Mikroplastik in europäischen Gewässern

Autor: Team Soulboater
03.04.2019
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Droht bald das Aus für PE-Boote? 

Nach vielfachen Funden von Mikroplastik in europäischen Gewässern plant die EU vor anderen langfristigen Maßnahmen als schnelle Reaktion bereits in den nächsten Tagen die Sperrung von Flüssen für Paddler.

Der Abrieb von Plastik von PE-Booten an Steinen soll der Grund für die Belastung sein.

Vor allem die spielerische Nutzung von Kajaks beim Boofen oder durch Rocksplats ist den Bürokraten ein Dorn im Auge.

Es scheint, als hätte der Paddler auf dem Bild oben die Tragweite seiner Handlungsweise schon begriffen.

Aber auch Verleiher von PE-Booten stehen im Zentrum der Kritik, da es beim Fahren bei Niedrigwasser z.B. auf der Ardèche sehr häufig zu Bodenkontakt kommt und damit zum Abrieb von Plastik von den Booten.

Ob Veranstaltungen wie das Wiesenwehrrodeo noch weiter stattfinden können, ist damit auch fraglich, denn auch hier kommt es wegen des permanent niedrigen Wasserstands der Erft aufgrund des Klimawandels zu Plastikabrieb an den Steinen im Untergrund.

Bevor der Kanumarkt ganz kollabiert, gehen die Hersteller von Kajaks aus Plastik deshalb in die Offensive:

Boote aus geblasenem PE, auch als Hochleistungsthermoplast HTP bekannt, werden durch Hinzufügen einer dem Glüfosath verwandten Chemikalie noch kratzfester gemacht, so dass die Schrammen zwar tiefer erscheinen, das Material aber am Boot und nicht als Abrieb an den Steinen am Flussgrund hängen bleibt.

Die Auswirkungen auf die Umwelt und die Wasserqualität durch dieses Additiv sollen aufgrund mehrfacher Studien durch neutrale Labore absolut unauffällig sein.

Hersteller insbesondere aus dem englischsprachigen Raum und aus Übersee gehen einen anderen Weg, um ihre Boote umweltgerecht nach den neuen EU-Normen zu fertigen:

Im Rotationsverfahren hergestellte Boote werden bewusst in den Molekülketten des verwendeten PE geschwächt.

Die Folge: Es gibt weniger Abrieb an den Flusssteinen, denn das Material bricht bereits bei leichtem Felskontakt. Es bilden sich zunächst "Weissbrüche" durch Überdehnung des Materials, beim nächsten Steinkontakt bricht das Material dann endgültig.

Da bei dieser Methode eine Reparatur auch durch professionelle "Welder" nicht zu 100 % die alte Materialfestigkeit wiederherstellen kann, erhoffen sich die Hersteller durch diese Materialoptimierung einen deutlich höheren Umsatz im Bereich Wildwasserkajaks.

Auch der Gebrauchtbootmarkt mit einem Angebot an selbst reparierten Kajaks, die sich nur noch für leichtes Wildwasser ohne Steinkontakt eignen,  wird durch diese Maßnahmen deutliche Umsatzsteigerungen erhalten.

Wie intern aus Herstellerkreisen zu hören ist, soll es ab dem heutigen Tag bis Ende diesen Jahres (01.04. bis 31.12.2019) zur Förderung des Umweltschutzes im Kanusport eine "Abwrackprämie" analog zum bereits bewährten Modell in der Automobilbranche geben.

Bis zu zehn Jahre alte Plastikkajaks werden beim Kauf eines neuen materialoptimierten Kajak für bis zu 1000€ in Zahlung genommen, strikte Auflage ist dabei, dass die Boote vor den Augen der ehemaligen Besitzer unbrauchbar gemacht werden müssen.

Details zur weiteren technischen Vorgehensweise liegen derzeit leider noch nicht vor, in der Verordnung ist aber vorgesehen, dass die Bootsreste im "gelben Sack" umweltgerecht entsorgt werden sollen.

Mineralwasser entnommen aus natürlichen Quellen, leider bereits mit PE-Abrieb von Wildwasserkajaks kontaminiert

Interessanterweise werden nur Wildwasserfahrer in PE-Booten durch diese neue Verordnung in der Ausübung ihres Sports massiv beeinträchtigt, Faltboote und aufblasbare Schlauchboote wie auch die in den letzten Jahren vermehrt auf den Bächen zu beobachtenden "Packrafts" sind von den Beschränkungen vollständig ausgenommen.

Dies kann zur Folge haben, dass sich der Wildwassersport vollkommen neu orientieren muss, weg von Plastikkajaks "back to the Roots" zum Falt- und Luftbootfahren, wie es uns die Pioniere wie Alfred Heurich und "CIL" Luther schon vor gut 100 Jahren vorgemacht haben.

Ist das die Zukunft des Wildwassersports?

Wir werden diese Entwicklung selbstverständlich aufmerksam verfolgen und darüber weiter berichten.

Anmerkung der Redaktion:

Dieser Bericht wurde am erstmals am 01.04.2019 veröffentlicht.

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