Der neue Pyranha Burn im Praxistest

Autor: Nils Kagel
22.05.2006
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Fahrbericht Pyranha Burn L

- Bei meinen Ausflügen nach Tirol und Südnorwegen konnte ich dieses Jahres bereits erste Erfahrungen mit dem neuen Pyranha Burn L machen und möchte deshalb an dieser Stelle kurz meine Eindrücke schildern.

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Ausstattung:

Von der Ausstattung her ist bei Pyranha alles wie gewohnt. Der Sitz ist bequem und lässt sich mittels der reichlich mitgelieferter Schaumteile der individuellen Ergonomie perfekt anpassen. Er ist allerdings zusammen mit den Hüftpolstern relativ schmal. Sollte dieser Umstand Probleme bereiten, kann das Polster jedoch einfach über dem Rückgurtstrammer eingeschlauft und damit höher gesetzt werden. Die Schenkelstützen bieten ebenfalls sehr guten Halt. Für einen Langbeiner wie mich ist es sehr angenehm, dass die Luke extragroß ausgefallen ist und dass nur ein schmaler Kunststoffsteg das Vorschiff stabilisiert. Auch die versenkten Schraubenköpfe der Fußraste sowie die robusten Bergeösen und die griffigen Gurtschlaufen auf dem Oberdeck wissen zu gefallen. Das Volumen ist nicht nur insgesamt, sondern auch im Hinterschiff gigantisch. Wenn nicht gerade Gepäck für eine Mehrtagestour mitgenommen wird, müssen zwei entsprechend große Auftriebskörper verwendet werden. Der Trinkflaschenhalter zwischen den Beinen eignet sich hervorragend für die Aufnahme eines mittelgroßen Wurfsacks. Ein wenig ärgerlich finde ich, dass mir schon nach kurzer Zeit die Lasche meiner Ablassschraube abgerissen ist und sie sich daraufhin nur noch mit Werkzeug öffnen ließ. 

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Formgebung:

Während sich bei der Ausstattung im Vergleich zum Vorgänger H:3 nicht allzu viel verändert hat, ist die Form des Rumpfes grundlegend überarbeitet worden. Das Unterschiff wurde gerundet und die pyranhatypischen Kanten leicht entschärft. Die auffälligste Änderung ist jedoch der deutlich stärkere Kielsprung und das größere Volumen im Vorschiff, wobei dies der eleganten Formgebung keinen Abbruch tut. Grundsätzlich würde ich den Burn L ab einem Körpergewicht von etwa 90 kg empfehlen, ausgenommen sind natürlich leichtere Langbeiner mit entsprechendem Platzbedarf. Darunter ist es meiner Meinung nach sinnvoll, auf den Burn M oder S zurückzugreifen. Bei allen drei Booten fällt das im Verhältnis zur Größe geringe Gewicht positiv auf. Wie es sich auf Dauer mit der Stabilität des verwendeten Materials verhält, kann ich natürlich noch nicht sagen.  

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Fahrverhalten:

Kommen wir nun zum Wesentlichen, dem Fahrverhalten. Der Burn ist wie schon sein Vorgänger ziemlich fix auf dem Wasser unterwegs. Die Kanten im Unterschiff ermöglichen eine äußerst präzise Fahrweise und erleichtern das Überfahren saugender Verschneidungslinien bzw. das Entkommen aus fiesen Kehrwassermonstern. Die Kehrseite der Medaille ist, dass der Burn auf wuchtigem Wildwasser aktiv gefahren werden muss. Rückenlage und zu lasches Kanten wird umgehend bestraft. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase stellt diese Eigenheit jedoch kein nennenswertes Problem mehr dar.

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In steinigen Katarakten und auf flachen Rutschen macht sich das stärker gerundete Unterschiff angenehm bemerkbar. Ähnlich ist es beim Boofen, wobei es selbstverständlich aus Liebe zum Rücken nicht übertrieben werden sollte. Ansonsten kann der Burn ohne Schwierigkeiten in eine waagerechte Flugbahn gebracht werden, meiner Ansicht nach sogar besser als der H:3.  Ebenso verhält es sich mit dem Auftauchverhalten. Allerdings ist der Burn kein Korken, der irgendwie aus dem Wasser hüpft, sondern ein kontrolliert, aber dennoch schnell auftauchendes Wildwasserkajak. Der größere Kielsprung bewirkt darüber hinaus, dass er auch in puncto Wendigkeit den reinrassigen Alpinbooten absolut ebenbürtig ist.

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Fazit:
Zusammenfassend  lässt sich sagen, dass der Burn sowohl bei den Fahr- als auch bei den Sicherheitseigenschaften deutlich stürzerfreundlicher als sein Vorgänger ausgefallen ist. Seine moderne Formgebung eröffnet dem ambitionierten Paddler die Möglichkeit, saubere Linien in schwierigen Katarakten zu fahren, ohne gleich das Gefühl zu haben, an seine eigenen Grenzen zu stoßen. Am ehesten lässt er sich mit dem Liquid Logic Huck, dem Dagger Mamba und dem guten alten Blunt vergleichen. Allerdings ist der Burn sicherlich nicht für Paddler mit Vorliebe für eine passive Fahrweise gedacht. Diese sollten lieber auf die Modelle anderer Hersteller ausweichen.

Text: Nils Kagel
Fotos: Ferry Wagenvoort, Karl Engen
Fluss: Åsli   
 
Bootsdaten (Herstellerangaben)
Länge:   S: 235 cm,  M: 245 cm ,  L: 255 cm
Breite:    S: 62 cm,  M: 65 cm,  L: 66 cm
Volumen:   S: 235 Liter,  M: 268 Liter, L: 310 Liter
Gewicht:   S: 17 kg,  M: 18 kg,  L: 20 kg
empfohlenes
Fahrergewicht
inkl. Ausrüstung:  S: 45-95 kg,  M: 55-105 kg, L: 75-125 kg

weitere Infos: www.pyranha.com

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