Die Oetztal-WG in Hot Springs

Autor: Jan-Peter
10.12.2001
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Blick durchs Schlüsselloch - Ötztal-WG in der Badewanne

Es ist Nachmittag im oberen Ötztal, die Sonne verschwindet zuerst hinter Wolken und dann hinter den ersten hohen Bergspitzen. Schlagartig wird es deutlich kälter. Nach zweimal Venter Ache und zweimal Oberer Oetz sind der Könich und seine Schergen aus der Oetztal-WG trotz atmungsaktiver Trockenanzüge durchnäßt und frösteln. Manni "The Don" hat trotzdem noch nicht genug. "Einmal noch schnell die Obere, dann können wir runter zur warmen Hütten", ist seine Erwiderung auf zweifelhafte Blicke seiner Mitpaddler.


Manni im Söldenkatarakt

Na gut, wenns denn sein muß, er ist schließlich heute Könich und bestimmt den Tagesablauf, einmal noch schnell die Obere Ötz mit Söldenkatarakt, dann ist aber Schluß. Der Herminator fährt uns schnell hoch, weil inzwischen das letzte Auto am Ausstieg zum Hochfahren benutzt wurde und nur noch sein VW-Bus unten steht.

Nach einer halben Stunde sind wir wieder da, diesmal per Boot, aber noch kälter als zuvor. Wie werden wir jetzt schnell wieder warm ohne Sauna am Wegesrand oder großes Lagerfeuer? Der Stieglwirt hat den rettenden Einfall: Gestern hatten wir uns mit Young Pirate Schorschi an der Oberen Ötz getroffen, um die neuen Bliss-Stick Lifestyler im technischen Wildwasser ausprobieren zu können. Schorschi fuhr die erste Tour im Blitz noch mit, kreiselte mit 360ern über die Felsen, verabschiedete sich dann aber ziemlich schnell, weil er sich noch in die heißen Quellen von Längenfeld zum Aufwärmen setzen wollte. "Männä, es geht woida", und schon war er im Regen verschwunden.

Heiße Quellen, das könnte die Lösung für unsere unterkühlten Gliedmassen zu sein. Aber so etwas in den Alpen, das gibt?s doch nur in Amerika oder auf Island, überlegen wir. Doch Schorschi hat sich absolut glaubhaft angehört und so fahren wir nach seiner Beschreibung die paar Kilometer runter Richtung Umhausen bis zu einem Schotterparkplatz am Ortseingang von Längenfeld. Ein kleiner Weg führt an einem Graben entlang zu einer Holzhütte, hinter der sich ein dampfender Gumpen befindet. Durch ein Holzrohr plätschert über 40 Grad heißes Wasser in dieses mit Steinen eingefasste natürliche Becken in einer Felsnische und es riecht leicht nach Schwefel. Einige Leute liegen schon entspannt im Pool und wir sind auch ganz schnell dabei. So etwas haben wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht vorgestellt, daß es im Ötztal heiße Quellen zum Relaxen gibt.

Wie es scheint, wissen das inzwischen auch die Reiseführer aus den Touristenbussen, denn kaum haben wir es uns im heißen Wasser so richtig gemütlich gemacht, hält ein Bus mit einer Gruppe von reiselustigen Rentnern überwiegend weiblichen Geschlechts aus Sachsen und dem Ostharz, die laut sächselnd und mit Videokameras und Fotoapparaten bewaffnet zu den Quellen stürmen, um die jungen Männer in ihrer ganzen Pracht im Pool zu begutachten. Nachdem sie uns ausgiebig gefilmt haben, kommen sie dann doch nicht unserer Aufforderung nach, doch auch in den Pool zu springen. Nach 10 Minuten ist der Spuk vorbei, die Damen springen in den wartenden Bus und es geht weiter zur Besichtigung des nächsten Naturdenkmals, dem Wasserfall von Umhausen. Wir dagegen haben endlich wieder unsere Ruhe wie auch in den nächsten Tagen, an denen wir die heißen Quellen als Abschluß unserer Paddeltouren ansteuern.

Wer im Herbst oder Winter zum Boot- oder Skifahren im Ötztal ist, sollte es auf keinen Fall versäumen, den heißen Quellen von Längenfeld einen Besuch abzustatten. Besonders cool ist es nach Auskunft Einheimischer, wenn man im warmen Wasser liegt, sich den heißen Wasserstrahl aus dem Holzrohr direkt auf die Schultern prasseln läßt und auf der gegenüberliegenden Talseite die Schneebretter oder Lawinen von den Berghängen donnern.

by Jan-Peter
© Bilder by Hermann Grube

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