Die Boot 2007 in Düsseldorf

Autor: Christian Zicke
27.01.2007
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Boot 2007

Mit 290 000 Besuchern rechnen die Veranstalter der Boot 2007. Das hört sich viel an... ist es aber nicht. Denn in den 90er Jahren besuchten knapp 400 000 Besucher die Boot in Düsseldorf. Das 2007 überhaupt noch Paddler die weltgrößte Wassersportmesse besuchen, liegt wahrscheinlich immer noch an den Lorbeeren des vergangenen Jahrtausends. In den 90er Jahren war die Boot für die Kanufahrer Szenetreff und Stell dich ein für die neue Saison. Es wurde Smalltalk abgehalten, man wurde von den Herstellern und Händler freudig empfangen und die Stimmung war auch aufgrund vieler Schnäppchen großartig, bei den Kunden wie auch bei den Händlern.

Szenenwechsel 2007 – Ich traue meinen Augen kaum, die Halle ist noch kleiner als die von 2006, die Anzahl der erschienenen Aussteller aus der Kanuindustrie kann man an zehn Fingern abzählen. Die Händler stehen vereinsamt zwischen Booten und Zubehör, einige Hersteller bereuen ihr Kommen schon am dritten Tag der Messe. „Wir Hersteller stellen her, die Händler müssen verkaufen, so auch auf der Boot. Was sollen wir uns also hier auf die Messe stellen und unsere Ware präsentieren“ verlautet es von hochrangiger Hersteller-Prominenz. So die überwiegende Stimmung an vielen Ständen. Die Hersteller sind schlecht gelaunt und gelangweilt.

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Bei einer 2005 neu erfundenen Firma aus dem schönen Westerwald gibt es immerhin geschmierte Brötchen die sich der Chef-Verkäufer in den Mund schiebt, während er uns unverständlich Informationen über sein neues Baby, einen Kanadier aus PE, ins Gehör schlabberte. Nebenbei läuft ein Werbevideo, in dem einige Kajakanfänger mit hoher Stütze eine schöne Walze unsicher machen.

Wo ist also das glamouröse neue Image, das Firmen wie Riot oder Pyranha dem Kanusport noch vor einigen Jahren aufzwingen wollten. Durch Anwesenheit einiger Idole wie Corrain the King Addison oder Schorschi Schauff sollte der Kanusport auf Großleinwand den Surfern den Rang ablaufen. Doch hier in der Kanuhalle sieht vieles stock-konservativ aus, Kultfirmen wie Riot, Pyranha, Drago Rossi oder Tywarp finden sich nur an vereinzelten Ständen großer Kanuläden – keine Spur mehr von eingeflogenen Beraterteams und Szene-Tata aus Übersee.

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Unsicherheit ist nicht bei der Firma Lettmann zu spüren. Hier sind Alle frohen Mutes. Familie Letti ist komplett angereist und Olympia-Jochen wird von allen Seiten belagert und kann sich vor Verkaufsgesprächen kaum retten. Auch als Monopolist zwischen Yachten und Seenotkreuzern würden die Lettmannen noch eine gute Figur machen, auch wenn alle andern Kanuten auf kleine Privatmessen ausgewandert sind.
Anders sieht es bei anderen Herstellern und Händlern aus. Hier stehen vereinsamte Verkäufer neben aktuellen oder „alten Booten“ vom letzten Jahr und selbst Kunden können die Stimmung kaum heben. Teilweise schenken uns die netten Kanufachberater kaum Beachtung. Auch wenn mein Kumpel Micha sich den hübschen Verkäuferinnen auf der Suche nach dem passenden Outfit quasi in den Weg wirft.

Doch die Messegesellschaft ist „Angesichts der Wetterlage ... hochzufrieden mit der Besucherzahl an den ersten beiden Tagen”, so Messesprecherin Manuela Preinbergs. Deshalb finden wir es besonders auffällig, dass auch in den Hallen der Surfer und Taucher keine Bedrängnis aufkommt. Hier ist es genauso leer wie auf dem Parkplatz der Messe. Wir haben auch mit einigen Ausstellern in der Surfhalle gesprochen und auch hier sind zahlende Kunden fehl am Platze. Surfen ist nicht mehr der Trendsport, so boot-Chef Abdul-Rahman Adib in einem Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung. „Heute leihen sich viele Jugendliche ihre Bretter und sogar ihre Ausrüstung aus", schildert er zudem „ein geändertes Konsumverhalten“. Hinzu kommt, laut Adib, dass es die Wassersportbranche versäumt habe, Themen für junge Leute zu besetzen. In den 80er Jahren, auf der Höhe der Surfer-Welle, hätten alleine 100 000 surfbegeisterte Besucher auf der "boot" nach den neuesten Brettern gesucht.

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Das ist lange vorbei, der Eintritt für die Boot kostet mittlerweile schlappe 14,- Euro, die Parkgebühr hat sich im Vergleich zum letzten Jahr um 20% gesteigert und beträgt jetzt 6,- Euro pro Auto. Macht also schlappe 34,- Euro für 2 Personen mit Auto – und im Preis ist kein Sektempfang und keine Autowäsche enthalten. Auch der Preis für Jugendliche (10,- Euro) ist nicht mal eben mit dem Taschengeld bezahlt.

Doch was sagen die Aussteller offiziell zu den niedrigen Besucherzahlen? "Die (Aussteller) sind absolut zufrieden, weil die Qualität der Besucher stimmt und diese heute mehr Kompetenz haben" so sagt Herr Adib der WZ.
Wir glauben viel mehr, dass die Messeorganisation wie auch viele Aussteller komplett über den Dingen schweben und völlig realitätsfremde Preise jedes Jahr mehr Mittelständer und junge Besucher abschrecken.

Ahoi sagt Christian Zicke

Zitate aus folgender Quelle: http://www.westdeutschezeitung.de

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