Eine Tragikomödie in sechs Akten

Autor: Bianca Banschbach
19.02.2018
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Eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe und extremer Wasserstand im Schwarzwald. Was dabei passieren kann, schildert Bianca Banschbach im nachfolgenden Bericht:

                                Das Boot. Eine Tragikomödie in sechs Akten

1. Akt

Dem Wetterbericht nach war es vorherzusehen, dass auf das Spätherbstwochenende Regen fallen würde.

Als dann auch noch eine Unwetterwarnung für den Schwarzwald herausgegeben wurde, war für mich klar paddeln zu gehen.

Nicht zu schwer sollte es sein, da ich gerade zwei Wochen an einem üblen Virusinfekt gelitten hatte.

Für die Schönmünz, einen Seitenbach der Murg reicht es allemal und wenn viel Wasser ist vorab auch noch  den Langenbach.

„Das ist eine gute Idee“ denke ich mir, da können einige von unserem Verein auch mit!

Fehlanzeige.

Der eine sucht mehr Herausforderung, zwei sagen direkt ab, „Sonntag keine Zeit“, vom Rest gleich gar keine Antwort.

Über Facebook sind dann schnell zwei mir unbekannte Mitpaddler gefunden.

Wir sind uns einig, die Schönmünz soll es morgen sein.

2. Akt

Pünktlich stehen wir zu Dritt am Ausstieg.

„Das ist ein guter Wasserstand, los gehts“.

Wir sind uns einig.

Da wir alle aus unterschiedlichen Richtungen gekommen sind, stehen wir nun am Einstieg kurz unterhalb von Hinterlangenbach mit zwei Autos, mein Bus ist am Ausstieg direkt vor der Mündung in die Murg.

Auch hier oben sind wir uns einig.

„Ganz schön Zug drauf. Eigentlich kenne ich das so, dass man hier erst mal bisschen Steine schrabbelt“.

Los geht’s, 500 Meter Schussfahrt in Flußmitte, rechts und links im Stromzug stehendes Bäume und Gebüsch.

Ein erster Versuch anzuhalten.

Peter erreicht eine freie flachere Böschung, treibt rückwärts schräg gegen einen Baum,- Kenterung und Ausstieg.

Ich erreiche 15 Meter unterhalb ein Kehrwasser, renne hoch und helfe Peter, der im Wasser sein Boot und Paddel festhält aus dem Wasser, sehe hierbei das Frank aus der Sichtweite verschwindet.

Also nach der Bergung sofort abwärtslaufend sehe ich Frank in einer steilen Böschung sein Boot aus dem Wasser ziehen, gerade mal noch so rausgekommen.

Wieder sind wir uns einig,

„Das ist sehr viel Wasser!“

3. Akt

Zwei Kilometer nach dem Einstieg mit deutlich noch mehr Wasser, ich vorne, dann Frank und als letzter Peter, sehen wir diesen plötzlich schwimmen.

Vollkommen ratlos reißt uns die Strömung bei  20 m³ durch das dichtbewachsene  sieben Meter breite Bachbett, von Holz zu Holz verbleiben gerade mal vier Meter.

So geht die Schussfahrt, zwei jeweils im Boot, einer hinterherschwimmend dahin.

Ich denk mir so, das kann doch nicht sein!

Es muss was geschehen!

Ich presche vor, entdecke ein Kehrwasser rechts, hechte raus, Seil!!

Ein schlechter Wurf in letzter Sekunde mit nur einer Chance, aber Peter erreicht es und schwingt mit dem vollgelaufenen Kajak ans Ufer.

Frank der auch in meinem Kehrwasser raus kam, sprintet durch Dornen abwärts zu Peter.

Plötzlich kein Zug mehr auf dem Seil, das ich um einen Baum gelegt habe.

Boot und Paddel treiben dahin, Peter ist jedoch draußen, der Zug des vollgelaufenen Kajaks war viel zu groß.

Peter muss zurück zum Auto laufen.

Wir sind uns einig:

Boah, ist das viel Wasser!

4. Akt

Frank und ich paddeln weiter.

Ich fühle mich fit!

Das abgeschwommene Paddel treibt in einem rotierenden Gebüsch, nein Kehrwasser, egal, beides wäre richtig!

Es gelingt mir das Fundstück an das Ufer zu stellen und weiter geht es.

Das Boot finden wir nun bereits auf der Schönmünz paddelnd nach dem Campingplatz in einem riesigen Holzverhau einer Insel.

Zu gefährlich das Boot zu bergen, das hängt da eine Weile.

Gesagt, und schon reißt es sich los und verschwindet in den Fluten. Wir paddeln weiter, vom grünen Boot keine Spur.

45 m³, steigend, Schönmünz, das ist satt!!

Wir erreichen den Ausstieg. Frank erwischt das kleine Kehrwasser nicht sauber und geht baden, ich wieder raus aus dem Kehrwasser und hinter her.

Frank hängt nun am Fußweggeländer mit Kajak, das Paddel ist weg.

Ich fahre in die Büsche unterhalb und ziehe das Kajak auf die Rasenfläche, Frank kommt angerannt, um nach dem Rechten zu sehen, Peter hat ihn rausgezogen.

OK, alle drei unbeschadet draußen!

Gut so, da sind wir uns einig.

5. Akt

Wir fahren mit den Autos zum Stausee von Kirschbaumwasen, und finden dort, oh Wunder, das grüne Kajak vor der überlaufenden Staumauer im leicht kreiselnden Wasser auf der gegenüberliegenden Seite.

In dessen Heck befindet sich ja auch noch der Packsack mit Smartphone!

Beim Gedanken wie man da schnell rüberkommt fährt auch schon ein Auto des Kraftwerkbetreibers vor und lässt uns ins Innere des Bauwerkes, in dem auch Bergestangen mit Haken liegen und wir schnell zur anderen Seite gelangen.

Die Stange ist einen Meter zu kurz!

Und wie aus Geisterhand treibt das grüne Kajak plötzlich hinaus auf den See, nähert sich der mit 160 m³/sec. überlaufenden Staumauer, um im Abgrund zu verschwinden.

Unreal!

Fassungslos!

Ungläubig sehen wir zu, wie das Boot nach 20 m im brodelnden Kochtopf unterhalb abgeknickt auftaucht und sich auf die Reise zur mittleren Murg macht.

Wir sind uns einig,

„Sowas bekommt man nicht alle Tage geboten!“

6. Akt

Frank findet das Boot kurz unterhalb im hochwasserdurchströmten Weidengebüsch.

Ratlos stehen wir am Ufer.

Zu gefährlich, das um den Busch geschlungene Boot zu bergen, aus dem immer noch der rote Packsack mit Smartphone mit dem Wasser pulsierend zu erkennen ist.

Das hängt da eine Weile sage ich wieder.

Unbegreiflich wie sich das Kajak losschaukelt, aber es tut es.

Auf geht die wilde Schussfahrt durch die „Mittlere“ auf der mittlerweile nicht mal mehr die verrücktesten unter den Verrückten zu sehen sind.

Wir fahren zum Stausee von Forbach und warten, ob und was da so angeschwemmt wird.

Frank entdeckt den Bug von Peters grünem Boot, das Heck mit Packsack und Smartphone bleibt für immer verschwunden.

Das Paddel jedoch wurde gefunden.

Wir sind uns untereinander jetzt nicht einig ob es ein geiler, verrückter oder sch.....Tag war.

           

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