Erster Testbericht Big Dog Flux

Autor: Andreas Hantl
28.02.2010
0 / 0

 - Vor einiger Zeit haben wir unterstützt von paddelladen.de die Soulboater Aktion "Big Dog Testfahrer gesucht" gestartet. Es haben sich sehr viele Testfahrer beworben, so dass es die Jury schwer hatte, aus den vielen an einem Testboot interessierten  Bewerbern die geeignetsten auszusuchen und sie mit Booten auszustatten.


Souluser "Ultraboater" Andreas Hartl ist nun der erste, der den Flux für einige Tage im Wildwasser testete und seine Erfahrungen in einem Bericht zusammengefasst hat.
An dieser Stelle schon mal vielen Dank an den Testpiloten und seinen ausführlichen Testbericht über den "Big Dog Flux"

 

Testbericht Big Dog Flux

Herstellerdaten:
Länge: 231 cm, Breite 66cm, Gewicht 15,8kg, Paddlergewicht 70 – 110kg
Testfahrer: 1,90m, 80kg, 94cm Schrittlänge
Testrevier: Untere Murg bei etwa 30m³

bild_15_500

 

Normalerweise fahre ich neben meinem Eskimo Salto einen Liquidlogic Lil’Joe, der fast identische Maße wie der Flux hat und auch auf der Big Dog Website als direkter „Konkurrent“ angegeben wird. Aus diesem Grund werde ich öfters einen Vergleich zum Lil’Joe ziehen.

 bild_16_500


(Da es bei der Testfahrt fast die ganze Zeit geregnet hat, gibt’s leider fast keine Bilder vom Paddeln…)

Erster Eindruck:
Was mir auf den Bildern im Internet schon gefallen hat, gefiel auch beim ersten realen Anblick des Flux: Meiner Meinung nach ein schönes Kajak mit klarer und ausgewogener Linienführung. Auch das sanfte Blau des Testbootes gefällt mir recht gut.

Beim Einladen ins Auto gleich der nächste Eindruck: Die 15,8kg (zuhause auf der Personenwaage gewogen) des Flux heben sich angenehm und bewegen sich wohl im normalen Gewichtsbereich für Boote dieser Kategorie.

bild_01_500


Material:
Das Material macht einen recht soliden Eindruck. Hier kann ich keine großen Vor- oder Nachteile gegenüber dem (rotierten) Material anderer Hersteller erkennen. 


Der Süllrand lässt sich zwar im vorderen Bereich mit etwas Kraft einige Zentimeter runter drücken, was ich aber auf den Mittelkeil zurückführe, der nicht direkt am Süllrand ansetzt, sondern weiter Richtung Bug.


Einen sehr guten Eindruck machen die Griffe: In ausreichender Zahl (4 Stück) und aus stabilem Metall befinden sie sich am Boot. Dabei bieten sie mehr als genug Platz zum Einhängen von Karabinern.

bild_11_500

Lediglich die Ablassschraube könnte ein wenig mittiger und weiter hinten platziert sein…

Sitzanlage:
Die Einbauten sind im Großen und Ganzen recht simpel gehalten, da habe ich keine Angst, dass etwas abbrechen oder verbiegen könnte (kleine Ausnahme: Hüftfittings, siehe unten).
Auf der (schwarzen) Sitzschale befindet sich eine (graue) gepolsterte Auflage mit hohen Hubbeln. Beim Probesitzen mit Jogginghose erzeugten die Hubbel ein komisches Gefühl am Hintern, was beim Paddeln mit Aquashell- und Trockenhose jedoch nicht zu spüren war.

Eventuell könnte das beim sommerlichen Paddeln in Badehose unbequem sein.
Dieselbe Polsterung befindet sich auch auf Rückengurt und Hüftfittings, wo ich sie allerdings nicht bemerkt habe.

bild_05_500

Von der Form her gibt es bei den Hüftfittings nichts zu meckern, mir haben sie sehr gut gepasst. Eine Verstellmöglichkeit in der Breite gibt es zwar keine, wäre durch aufkleben von Schaumstoff an die Sitzschale aber schnell und einfach möglich. Möglicherweise gibt‘s beim Kauf auch verschiedene Breiten dazu? Anmerkung des Importeurs: umfangreiches Fittingmaterial ist generell beim Kauf dabei, wird aber nicht komplett zu einem Testboot mitgegeben.


