Welcher Helm für welchen Bach?

Autor: Jan-Peter
17.07.2015
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Vor einiger Zeit hatte ich in diesem Artikel Sinn und Unsinn des Tragens von Helmen beim Kajakfahren erörtert.

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In diesem Bericht, der auch in der Ausgabe 04/2011 der Zeitschrift "Kanu-Sport" veröffentlicht wurde, geht es nun um die Vor- und Nachteile von einzelnen Helmarten, die beim Wildwasserpaddeln genutzt werden:

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Integralhelm

Der Integralhelm stammt ursprünglich aus dem Motocrossbereich.

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Seine Vorteile liegen im sehr umfangreichen Kopf- und Gesichtsschutz durch den breiten Bügel vor dem Mundbereich und insgesamt sehr dicker Polsterung.

Die Vorteile werden aber zum gravierenden Nachteil, wenn der Paddler z.B. bei einem Schwimmunfall mit dem Gesicht länger im Wasser ist.

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Zwischen Gesichtsschutz, Mund und Nase kann das Wasser nicht abfliessen und zu akuten Atemproblemen führen.

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Das Polster der Helme kann sich voll Wasser saugen, was den Helm unnötig schwer werden lässt. Durch die dicke Polsterung und fehlende Belüftung kann es zu Hitzestaus kommen.

Insgesamt betrachtet sind Integralhelme nur sinnvoll für Experten beim Befahren von sehr steilem Wildwasser mit häufigem Steinkontakt, für Anfänger im offenen Wildwasser weisen sie dagegen sogar ein zusätzliches Gefahrenpotenzial auf.

Es gibt inzwischen auch speziell fürs Wildwasserpaddeln designte Integralhelme, die aber trotz Optimierung auf die Belange des Kajakfahrens grundsätzlich dieselben Stärken und Schwächen aufweisen.

Wettkampfhelme

Das Gegenteil zum Integralhelm bildet der vor allem im Slalomsport viel genutzte Wettkampfhelm. Seine Stärken sind das äusserst geringe Gewicht, das die Beweglichkeit und das Sichtfeld des Paddlers kaum einschränken.

Dafür ist auch die Schutzfunktion gegenüber Steinkontakten unter Wasser oder auch unbeabsichtigten Paddelschlägen durch die Mitpaddler im Eifer des Gefechts deutlich herabgesetzt.

Obwohl die Helme nach einer CE-Norm für Kanuwettkämpfe zugelassen sind, sollte man sich doch sehr gut überlegen, ob man einem derart dünnen „Helmchen“ sein Vertrauen auch ausserhalb von künstlichen Wildwasserstrecken mit abgerundeten und gepolsterten Hindernissen schenken mag.

Allroundhelme

Einen guten Kompromiss zwischen Sicherheit und Tragekomfort bieten die im Kanusporthandel von vielen Herstellern angebotenen Allroundwildwasserhelme.

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Es wird bei diesen Helmen zwischen den Varianten Halfcut und Fullcut unterschieden. Der Unterschied liegt dabei in der Abdeckung des Schläfen- und Ohrbereichs, was auch wiederum ein Sicherheitskriterium darstellen kann.

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Fullcuthelme haben den weiteren Vorteil, dass sich an ihnen ein Bügel anbringen lässt, der wiederum entweder nur den Mundbereich oder auch das ganze Gesicht schützen kann.

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Bei einem ähnlich guten Mundschutz wie beim Integralhelm ist bei dieser Version der grösste Vorteil, dass beim Schwimmen im Wildwasser sich kein Stau zwischen Mundschutz und Gesicht bilden kann und die Atmung dadurch weiterhin möglich ist.

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Sicherlich hält der Gedanke an den permanenten Blick durch ein engmaschiges Gitter viele Paddler davon ab, einen solchen Helm aufzusetzen.

„Partyhelme“

Aber meist sind es dann genau diese Paddler, die einen der coolen „Partyhelme“ tragen, die in ihrer Form einer amerikanischen Basballcap nachempfunden sind.

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Diese Helme bestechen durch bunte Farben, einen Blendschutz vor der Sonne und zumeist völlig fehlendem Gesichts- und Schläfenschutz.

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Sie werden in erster Linie von Freestylepaddlern am heimischen Playspot getragen, besitzen seit einiger Zeit sogar eine CE-Norm und gelten als „trendy“.

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Für schweres Wildwasser sind sie aufgrund ihrer Konstruktion grundsätzlich nicht geeignet, wohl aber aufgrund des Sonnenschutzes und der offenen Bauweise für Wandertouren und Kleinflussbefahrungen mit häufigem Kontakt mit tiefhängenden Ästen und niedrigen Brücken, an denen man sich den Kopf stossen kann.

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