Erfahrungsbericht Murg

Autor: Jochen Stähle
31.12.2021
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Erfahrungsbericht Murg


 - Ein nasskalter Herbsttag, kalt und verregnet. Kein Wetter, um auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen – KRASCH! Paddlers Sonnenschein! Die Murg braucht nasskaltes Wetter, ergiebigen Regen, um Wasser zu führen – je mehr, desto besser. Erst läuft die Untere, bei ergiebigen Regen auch mal die Mittlere Murg! Die Untere Murg ist auch schön – die Krönung für Paddler ist und bleibt jedoch die Mittlere Murg!
Um auf der Murg einen guten Paddeltrip zu haben, müssen verschiedene Faktoren (Pegelstände, Wetter, Zeit) zusammenpassen. Das Besondere an der Murg ist, dass sie meistens nur für einen sehr kurzen Zeitraum im Winterhalbjahr läuft, dann aber alpines Wildwasser in einem beeindruckenden Schwarzwaldtal bietet!

Die Murg läuft – der Startschuss für alle Paddler zwischen Freiburg, Stuttgart, Karlsruhe; aber auch von weit entlegenen Orten. Eine komplette Murgbeschreibung findet ihr hier bei soulboater – ich skizziere euch kurz, wie so eine Fahrt aussehen kann.

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Die Murg läuft.“ Dieser Satz verbreitete sich in rasanter Geschwindigkeit unter meiner Paddler - Clique. Schlussendlich hatten aber nur ich und ein Freund montags Zeit.

An dem Morgen war es sehr kalt! Zu Hause checkten wir noch mal den Pegel – 35m^3 auf der Mittleren – perfekt! Schon bei der Anfahrt, von Rastatt der Murg entlang hoch nach Forbach, beobachtet ich emsig die schwarz-braune Masse, die sich träge das begradigte Bachbett hinunterschaukelte – es ließ sich nur von Paddler erahnen, welche Hürden das Wasser schon genommen hatte. Auch die Stimmung und Atmosphäre in dem Tal ist an so einem Tag einzigartig: die Talstraße steigt stetig an, auf beiden Seiten hohe, bewaldete Berge, die Wolken hängen tief und der Regen peitscht gegen die Scheiben.

Die Murg läuft.“ – und wie, wenn die Mittlere geht, heißt das aufgepasst.
In einem alten Flussführer steht: „…Kirschbaumwasen: spätestens hier sollte sich die Spreu vom Weizen trennen.“ Die Murg hat viele Gesichter und alleinig der Wasserstand heute entscheidet, welches Gesicht sie uns zeigt: spielerisches Paddlervergnügen oder Höllenritt.

Die Einsatzstelle, unterhalb des Wehres Kirschbaumwasen, ist beeindruckend. Im Hintergrund fällt das Wasser in das Flussbett – jeder Tropfen des nassen Glücks wird einzeln sichtbar. Wir checken nochmals unsere Ausrüstung, steigen auf der Uferbebauung in die Boote ein und rutschen die Schräge Uferbefestigung hinunter. Im Kopf blitzt es auf:
DIE MURG läuft!!!

Eine beeindruckende Kulisse empfängt uns: es regnet, die Tropfen klatschen von den schwarzen Tannen über dem Ufer direkt ins Wasser, Nebel zieht das Tal hinauf und einzig und alleine die weißen Schaumkronen weisen den Weg durch die Finsternis.

Der Anfang ist paddeltechnisch einfach, die Schwierigkeiten nehmen aber ab hier stetig zu. Höhepunkte sind ein langer verblockter Katarakt, das Karussell, Graffity-Felsen, usw.
Es geht Stufen hinunter, durch nicht einsehbare Katarakte hindurch. Beeindruckend ist die trüb – schwarze Wasserfarbe; wohl einmalig für den Schwarzwald. Immer mal wieder steigen wir aus, kommen mit dem schwarzen – Wald und Ufer in Kontakt.
Alles wirkt sehr urig-schaurig; alleine die Trolle am Ufer fehlen, um sich sicher zu sein: hier sind wir in der Unterwelt angekommen.
Und bei dem wilden Geschaukel, paddeltechnischen Herausforderungen und dem Adrenalin im Blut wird klar: die Anstrengungen haben sich gelohnt.

Bei unserer letzten Fahrt wartete ein kleines Weihnachtsgeschenk am Ende der Tour auf uns: Beim Zufluss der Murg in den Stausee in Forbach leuchtete am Ende des Sees, und damit dem Ausstieg der Tour, ein großer Weihnachtsbaum mit Kerzen – dieser markierte das Ziel der Fahrt und ein helles Licht im „schwarzen Wald“.

Dies ist kein Märchen aus alten Tagen oder entfernten Orten – ihr findet es gleich hinter der Haustür, hier in Süddeutschland.

Jochen Stähle


Paddler:  Daniel Strauss, Jochen Stähle
Fluss:   Murg (Schwarzwald, D)
Strecke: Kirschbaumwasen bis Stausee Forbach, bei ca. 35-40m^3 = ca.WW IV
Befahrungsdatum: 10.12.2007

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