1. Deutsche Meisterschaft im Wildwasserextrempaddeln

Autor: Malte Schröder
23.10.2015
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3. Deutscher Wildwassercontest

1. Deutsche Meisterschaft im Wildwasserextrempaddeln

Samstagmorgen mitten im Oktober. Sichtweite unter 50 Meter, gefühlte 3°C. Das Leben in Hildesheim steht noch still. Nur direkt an der Wildwasseranlage Bischofsmühle hallen Rufe durch den Nebel. Es werden Stromkabel verlegt, Lautsprecher aufgehangen, die Kaffemaschine gurgelt. Nach und nach werden immer mehr Zelte aufgebaut, der Kampf gegen Regen und Kälte ist auf einem guten Weg. Immer mehr Menschen werden es.

Nach den Organisatoren der Kanu und Segelgilde, denen des Kanuschulungszentrums in Hildesheim und dem Verantwortlichen des Landeskanuverbandes kommen nun auch Händler in die entstehende Zeltstadt.

Nils Trojak baut die Holzhütte des Streetwear Labels „White Water Wear“ auf, Gunnar Kühn errichtet seine mobile Version des größten Kanuladen Deutschlands.

Auch die Wiese, auf der alle Testboote stehen sollen, füllt sich mehr und mehr. Insgesamt finden sich dort um 9 Uhr morgens dann 20 Boote von 5 verschiedenen Firmen.

Viele versuchen später die Unterschiede von Lettmanns XL Granate und dem Ace of Spades zu erfahren, testen den Jackson Rockstar auf Norddeutschen Wellen und Walzen Verhältnissen oder suchen sich neue Möglichkeiten von Riverunnern für die Wildflüße des Nordens.

Dann schallt zum ersten Mal an diesem Wochenende Musik über das Gelände, etwas gemächlich noch, schließlich ist es noch morgens.

Eine Stimme ruft zum „Riders Meeting“, also zum Treffen aller Fahrer im Versorgungszelt auf.

Um 10 Uhr wird es soweit sein: Die erste Deutsche Meisterschaft im Wildwasserextremrennsport beginnt.

Lange haben die Verantwortlichen des Landeskanuverbandes darauf hin gearbeitet, dass es soweit kommen kann.

Die recht neue Trendsportart habe olympisches Potential so LKV Referent Malte Schröder bei der Eröffnung des Wettkampfes.

Schnell werden alle Regularien des Wettkampfes erklärt sowie auch die Reihenfolge der Rennen für diesen Samstagmorgen. Mit dem Sprint beginnt die Meisterschaft um 10:30 Uhr morgens. Fast 50 Teilnehmer sind es, die jetzt innerhalb von einer Stunde von der Rampe in die knapp eine Minute dauernde Sprintstrecke starten müssen.

Die Bischofsmühle zeigt sich schnell als tükischer Gegner, einige haben Probleme mit der Eingangsstufe, manche Favouriten müssen gar hier schon ihre Favouritenrolle abgeben und gegen die des Verfolgers eintauschen, so sehr verschluckt das Schrägwehr einige Paddler.

Ob die Fahrer gut trainiert haben zeigt sich im Flachstück zwischen der letzten Stufe und dem Ziel, hier sind es rund 10 Sekunden Sprint, die zwischen Platz 1 und Platz 10 entscheiden können. Die ersten 10 kommen weiter und dürfen sich auf den nächsten Sprint am Sonntagmorgen freuen.

Doch soweit denkt zu diesem Zeitpunkt kein Teilnehmer. Direkt nach dem Sprint gibt es wieder Zeit für alle auf der Strecke.

Bei diesem Wetter ist das Wasser in jedem Testzeitraum voll, schließlich wird man eh auch am Land nass und dann geht der Kanute doch lieber paddeln als sich beregnen zu lassen.

Eine Stunde später müssen die Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft wieder ran: Auf der Strecke hängen nun 6 Tore, 4 Grüne und 2 Rote. Die Regeln sind so bekannt wie einfach: Rot Aufwärts (zur Strömung), Grün abwärts – wer ein Tor verpasst, der muss mit der Strafe von 50 Sekunden leben.

Eine Berührung des Tores zieht keine Strafe nach sich, schließlich finden wir uns hier im Wildwasserslalom wieder und wollen uns nicht um „Mikroberührungen“ streiten.

Plötzlich haben andere Paddler die Nase vorn. Waren es eben noch die Wildwasserabfahrer und die Rennsportler die in vielen Kategorien ganz vorne mit dabei waren, da sind es jetzt vor allem die Slalomfahrer.

