Sickline WM 2016

Autor: Alexander Leste
14.10.2016
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Um die Sickline mal aus einem anderen Blickwinkel vorzustellen, haben wir hier für euch den Erfahrungsbericht eines Teilnehmers: Alexander Leste. Er landete am Ende immerhin auf Platz 122. Für die passenden Fotos sorgte Denise Schlöter. Viel Spaß beim Lesen!

Es ist schon wieder diese Zeit des Jahres! Sickline WM!

Zum dritten Mal in Folge lade ich mein Boot auf das Auto, um mich auf ins Ötztal zu machen.

Es ist Freitagabend und vom heimischen Hohenlimburg bis nach Tirol sind es knapp 660km.

Die Pegel sehen dieses Jahr eher mau aus, aber zum Paddeln findet sich immer etwas!

Frei nach diesem Motto starten wir auch am Samstagmorgen direkt auf die Köfelser Strecke die zwar recht holperig ist, aber im Laufe der Woche zu unserer Hausstrecke wird. Nachdem wir etliche Runden auf der Strecke gedreht haben, sind wir fit für den nächsten Tag.

Wellerbrücke! Die meisten Paddler kennen die Strecke aus Lagerfeuergeschichten oder auch vom Ufer aus. Nur wenige aber sind die Strecke schon mal gepaddelt und wenn man sich nun auch noch auf Zeit die Strecke runterhauen möchte, ist dies nochmal ein ganz anderes Kaliber.

Schon der Einstieg ist beeindruckend. Aus 6m Höhe rutscht man von einem Stein in die Strecke. Sofort müssen die Boofschläge sitzen, um nicht in den ersten Walzen hängen zu bleiben. Nach einem kurzen flachen Stück steigern sich die Schwierigkeiten wieder mit der sogenannten „Mandatory Line“. Das ist ein enger Schlitz mit einem Stein im Unterwasser. Im Anschluss geht es direkt in die Kernstelle. Der TNT Katarakt ist ein S-förmiger Katarakt mit einigen fiesen Unterspülungen und Siphonen. Nun fährt man am Einstieg der Qualistrecke vorbei und muss die Minus-Eins-Walze boofen.

Sobald dies geschafft ist, fährt man durch ein kurzes Blockstück, bevor man auf die wohl fotogenste Stelle des Abschnittes zufährt. Der Championskiller, hierbei handelt es sich um eine drei Meter hohe Stufe die einen kräftigen Paddelschlag im unteren Drittel des Drops erfordert. Wenn dieser nicht genau getroffen wird, endet man entweder im linken stark rotierenden Kehrwasser oder man überschlägt sich direkt.

Da es leider von Tag zu Tag immer weniger Wasser wird, verwandelt sich die Strecke vom Wuchtbach immer weiter in einen technisch anspruchsvollen Slalomparcours. Und so wundert es nicht, dass die meiste Zeit im unteren Streckenteil verloren geht. Dort wird der Fluss breiter und durchfließt bis zum Ende der Qualifikationstrecke diverse Stufen, wo man sich die Durchfahrten genau einprägen muss, um nicht auf einem Stein sitzen zu bleiben.

Um den Trott des ständigen Wellerbrückensprints zu entkommen, fahren wir morgens meist die oberen Strecken der Ötztaler Ache.

Ab Donnerstag geht dann für uns Sportler der Rummel der Sickline los. Ab Mittags muss man sich registrieren und seine Ausrüstung überprüfen lassen. Ohne wird man nachher im Rennen nicht auf die Strecke gelassen.

Jeden Abend gibt es dann wieder meisterliche Küche vom Sickline-Koch Ulli Knittel, die wie jedes Jahr für jeden Geschmack etwas bietet. Bevor wir Sportler aber im Anschluss in die Betten entlassen werden, gilt es noch an der Sicherheitsbesprechung teilzunehmen. Dort werden wichtige Themen wie die Sicherungsposten, sowie die Ein- und Ausstiege erklärt.

Am Freitag beginnen dann, nachdem jeder Teilnehmer noch einen Pflichttrainingsrun absolviert hat die Qualifikationen. Diese Rennen finden auf einem nach unten versetzten Teil der Wellerbrücke statt. Jeder Fahrer hat zwei Läufe, die im Anschluss addiert werden. Am Ende dürfen die 52 besten Fahrer auf die obere Sicklinestrecke für die Finalläufe.

Am Samstag gingen dann die Finalrennen über die Bühne, welche mit dem knappsten Ergebnis der Sicklinegeschichte ausgingen.

Der Spanier Aniol Serrasolses aus Spanien gewann vor Sam Sutton aus Neuseeland mit gerade mal einer Hundertstel Sekunde Vorsprung (1:01.70 für Serrasolses zu 1:01.71 Sutton). Auf Platz 3 landete Dane Jackson aus den USA geradezu abgeschlagen (1:02.28) bei den Herren.

Bei den Damen gewann Sandra Hyslop aus England (1:08.82) vor Nouria Newman aus Frankreich (1:09.28) und Martina Wegmann aus den Niederlanden (1:10.13).

Auch wenn für mich nach der Quali schon wieder Schluss war, konnte ich mit einem absolut positiven Gefühl aus dem Rennen gehen. Die Organisatoren tun alles, um es für uns Sportler so angenehm und vor allem auch sicher wie möglich zu machen. Danke dafür! Denn dadurch treffen sich jedes Jahr die besten Kajakfahrer der Welt, um zusammen zu paddeln und die Sickline King & Queen zu ehren.

Nachdem die Rennen vorbei waren, trafen sich Paddler noch an den verschiedensten Strecken des Tals, um das Wochenende auf die schönste Art und Weise ausklingen zu lassen – im Boot!

Aufgrund der noch weiter gesunkenden Wasserstände konnte ich mir auch teilweise eines meiner bisher eindrucksvollsten Paddelziele erfüllen. Durch die diesjährige Geschiebelage positiv beeinflusst konnte ein, wenn auch kurzer, Teil der Achstürze von mir befahren werden!

Alles in allem war es also eine super Zeit und für alle Paddler und auch Nichtpaddler hier die Aufforderung, im nächsten Jahr wieder so zahlreich zur Sickline WM zu erscheinen!

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