Im Praxistest: Der Finkenmeister von Robson

Autor: Martin Breu
31.05.2008
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 - Der Robson Finkenmeister ist zur Zeit der einzige Wildwasser- und Creek C1 aus Plastik auf dem Markt.

 

Erster Eindruck:


Schon auf den ersten Blick fällt die sehr ungewöhnliche Form des Bootes auf. Während der Bug mit seinem grossen Volumen und dem stark gewölbten Deck den gängigen Creekkajaks ähnelt, ist das Heck ganz anders. Etwa 30 cm hinter dem Cockpit nimmt das Volumen kontinuierlich ab und läuft recht spitz und lang aus.
Auch das Unterschiff hat eine sehr eigenständige Form.
Der Boden ist nicht ganz flach sondern leicht gerundet und geht mit einer scharfen Kante in eine stark gegen aussen angewinkelte Seitenwand über. Während das Boot an den Kanten gemessen sehr schmal ist, ist die maximale Breite mit über 70cm sehr gross.
Während der Bug, wie bei Creekern üblich, einen hohen Kielsprung hat und stark abgerundet ist, laufen die Kanten in der Mitte parallel und sind dann bis ins Heck gezogen. Der Kielsprung im Heck ist deutlich kleiner als im Bug.

 

Ausstattung, Material:


Hier ist der erste Eindruck etwas gemischt. Das Bootsmaterial macht einen guten Eindruck und ist auch nach 5 Jahren Einsatz immer noch 1 A. Der Sattelsitz ist schön breit und bequem, der Knieblock funktional. Der verwendete Schaum dürfte etwas steifer sein. Die Hüftpolster sind allerdings viel zu gross geraten und behindern den schnellen Ausstieg, da man mit den Fersen daran hängen bleibt. Verankerungsmöglichkeiten fuer Schenkelgurte fehlen völlig.

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Fahreigenschaften

Was einem beim ersten Paddeln des Bootes auffällt ist die starke Hecklastigkeit des Bootes im Anlieferungszustand. Die Sitzposition sollte, je nach Gewicht und Vorliebe des Paddlers, um mindestens etwa 5 cm nach vorne versetzt werden.

Wenn der Trim dann mal stimmt, fällt einem als nächstes auf , dass sich das Boot recht ähnlich wie ein Slalomboot fährt. Es hat präzise Führung durch die Kanten, und lässt sich bei entsprechender Technik und mit dem nötigen Gewicht auch wie ein Slalomboot übers Heck pivotieren, allerdings wesentlich flacher eintauchend.
Die Anfangsstabilität ist, bedingt durch den schmalen Boden, geringer als man auf Grund der Gesamtbreite vermutet, aber die Endstabilität ist einwandfrei.

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Im Wildwasser fällt einem auch sofort auf, dass der Finkenmeister aktiv von vorne gepaddelt werden will. Heckkorrekturschläge mag er nicht, Aber er reagiert  sehr feinfühlig auf Steuerschläge im Bug. Eine gute Übergriffstechnik ist bei diesem Boot Pflicht, wenn man das volle Potential aus ihm herausholen will.
In leichtem und mittelschwierigem Wasser macht technisches Paddeln viel Spass, bei leichter Vorlage werden die Kanten im Heck entlastet und dadurch wird die effektiv wirkende Wasserlinie des Bootes deutlich verkürzt.
Dadurch lässt sich das Boot für seine Länge auszeichnet drehen, sowohl durch Spins bei flachgehaltenem Boot als auch durch Carven. Kehrwasser lassen sich sehr präzise anfahren.
Fürs Traversieren von Strömungen können mit leichter Rücklage die Kanten im Heckbereich zur Verbesserung der Führung sowie zur Maximierung der Endgeschwindigkeit  eingesetzt werden. Der Finkenmeister beschleunigt sehr schnell und hat eine für seine Länge hohe Endgeschwindigkeit. Er booft ausgezeichnet, was in Anbetracht des langen Hecks und relativ niedrigen Kielsprungs in diesem Bereich etwas erstaunt.

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In Wuchtwasser ist er in seinem Element, wenn der Trim erstmal stimmt. Nach  Stufen taucht er bedingt durch das grosse Volumen im Bug sowie durch die starke Wölbung im Deck sehr schnell und kontrolliert auf. Das kleine Heck führt manchmal zu leichtem Absinken in Walzen, aber das ist meist ein Vorteil, dann das Heck sinkt nur gerade tief genug, um die abfliessende Strömung zu erreichen und einem dadurch einen Zusatzschub zum Entkommen zu geben, aber nicht genug um einen Überschlag zu verursachen.
Durch die stark angeschrägten Seitenwände haben Verschneidungen und Pilze kaum eine Möglichkeit um das Boot zu destabilisieren, und dank des grossen Volumens bleibt das Boot so gut wie immer an der Oberfläche, wodurch man sich voll auf die zu paddelnde Linie konzentrieren kann.

Im steilen und engen Creeks kommt wieder das präzise Fahrverhalten sowie die Wendigkeit zum Zuge, Landungen von hohen Stufen sind weich und kontrolliert, kleine Kehrwasser lassen sich sauber erwischen, ein oder zwei Paddelschläge reichen aus, um aus einem Kehrwasser zu beschleunigen und über eine giftige Stufe zu boofen. Einzig auf langen Rutschen heisst es auf die Kanten zu achten , um nicht hängenzubleiben. Auch gilt es aufzupassen dass man Stufen nicht rückwärts befährt, da von dem langen und recht schmalen und spitzen Heck eine gewisse Steckgefahr ausgeht.


Spielpotenzial:

Durch das Konzept bedingt ist es sehr begrenzt. Das Boot ist ein ausgezeichneter Frontsurfer, aber viel mehr als etwas Carven liegt auf der Welle nicht drin. In einer Walze kann man gut Sidesurfen und zum Teil Spinnen, wobei einem dies aber durch das stark asymetrische Design nicht gerade einfach gemacht wird.
Aber ‘Old School’ -Moves wie Kerzen u.a. lassen sich gut ausführen und machen wesentlich mehr Spass und schauen auch spektakulärer aus als im Playboat.

 

Rollen:

In der Originalausstattung ist das Boot, bedingt durch die fehlenden Gurte, extrem schwer zu rollen, da die Hüftstützen einen nur ungenügend im Boot halten und man im Falle einer Kenterung gleich anfängt rauszurutschen. Wenn man beim ersten Anlauf die Rolle nicht schafft, wird es schon sehr schwierig, wenn man auch den zweiten vermasselt, schon fast unmöglich. Der Einbau von Schenkelgurten ist deshalb absolut zu empfehlen, um den für gute Bootskontrolle notwendigen Bootskontakt zu erhalten. Die Hüftstützen erfüllen ihre Aufgabe nicht und erschweren nur den Ausstieg, sie sollten durch bessere Lösungen ersetzt werden.

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Fazit:


Der Robson Finkenmeister ist ein sehr empfehlenswertes Boot das seine Stärken vor allem im Wuchtwasser und auf Creeks ausspielt und auch für oberste Schwierigkeitsgrade geeignet ist.
Es hat aber Schwächen in der Ausstattung, die, wenn vom Besitzer korrigiert, den Spass am Boot jedoch nicht nachhaltig trüben können.

Martin Breu

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