauptsächlich der Eintauchwinkel  der Strömung bestimmt den Charakter der Walze: Ist er steiler, hält sie stärker, ist er flacher, strömt sie schneller ab.

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Weil sich der Winkel  aus Wassergeschwindigkeit und Höhenunterschied am Abfall ergibt,  kannst du beides aufeinander abstimmen, indem Du die Durchlassbreite in der Mitte variierst. Zwar ist die Beschleunigung des Wassers an der Stufe aus physikalischen Gründen  ausschließlich vom Höhenunterschied abhängig (wenn man Reibungs- und Turbulenzverluste  ignoriert), aber es ist für den Eintauchwinkel bedeutsam, wie viel Beschleunigungskraft durch die Struktur der Kante oder Rampe und durch die Schichtdicke des Wassers horizontal (also „nach vorne“) abgelenkt wird.

Je enger der Durchlass, desto höher staut sich das Oberwasser auf und fließt deshalb vor dem Abfall langsamer, stürzt steiler und hält stärker. Bei Hochwasser  lässt die höhere Anströmgeschwindigkeit  und Schichtdicke das Wasser flacher eintauchen und müsste höher gestaut werden um ebenso gut in der Walze zu halten, allerdings ist das je nach Bach eher ein Prestigeprojekt für Wahnsinnige :-)

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