Erste Eindrücke vom Prijon Cali

Autor: Jan-Peter
29.07.2015
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2010 brachte Prijon mit dem Pure XL seinen ersten Creeker für richtig schwere Jungs auf den Markt. Der Paddler sollte bei diesem Kajak mindestens 85 kg schwer sein, nach oben gibt es fast keine Grenzen.

Nach einem halben Jahrzehnt hat Prijon nun ein Facelifting des mittlerweile in die Jahre gekommenen Pure XL vorgenommen mit diesen Zielen: Bewährtes soll erhalten bleiben und nur in Details werden sinnvolle Optimierungen vorgenommen, denn die Zielgruppe ist und bleibt dieselbe: Große und schwere Wildwasserfahrer, die einen klassischen Creeker mit eher gutmütigen Fahreigenschaften suchen, bei dem nicht schon nach wenigen Wildwassertouren mit Steinkontakten die Erneuerung wegen Materialschäden ansteht.

Entwickelt wurde der Cali vom Prijon Team USA, daher hat sein Name auch Bezug auf das Traumland des Creekboatings im amerikanischen Westen: California

Der erste Blick aufs Unterschiff offenbart keine Unterschiede in der Form bis auf die fehlende Rammkappe und so ist es auch, es gibt bis an den früher "Aussennaht" genannten Bereich zwischen Ober- und Unterschiff keine Veränderungen zur altbewährten Pure-Form.

Ganz anders dagegen Oberdeck und Sitzanlage: Hier ist das Boot kaum wieder zu erkennen nach praxisnahen Optimierungen. So ist  in Heck und Bug deutlich mehr Volumen hinzugekommen.

Dabei verabschiedete Prijon sich von einem flachen Shape hin zu einem eher dachförmigem Design, was mehr Stabilität verspricht bei gleichzeitig schnellerem Wasserablauf und damit besserem Auftauchverhalten.

Mehr Volumen im Fußbereich schafft auch mehr Platz, ein angenehmer Nebeneffekt für die Zielgruppe der auf großem Fuß lebenden XXL-Paddler.

Die Gurtaufhängung der Prallplatte wurde wieder zum bereits seit Jahren bewährten Fußstützensystem modifiziert. Dadurch konnten einige Fixierungen mit Verschraubungen weggelassen  und damit auch Gewicht reduziert werden.

Neu positioniert sind auch die Griffschlaufe am Heck und ein massiver Sicherheitsgriff direkt vor dem Cockpit.

Die augenscheinlichste Veränderung sind aber die Einbauten unter Deck. Prijon bietet seit der letzten Saison zum ersten Mal in der Geschichte der geblasenen Wildwasserkajaks Versteifungsstege in Längsrichtung an, die dem Boot beim Landen nach hohen Wasserfällen so viel vertikale Stabilität geben, dass ein Aufspringen der Spritzdecke durch den Aufprallschlag von unten der Vergangenheit angehören soll.

Doch alles hat sein Für und Wider, denn diese Stabilität wird erkauft durch eine Verkleinerung des Raumes mittig im Kniebereich und damit einer Verringerung des Platzes, um die Beine z.B. im Fall eines Klemmers oder Steckers aus der Luke zu bekommen.

Es sollte deshalb  jeder für sich entscheiden, wo die Prioritäten gesetzt werden, sicherlich auch abhängig vom persönlichen Fahrstil und Einsatzbereich:

Bessere Beinfreiheit für Notausstiege oder höhere Stabilität der Bootshülle gegen Wasser- und Aufpralldruck.

Wobei die „alte“ Bootshülle ohne Mittelkeil in dieser Hinsicht auch vorher schon einen guten Eindruck machte  im Vergleich zu einem Kajak  aus „weichem“ rotierten Plastik, das niemals ohne mittige Verstärkungsstege auskommen wird.

Serienmäßig wird der Cali mit kompletten Einbauten in der PRO-Version geliefert, Prijon bietet aber auf Nachfrage auch die Variante „Active“ ohne Mittelkeile zu einem günstigeren Preis an. Diese ist dann mit 21 kg Gewicht auch leichter als die Serienversion.

Eine weitere praxisorientierte Neuerung ist die Sitzanlage mit Fittings, bei der durch Einlegestreifen Sitzposition und -breite individuell angepasst werden können. 

Sehr viel Volumen in einem relativ kurzen Kajak birgt auch Nachteile in sich: Der vordere Bereich des Süllrands ist sehr hoch, kleinere Paddler mögen sich dadurch in dem Boot etwas „verloren“ fühlen . Wirklich nachteilig gegenüber einem „flachen“ Kajak ist dabei, dass man beim Paddeln öfter mal gegen das seitliche Oberdeck im Kniebereich schlägt und deshalb eine höhere Paddelführung notwendig wird, die nicht jedem Paddler liegt.

Jetzt aber noch kurz zu den Fahreigenschaften im Wildwasser:

Aufgrund seiner Form ohne ausgeprägte seitliche Kanten lässt sich das Boot sehr leicht Eskimotieren. Da ich es nur bei einer Testfahrt im Kanupark Markkleeberg ausprobiert habe, fehlen mir Eindrücke vom Auftauchverhalten nach hohen Stufen.

Beim Durchfahren von Walzen wurde der Cali aufgrund der schlanken Bootsspitze kaum abgebremst, er liess sich mit einem Boofschlag gut über Rückläufe hinüberziehen, ohne dass das Boot überhaupt ins schäumende Wasser eintauchte.

Das große Volumen in Bug und Heck in Verbindung mit dem abgerundeten Unterschiff brachte den Cali souverän über Turbulenzen und durch Verschneidungen, ohne dass er zu irgendeinem Zeitpunkt kippelig oder nervös reagierte. Kehrwasser ließen sich sehr zielgenau anfahren, trotzdem ist das Kajak wendig und agil.

Zusammengefasst ist der Prijon Cali ein gelungenes Update des Pure XL, eine gute Wahl für große und schwere Wildwasserpaddler, die ein Boot für ein breites Spektrum im Wildwasser vom mittleren bis hohen Schwierigkeitsgrad suchen und dabei keine Kompromisse bei der Zuverlässigkeit des Materials eingehen möchten.

Technische Daten:

Material: Geblasenes Hochleistungsthermoplast (HTP)

Länge: 267 cm

Breite: 68 cm

Gewicht: ca 23 kg

Volumen: 338 Liter

Sitzluke: 86 x 51 cm

Empfohlenes Paddlergewicht: 75 bis 115 kg

Weitere Infos auf der Website von Prijon

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