Was mir allerdings sehr negativ aufgefallen ist, ist die Anbringung der Hüftfittings an der Sitzschale. Diese werden mit zwei Bändern einmal um die Schale geführt, anschließend muss man die Bänder durch die gleiche kleine (zerbrechliche?!) Plastikschnalle fummeln und festziehen. Dies ist mir nicht ganz ohne Spiel gelungen, d.h. die Fittings hängen einfach etwas locker an der Schale und lassen sich bewegen … hier gibt es meiner Meinung nach ein großes Verbesserungspotential!

bild_10_500_01

Der Rückengurt ist für mich dafür der bequemste den ich je hatte. Er ist unten direkt am Sitz mit einer Schraube angesetzt (für die es zur Höhenverstellung verschiedene Löcher gibt) und bildet somit eine Art „Sitzschale“ ohne Lücke zwischen Sitz und Gurt. Oben kommt dann die klassische Ratschenkonstruktion zum Einsatz.

bild_09_500

Bei allem Lob des Rückengurts, ein bisschen hat Big Dog hier allerdings geschlampt: Der Gurt zum Festratschen ist (für mich) etwas zu kurz! D.h., dass beim Öffnen der Ratschen der Gurt aus der Ratsche rutscht… Dies sollte jedoch auch sehr leicht zu beheben sein.


Zu den Schenkelstützen gibt es nicht viel zu sagen: Passform für mich sehr gut, Verstellen geht auch ohne Probleme. Zusätzlich ist im Kniebereich die Bootshülle mit etwas Schaumstoff gepolstert, was gerade beim Paddeln mit kurzer Hose sehr angenehm sein kann.


Bei der Prallplatte ist ein Unterschied zu (allen?) anderen Herstellern feststellbar: 2 Schrauben pro Seite, soweit noch normal, allerdings befinden sich unter den Schrauben große Unterlegscheiben. Habe ich (soweit ich mich erinnern kann)bei noch keinem Boot gesehen.  Sofern die Unterlegscheiben keinen konkreten Zweck erfüllen, würde ich sie einfach weglassen, da man beim Verstellen immer erst die Scheibe unter die Schraube fummeln muss.


Ansonsten könnten die Schrauben nach meinem Geschmack einen Tick größer und griffiger geformt sein, um sie auch mit nassen und kalten Fingern problemlos aufschrauben zu können.

bild_07_500

Negativ aufgefallen ist mir die Größe der Prallplatte. Wenn man die Prallplatte nicht ganz vorne hat, entsteht schnell ein nicht gerade kleiner Schlitz zwischen Platte und Bootshülle… Sowas sollte eigentlich vermieden werden. Das wurde bei meinem Lil’Joe durch zwei mitgelieferte Prallplatten gelöst, die beide zusätzlich eine Feineinstellung in der Breite haben. Vielleicht bekommt man beim Kauf ja auch 2 verschiedene Größen mitgeliefert? Anmerkung des Importeurs: Es sind grundsätzlich Prallplatten in 2 Grössen beim Boot dabei.


Auf der Platte befindet sich etwas Schaumstoff, wodurch man die Neigung der Platte individuell anpassen könnte (durch zurechtschneiden). Ansonsten macht die Prallplatte einen stabilen Eindruck.

bild_06_500

Was mir sonst an der Sitzanlage fehlt, ist die Befestigungsmöglichkeit zwischen den Beinen für Wurfsack/Flasche/Schwamm/Pelicase/Sonstiges. Kann man zwar auch leicht selber basteln, wäre aber auch schön wenn es schon da ist…Anmerkung des Importeurs: Bei den neuen Booten ist ein Gummiband zum fixieren von Wurfsack oder Trinkflasche vorm Sitz angebracht.

bild_08_500

Die Schrauben in der Bootshülle sind alle mit einer Dichtscheibe unterlegt, was sich in der Praxis auch als dicht bewiesen hat. Die Luke ist dementsprechend auch gut geformt, mit meiner Langer Aramid Spritzdecke war es nach der Fahrt im Boot (bis auf die üblichen Tropfen) trocken.

bild_12_500

Beim tragen auf der Schulter gibt es von der Sitzanlage nichts, was besonders im Weg ist und drückt. Da hatte ich schon wesentlich „unbequemere“ Boote auf der Schulter.

Fahreigenschaften:
Wenn man Lil’Joe und Flux auf dem Papier vergleicht stellt man eigentlich keinen Unterschied fest:
 Flux /Lil‘Joe
Länge: 231cm /231cm
Breite: 65cm /64cm
Paddlergewicht: 70 – 110 kg /59 – 84 kg
Gewicht (selbst gemessen): 15,8 /15,7
Volumen: ? 227 l
 

 bild_13_500

(Hier habe ich mich mal daran versucht, einen direkten Vergleich zwischen Lil’Joe und Flux zu schaffen)


Was allerdings auffällt, ist die unterschiedliche Sitzposition: Beim Flux sitzt man insgesamt weiter hinten im Boot, was hauptsächlich einen wesentlich größeren Fußraum zur Folge hat. In den Lil’Joe passe ich bei größter Einstellung und mit Neoprenschuhen gerade so rein, in den Flux habe ich es sogar mit leichten Wanderstiefeln geschafft!


