Tao Berman – „Going Vertical“

Autor: Detlef Haase
29.12.2018
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Tao Berman – „Going Vertical“

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 - Die von Pam Withers verfasste Autobiografie Tao Berman´s habe ich in einem Rutsch durchgelesen, und stelle das Buch hier kurz vor, da es bisher nur in englischer Sprache erhältlich ist.

Tao Berman beginnt mit seiner Geschichte in allerfrühester Kindheit, nicht nur aus Gründen der Vollständigkeit, sondern in der Absicht, seine oftmals von der Öffentlichkeit ungläubig aufgenommene Aussage, bei Extrembefahrungen keinerlei Angst zu spüren, besser greifbar zu machen.

Nebenbei bemerkt, ist eine solche Äusserung angesichts der mehr als haarsträubenden Extrembefahrungen, um die es geht, definitiv starker Tobak, und bedarf jedenfalls der Erläuterung.

Es zieht sich ein starkes Band psychologischer Selbstreflexion durch die Kapitel und liefert im Ergebnis sehr stimmige Antworten auf die Fragen, „warum tut er, was er tut, und wie schafft er es“.

Tao Berman gewährt als Hinweise auf eine Erklärung einen Blick auf seine Lebensumstände in der Kindheit in einer sehr kleinen Hippie-Kommune im Gebirge, ohne Strom und fließend Wasser.


Er ergänzt die eigenen Erinnerungen mit Kommentaren seiner Familie und vermittelt spürbar die Atmosphäre seiner ersten vertikalen Abenteuer mit dem jüngeren Bruder Osho im Schlepptau.

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Dieser Beginn in den Erzählungen bildet einen derartigen Kontrast zum Bild des mediengewandten Extremprofis, daß man den weiteren Verlauf der Ereignisse aus der seltenen Perspektive eines vom Mainstream verschonten Menschen nachvollzieht.

Man versteht nun, wie es kommen kann, daß jemand das Attribut „unfahrbar“ zunächst einmal als Herausforderung ansieht, auf Biegen und Brechen eine Möglichkeit zu finden, trotzdem herunterzufahren.

Tao Berman betont, wie sehr dankbar er dafür ist, daß sein Aussenseiterdasein als Schüler, der keiner Schlägerei aus dem Weg ging, durch das Wildwasserpaddeln die entscheidende Wendung nahm. Er hält heute aus diesem Grund entsprechende Vorträge an Schulen.

Zu den Kapiteln über Tao Berman als Sportprofi möchte ich kurz einige kulturelle Besonderheiten der Amerikaner ansprechen, die hierzulande oft sehr kritisch gesehen werden.

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Gestalten wie Hulk Hogan (Showcatcher) oder Chuck Norris (Martial-Arts-Ikone) lösen in den USA allgemeine Begeisterung aus, während man hier bestenfalls darüber lächelt und über den geschäftlichen Teil mit dem Kopf schüttelt. Die Amerikaner hingegen, sind sich gleichzeitig der Show wohl bewußt, tun sich aber nicht so schwer wie wir, jemandem seine Leidenschaft anzuerkennen, obwohl zusätzlich Geld im Spiel ist.


Tao Berman, bestimmt kein Leisetreter, faßte 18jährig den Entschluss, Paddelprofi zu werden und beschreibt, wie er dabei Marketingkenntnisse aus einem begonnenen Studium nutzte.

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Es dürfte viele ambitionierte Jungpaddler interessieren, wie er selbst sich zu Beginn seiner Karriere zum „Produkt“ erklärte und sich darauf einrichtete, seine Sponsoren so gut und loyal zu bedienen, daß ihm einerseits sein Leben als Extrempaddler finanziell möglich wurde, und andererseits trotzdem die persönliche Unabhängigkeit erhalten blieb.


Das Buch steckt voller abenteuerlicher Beschreibungen von Erlebnissen am Bach, auch mit tiefen Einblicken in den mentalen Teil des Sports, und ist besonders für Paddler, ob sie nun am oberen oder unteren persönlichen Limit fahren, eine spannende Lektüre, deren Stimmung den paddelnden Leser häufig selbst in vergangene (Fluss-)Situationen zurückversetzen wird.

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„Going Vertical“ erwirbt man am einfachsten und günstigsten bei Amazon, es kostet dort nicht einmal 15 Euro. Das 239 Seiten starke Buch ist mit gewöhnlichen Schulenglischkenntnissen gut lesbar.

Viel Spaß bei der Lektüre!

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