Der Tanaro - unbekanntes Gewässer im Piemont

Autor: Martina
23.06.2013
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- Viele Paddler sind ja immer auch auf der Suche nach neuen Revieren. So ging es auch soulboater-Reporterin Martina. Das Piemont war zwar schon mal Ziel einer Paddelreise, aber die Gegend war so schön, dass man sie auch so für besichtigenswert hielt. Also ging es Ende Mai in die Region Mondoví. 

Obwohl bereits zu Beginn der Tour feststand, dass ich alleine paddeln würde, mußte natürlich das Boot dabei sein und ich plante eine schöne leichte Paddeltour alleine auf dem Tanaro mit einem meiner kleineren Schiffe. Wir hatten uns eine sehr schöne Ferienwohnung mit Blick auf das Tal des Tanaro gemietet

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und freuten uns schon auf einen gemütlichen Urlaub. Da kam die Nachricht, dass es in Norditalien fürchterlich regnen würde und alle Bäche Hochwasser hätten.  Leider war es da absolut zu spät, um noch Paddelkumpels zu aktivieren (Tag vor der Abfahrt....). Ich plante aber zumindest bei der Bootswahl um und nahm  sicherheitshalber mein dickstes Schiff mit.
Vor Ort stellte sich dann tatsächlich heraus, dass alle Bäche fast überliefen und auch der niedliche kleine Tanaro nicht mehr ganz so niedlich war. In Anbetracht meiner schlechten Erfahrungen mit Solotouren auf Hochwasserbächen (Bericht Gallego) beschränkten wir uns daher in den ersten Tagen erst mal auf's Scouten.

Der Tanaro ist im oberen Teil echtes Wildwasser und hätte – wie alle anderen Bäche, die wir uns angesehen haben – ein paar Tage später mit optimalen Wasserständen aufgewartet.

Im mittleren Teil – den ich auch gefahren bin – ist er dann „nur noch“ leichtes Wildwasser bis WW II, allerdings mit sehr vielen Wehren

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und Gesträuch/Bäumen gespickt, krautig, wie man so schön sagt.

Die Gegend, durch die er fließt, ist größtenteils eine Augenweide. Man hat bei klarer Luft einen phänomenalen Ausblick auf die Alpen, später fährt man an den Hügeln der berühmten italienischen Weinorte La Morra und Alba entlang.

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Ich bin leider nur die relativ kurze Strecke von Ceva bis Castellino Tanaro gefahren. Denn die unzähligen Wehre sind ein echtes Problem für Solofahrer: Man kann sie fast nie fahren und sie sind zum Teil schwer zu umtragen, wenn man sich nicht gegenseitig helfen kann.

Mein Flußführer von 1984! (tja, hätte mal nen Neueren kaufen sollen) meinte, auf der Strecke gäbe es ein kleines, fahrbares Wehr. Beim Scouten fanden wir es aber nicht, weil man so gut wie nie direkt an den Bach kommt – es gibt keine Wege direkt am Fluß entlang mit Ausnahme einer stillgelegten Bahnstrecke, von der aus wir aber nichts Bemerkenswertes sahen.
Ich dachte mir aber, wenn schon der Führer meint, dass ein Wehr klein und fahrbar ist, dann kann man es hoffentlich wenigstens im Fall der Fälle einigermaßen umtragen.

Also startete ich in Ceva am Ende der Wildwasserstrecke. Dort kann man an einem Fußballplatz hervorragend parken.

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Die Strecke begann dann schon mal sehr schön mit netten kleinen Wellen durch den Ort, die Leute starrten mich an, als hätten sie noch nie einen Paddler gesehen.

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Nach der Ortsdurchfahrt – kanalisiert – ging es dann gleich in die freie Natur, durch den Wald und die ersten Felswände tauchten auch schon auf. Ich lauschte immer, wenn der Bach sich ein bißchen staute, ob ein Wehr-Rauschen zu hören sei, aber es waren immer nur Inseln oder Bäume im Bach, die diese Geräuschkulisse erzeugten.

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Letztere stellen auch das einzige Problem auf der Strecke dar, weil sie z.T. fast die gesamte Flußbreite versperrten und man sich oftmals im letzten Augenblick noch für die andere Seite entscheiden mußte. Auch die Insel-Umfahrungen waren daher nicht so ohne, weil man teilweise eben nicht sehen konnte, ob man sich für die richtige Seite entschieden hatte und der gewählte Weg nicht in einem finalen Gebüsch endete.

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Bei dem Bild oben versperrte ein Baum fast die gesamte Breite, man konnte nur im Bild links daran vorbeifahren, rechts, wo es ursprünglich von oben besser aussah, war alles voll mit Wurzeln..