Durch die Sitzposition könnte man meinen, der Flux sei im Wasser hecklastig. Dieser Eindruck bestätigt sich jedoch nicht, nach meinem Gefühl hat das Boot eine schön ausgeglichene Wasserlage.


Überrascht hat mich bei der Testfahrt die Geschwindigkeit des Flux: Durch die geradere Wasserlinie (nicht so stark aufgebogen) ist der Flux einen deutlichen Tick schneller als der Lil’Joe. Das hat den Nachteil, dass der Flux (gegenüber dem Lil’Joe) dabei nicht so wendig ist. Dabei ist der Flux aber auch nicht zu träge, meiner Meinung nach ein guter Kompromiss zwischen Geschwindigkeit und Wendigkeit.


Zudem lässt sich der Flux schön leicht aufkanten, das geht beim Lil’Joe etwas schwerer.
Die recht aggressiven Kanten sind mir hauptsächlich zu Beginn der Testfahrt aufgefallen. Die ausgeprägte Doppelkante des Flux sorgt wohl dafür, dass er sauber auf der Kante ins Kehrwasser gefahren werden muss, da sonst die gegenüberliegende Kante schnell mal für eine unfreiwillige tiefe Stütze sorgt .


Der Flux möchte also aktiv und vorausschauend gefahren werden, was mir nach kurzer Eingewöhnungszeit (bin vom Lil’Joe einen sehr verzeihenden Charakter gewohnt) keine Probleme mehr bereitet hat. Hat man sich dann an die Kanten gewöhnt, tragen diese in Verbindung mit der Schnelligkeit des Flux maßgeblich dazu bei, dass man sehr schnell und sportlich von Kehrwasser zu Kehrwasser kommt.


Durch den etwas niedrigeren Kielsprung neigt der Flux auch etwas mehr als der Lil’Joe dazu,  sich von Walzen ein bisschen abstoppen zu lassen, anstatt drüber zu bügeln. Er lässt sich jedoch auch leicht über Walzen hinweg boofen, spätestens mit ausreichender Geschwindigkeit sollten Walzen sowieso kein Problem mehr darstellen. Hier ist also wieder einmal eine vorausschauende Fahrweise gefordert.


Durch die Schnelligkeit bekommt man mit dem Flux auch (fast) jede Welle. Hier neigt er durch den vergleichsweise längeren Bug jedoch etwas mehr zum Spitzeln als der Lil’Joe. Was mir auch nicht so gut gefallen hat ist, dass trotz der ausgeprägten Kanten kein richtiges „Carvinggefühl“ aufkommen mag. Zudem ist er nicht so „loose“ wie der Lil‘Joe, d.h. der Versuch zu spinnen endete fast immer im Washout.

bild_02_500


Ich denke aber, dass dies Jammern auf hohem Niveau ist… Insgesamt surft der Flux schon ziemlich gut.


Durch das kürzere Heck lässt sich der Flux dafür leichter unterschneiden, hier benötigt es beim Lil’Joe mehr Wasserdruck, um eine saubere Kerze hinzulegen. Um pausenlos aus jedem Kehrwasser rauszukerzeln ist der Flux aber das falsche Boot, da er hierfür zu viel Volumen hat.


Bezüglich der Rolleigenschaft kann ich eigentlich nur sagen, dass mir hier der Flux weder besonders negativ noch positiv aufgefallen ist.

Fazit:
Wer eigentlich nur auf WW4-6 mit dem Dickschiff unterwegs ist und nebenher sowieso noch ein Freestylekajak besitzt, für den dürfte der Flux weniger interessant sein.


Für all diejenigen, die nicht immer mit 2 Booten in den Paddelurlaub fahren möchten, und auf Loops und Cartwheels  verzichten können, könnte der Flux ein interessantes Boot sein:

Mit ihm hat man einen bequemen Allrounder, der meiner Meinung nach ruhigen Gewissens auch auf schwererem Wildwasser gefahren werden kann und durch die sportliche Fahrweise auch auf gemäßigtem Wildwasser zu gefallen weiß.

Und nicht zuletzt aufgrund der Kampfansage von 799€ wird der Flux bestimmt vielen Konkurrenten zu schaffen machen.

Test, Text und Bilder: Andreas Hantl

Voriger Artikel

Last Update zum 13. Rosenheimer Kajak Filmfestival am...

Nächster Artikel

Bierchen, Chips und Fotos beim Blackfoot in Köln