Patient Playboater

Autor: Jan-Peter
22.05.2011
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Aprés-Kajak Kolumne: Patient Playboater

Louis Pasteur verdanken wir die Tollwutimpfung. Robert Koch hat mit seinen Forschungen geholfen, die Cholera auszurotten. Und die amerikanischen Militärärzte im zweiten Weltkrieg haben herausgefunden, dass man Lungenentzündung mit Penicillin behandeln kann.

Aber an einer Krankheit beißt sich die medizinische Forschung bislang die Zähne aus. Man weiß nicht genau, ob sie übertragen wird oder vererbt, die Behandlungserfolge sind sehr unterschiedlich, und die Patienten dieser Krankheit sind häufig gar nicht in der Lage zu erkennen, dass sie an einem schweren Gebrechen leiden. Die Rede ist vom Playboatfahren im schweren Wildwasser.

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Letztes Wochenende musste ich wieder Dutzende dieser unglückseligen Gestalten ansehen - und anhören.

Die von den Wildwasserströmungen diktierte nahezu unkontrollierte Befahrung eines Kataraktes durch einen Playboater hat für mich immer etwas Zauberbergmäßiges, es wirkt im übertragenen Sinne wie das finale Röcheln eines unheilbar Lungenkranken.

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Die bunten Partyhelme, kurzen Boardershortys in grellen Farben und wenn nicht Barfuß dann Adiletten an den Füßen, die eine dieser Patientengruppen am Wochenende trugen, sind entweder ein Überbleibsel von Techno-Partys oder haben etwas mit den mittelalterlichen Pesthüten zu tun.

Und dieses Überlegenheitsgefühl des Playboaters, sein "Ich-mach-den-cooleren-Sport"-Grinsen, ist ein auch bei anderen Krankheiten durchaus üblicher Mechanismus der Uneinsichtigkeit: Das Leiden ist so groß. so existenziell, dass der Kranke einfach von sich behauptet, er sei ja gar nicht malad.

Es gab einmal Zeiten, das will ich durchaus zugeben, da galt Playboaten im Wildwasser als hip und lässig und damit als gesund. So wie in der Renaissance die Fettleibigen nicht als Kranke, sondern als besonders  reiche und besonders einflussreiche Menschen angesehen wurden. Aber die Renaissance ist gut 500 Jahre her - ich hoffe, es braucht nicht so lange, bis auch der Morbus Playboat im Krankheitenkatalog der Weltgesundheitsorganisation seine Ziffer hat.

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Meine Meinung war ja, dass mit dem Aufkommen der Creekboote die Playboat-Plage besiegt werden würde. Mittlerweile ist sie ja im Wildwasser auch schon weitgehend eingedämmt, aber noch lange nicht besiegt.

Diese Kolumne entstand in enger Anlehnung an die Aprés-Ski Kolumne im Skimagazin 02/2011

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