Andere müssen mit den Konsequenzen von nicht ganz optimalen Linien leben, manche rutschen an Toren vorbei und müssen mühsam wie auch zeitraubend im Kehrwasser zurück zum Tor fahren, andere schießen in falscher Richtung durch Tore hindurch.

Doch nicht nur Leistungssport soll an diesem Wochenende im Wettkampf betrieben werden.

Am Samstagmittag finden alle Kinder unter 14 Jahren die Möglichkeit an einem Wettkampf teilzunehmen. Die Strecke wird professionell abgesichert, viele der Kinder fahren überhaupt ihren ersten Wettkampf, manche fahren zum ersten Mal die Bischofsmühle herunter.

Den meisten ist nach der ersten Nervosität nichts mehr anzumerken. Sie fahren wie kleine Profis die Strecke herunter und kämpfen um die besten Zeiten.

Im Finale geht es dann um mehr: Ekü Sport stellt für die ersten Plätze Preise zur Verfügung, Es winken Paddeljacken, Neoprenbekleidung und T-Shirts. Für viele der Kinder ein Ansporn in der zweiten Runde noch mehr Gas zu geben.

Samstagnachmittag, gerade zu der Zeit als die meisten Zuschauer sich an der Wildwasseranlage einfinden (durch Radiointerviews und Zeitungsartikel hatten viele Hildesheimer von dem Event gelesen und waren nun interessiert an der Strecke), startet die Deutsche Meisterschaft mit der Königsklasse: dem Boaters Cross.

Gemeinsam mit dem Sicherheitspartner für den Kanusport, °HF hatten die Veranstalter hier eine Strecke gesteckt, die die Teilnehmer forderte und die Zuschauer unterhielt.

Auf dem Weg vom Start bis ins Ziel mussten 2 große Bojen umrundet werden und im Ziel dann eine Dritte angeschlagen.

An der Strecke herrschte zuweilen Stimmung wie im Dortmunder Fußballstadion. Die Zuschauer schlugen auf die Metallzäune, klatschten und feuerten die Sportler an. Gänsehaut Atmosphäre pur.

So mancher Sportler schaffte es mit dieser Unterstützung das Rennen noch einmal in seinem Sinne umzukehren.

Nach einem anstrengendem Tag ging es erstmal zurück zum Zeltgelände des KSG Hildesheim, wo in der Veranstaltungshalle bereits DJ und Band ihr Equipment aufgestellt hatten.

Doch bevor die Party beginnen konnte mussten zuerst alle Gewinne, gesponsert von den vielen Sponsoren des Events, hier wären dankend Lettmann, Ekü Sport, Palm, HF, Kanusport Thomas, White Water Wear und viele lokale Sponsoren zu nennen, verlost werden.

Jeder Teilnehmer durfte sich über einen Gewinn freuen, niemand ging mit leeren Händen nach Hause.

Nach einer durchfeierten Nacht ging es Sonntag dann früh wieder los. Die Halbfinals standen an. In allen drei Klassen müssen sich die Teilnehmer ins Finale durchsetzen. Nur die Top 5 dürfen am Sonntagnachmittag im großen Finale starten.

Bei bestem Herbstwetter, am Sonntag hat sich sogar die Sonne Zeit für den Contest genommen, hatten noch mehr Teilnehmer als am Samstag die Möglichkeit die Testboote auf der Strecke zu testen und an den Rennen teilzunehmen. 

Nach einem unterhaltsamen Topo Duo Rennen, bei dem 16 Teams an den Start gingen um das schnellste Team des Wochenendes zu finden, ging es dann um 15:30 Uhr an das Finale.

Hierfür hatten sich die Veranstalter etwas besonderes ausgedacht: Die Paddler wurden maximal gefordert. In allen drei Kategorien (Slalom, Sprint, Boaters Cross) mussten sie binnen einer Stunde starten.

Jeweils im Wechsel der Altersklassen kam hier ein spannendes und forderndes Rennen zustande. Die Entscheidung wurde in vielen Klassen erst in der letzten Kategorie, dem °HF boaters Cross, gefällt.

Hier entschied im Rennen Boot gegen Boot wer nachher auf dem Treppchen stehen durfte.

Insgesamt war das Wochenende für alle Paddler ein tolles Erlebnis, die Bischofsmühle in Hildesheim stand endlich mal wieder im Fokus der Paddelwelt und konnte beweisen, dass auch hier eine tolle Zeit im, auf und am Wasser verbracht werden kann.

Wir freuen uns auf das nächste Jahr, wo es am 16.-18.9.2016 wieder heißt:

Kommt nach Hildesheim zum 4. Deutschen Wildwassercontest!

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