Gefahren für Paddler in Ex-Jugoslawien

Autor: Jan-Peter
21.06.2018
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Fünf Jahre ist es jetzt her, dass der in der Wildwasserszene sehr bekannte Paddler Winfried Trümper auf der Una in Bosnien-Herzegowina tödlich verunglückte.

Da sich gerade in diesen Tagen zu Beginn der Sommerferien viele Kanuvereine mit teilweise ahnungslosen Padlern in den Urlaub auf machen, soll dieser Bericht nicht nur als Erinnerung an unseren "Sir Winfried" sondern auch als allgemeine Warnung vor den Gefahren vor Soca und Co noch einmal veröffentlicht werden.

Die Karstflüsse in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens bergen Gefahren, die kaum einem Paddler wirklich bekannt sind und in den allermeisten Flussbeschreibungen und Flussführern deshalb nicht genannt werden.

Dabei handelt es sich um absolut lebensgefährliche und gleichzeitig vollkommen harmlos aussehende Flussabschnitte, die gerade in den leichteren von Kanuanfängern befahrenen Strecken eine tödliche Gefahr darstellen: Die Tuffabfälle in Flüssen wie Una oder Korana und auch die Siphons auf bekannten Wildwasserstrecken wie der Soca und den Saven.

Aufgrund eines Unfalls, der vor wenigen Wochen den routinierten und bekannten Norddeutschen Kajakfahrer Winfried Trümper das Leben kostete, möchte seine Mitpaddlerin mit ihrem Bericht über die Ereignisse informieren und auf die außerordentlichen Gefahren hinweisen, vor allem aber alle Wildwasserkanuten warnen:


Am 1.5.13 besichtigten wir die Schlucht auf der Una bei Strbacki Bug (Wasserfall) und wählten dem hohen Wasserstand entsprechend den sicheren Einstieg.

Die Schluchtstrecke hat Drop und Pool Charakter etwa mit WW4 beginnend und stetig abnehmend. Einige Kilometer später nimmt das Gefälle und die Fließgeschwindigkeit deutlich ab.

Zahmwasser wechseln sich mit wie Wehrartigen Tuffstufen verschiedener Höhe ab. Ca. 12 Kilometer später kam eine höhere Stufe, an die wir langsam heranfuhren, Lars stieg zur Besichtigung aus und fuhr anschließend auf der rechten Seite, ich und Peter folgten. 

Winfried folgte erst unserer Richtung. Während ich paddelte, änderte er plötzlich seine Linie und fuhr in die Mitte.

Noch bevor er die Hauptstufe erreichte, wurde er mitsamt Kajak unter Wasser gezogen.

Ausrüstung, Gruppenkommunikation und insgesamt 90 Jahre Paddelerfahrung halfen uns nicht dies zu verhindern.

Wir mussten wenige Meter unterhalb von ihm hilflos zusehen.

 

Passanten am Ufer setzten einen Notruf ab. Kurze Zeit später trafen Rettungswagen und Polizei ein. Taucher wurden alarmiert die aufgrund des hohen Wasserstandes nicht eingreifen konnten.

So sollte es mehr als eine Woche dauern, bis Winfried und sein Material geborgen werden konnten.

Das Una- Kiro Raftingunternehmen hat uns betreut und kümmerte sich später um das Anbringen einer Erinnerungstafel.

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Umstehende Passanten versorgten uns mit Getränken und Anteilnahme - Ein Dank an all diese lieben Menschen denen wir solch eine schlimme Geschichte hinterlassen.

Jedes Jahr sind an diesem Bach Tote zu beklagen und an dieser Stelle ertrank zuletzt vor 2 Jahren eine Paddlerin.

Troslap heißt diese Stelle und ist im DKV Flussführer nicht erwähnt. Die Tuffstufen werden als einfach zu befahren dargestellt, was ja auch zutrifft, nur das diese so gefährlich sind, wird überhaupt nicht angesprochen. Die nächste Stelle heißt Dvoslap und man fährt diese links!

 Dort steht ein Schild, am Troslap wurde es Wochen zuvor vom Hochwasser weggespült.

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Die Tuffstufen sehen wie Wehre aus sind vermutlich aber alle grossräumig unterspült. Durch diese porösen Platten von wenigen Zentimetern bis mehreren Metern können sich auch Höhlen bilden.

Die, wie wir mitansehen mußten an einer völlig unscheinbaren kleinen Welle ein dickes Creekboot mit gut 300 Liter Volumen in die Tiefe ziehen können.

DIESE UNTERWASSERHÖHLEN SIND NICHT ERKENNBAR !!!!!

Erahnen könnte man es vielleicht an den verschiedenen Wassertiefen, die Platten schimmern dunkel durch.

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An dieser Stelle geschah das Unglück

Paßt auf Euch auf! Erzählt es weiter, informiert eure Paddelfreunde, die in diesen Gebieten ihren Wildwasserurlaub verbringen wollen, damit so etwas nie wieder passiert.

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