Auf der ganzen Strecke bis Castellino fand ich kein Wehr (mehr). Statt dessen eine sehr schöne leichte Wildwasserstrecke und einen Bach, der lt. Aussage unserer Ferienhausvermieter noch selten eine so schöne Farbe hatte.

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Der Ausstieg auf der linken Seite an der Brücke nach Castellino ist zwar sehr schön, liegt aber auf dem Grundstück einer Kiesfirma. Man sollte also die Autos nicht dort parken und den Platz auch schnell wieder verlassen. Wir hatten kein Problem – es war niemand da – aber man sollte Probleme nicht herausfordern....

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Insgesamt fand ich die Strecke sehr schön, vor allem die Vegetation (Blühende Akazien überall, die einen phänomenalen Duft verströmten) und die Felswände hatten es mir angetan. Dennoch würde ich eine Befahrung für Anfänger wegen der plötzlich auftauchenden Baumhindernisse nur eingeschränkt empfehlen.

Die Gegend um den Tanaro ist ansonsten auch abgesehen vom Paddeln sehr schön. Man ist in weniger als einer Stunde am Mittelmeer – z.B. in Finale Ligure oder Noli,

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es gibt sehr viele mittelalterliche Dörfchen und Kleinstädte anzusehen, z.B. Garessio, ein relativ kleiner Ort mit wahrscheinlich den meisten Kirchen pro Einwohner..

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Murrazano,

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Mondoví, Cuneo und wenn man weiter Richtung Alba fährt, natürlich auch die berühmten Weinorte wie La Morra oder Barolo.

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Zum Radfahren sollte man ein gewisses Anfangstraining mitbringen, weil es andauernd von quasi Meereshöhe auf bis zu 800 Meter hochgeht und wieder runter. Einzig die hervorragend schöne Höhenstraße von Ceva nach Alba führt einen einigermaßen menschlich auf einer Höhe mit genialem Blick auf die Alpen über die Hügel.

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Sehr empfehlenswert ist auch ein Besuch der zweitgrößten Tropfsteinhöhle Italiens, der Grotte von Bossea. In knapp 2 Stunden kann man sich durch die Höhle führen lassen, die unter anderem einen unterirdischen Wasserfall vorweisen kann.

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Wer chillen und Essen gehen will, ist in Murrazano sehr gut aufgehoben. Im Restaurant Baruc bekommt man ein hervorragendes Menü zu erstaunlich gemäßigten Preisen (wir haben ein Menü mit alleine 4 Vorspeisen gehabt + Hauptgericht und Dessert, dazu einen schönen roten Hauswein und dafür zu zweit 60,- EUR bezahlt.
Darin enthalten waren (ohne Berechnung) ein Apéritiv des Hauses und ein Grappa am Ende.
Besonders nett fand ich, dass sowohl der Chef als auch die Bedienung ihr ganzes Französisch ausgruben, um uns über die einzelnen Speisen zu informieren.

Man sollte auch unbedingt dort ausführlich Eis essen gehen, das Eis im Caffè Nazionale in Ceva z.B. war ein Hochgenuß (es gab Eis mit karamelisierten Feigen...leeecker).

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Einziger Wermutstropfen: Beim Einkaufen muß man leider feststellen, dass das Leben in Italien reichlich teuer ist, vor allem, wenn man Obst und Gemüse kaufen will. Sehr günstig dagegen sind Brot beim Bäcker und Pasta in all ihren Formen.

Liebhaber von Blumen, Schmetterlingen oder Eidechsen kommen auf alle Fälle auf ihre Kosten:

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Zum Paddeln im Piemont noch einmal am Schluß: Man sollte die Gegend im Hinterkopf behalten, weil es dort häufig um diese Zeit (Ende Mai) stark regnet, danach aber meist schön ist und die Temperaturen deutlich sommerlicher sind als auf der anderen Seite der Alpen. Um spontan dahin zu fahren ist es zwar etwas weit von NRW aus, aber wer näher dran wohnt, sollte wachsam werden, wenn von Starkregen im Piemont die Rede ist. Als wir da waren gingen neben dem Tanaro (der auch im Oberlauf ging) sämtliche Bäche der Umgebung, z.B. die Corsaglia, der Gesso, die Vermenagna, die Maira und natürlich auch die Standardbäche der Region wie die Stura di Demonte.

Fazit: Ich kann die Gegend um Ceva nur für einen Urlaub empfehlen, optimalerweise natürlich mit Paddelkumpels zum Wildwasserpaddeln.....

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Bericht und Fotos: Martina & Hannes

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