InnTour von Stefan Luetz vom Morteratsch Gletscher bis Muenchen

Autor: Lütz & Soulboater
14.08.2001
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Ein Tagebuchbericht der Tour auf dem Inn und einigen Nebenbächen

Samstag, 04.08.01 - Es geht los mit dem Zusammenpacken der Ausrüstung, Beladung des Autos und Abfahrt in Lengries. Waldi Felsel und Stefan Lütz starten ins Engadin, die Fahrt ist aufgrund des schlechten Wetters, Aquaplaning und so weiter leicht abenteuerlich, die Spannung auf die Wasserstände im Engadin wird allerdings dadurch noch um ein vielfaches verstärkt... Übernachtet wird dann im Auto am Eingang zur Ardezer Schlucht und das Wasser rauscht gewaltig in dieser Nacht...

Sonntag, 05.08.01 - Im Morgengrauen traut Stefan seinen Augen nicht - Hochwasser, braune Wassermassen bewegen sich durch die Schlucht, Bäume am Ufer stehen unter Wasser. So voll kennt er den Bach noch gar nicht und sofort wird Freundin Waldi geweckt um ihr begeistert davon zu erzählen. Leider ist es da 6 Uhr morgens und sie überhaupt nicht darüber erfreut. Weiter geht es nach Brail, um am Campingplatz nach potentiellen Mitpaddlern zu suchen. Andreas Hotter, Gabi und Klaus Herkschröter sind die, nach denen Stefan sucht. Nach dem Frühstück geht es runter zur Giarsun, das Team setzt in der Susasca ein um einen heissen Bobbahnritt hinab bis zu den Fluten des Inn zu genießen. Waldi wartete an der Mündung und steigt dort dazu. Andreas und Stefan treffen nach der heftigen Fahrt auf Waldi und Klaus, Stefan lädt Ballast in sein Boot um einen Probelauf für die anstehende Gepäckfahrt zu proben und sie schiessen mit den Wassermassen des Inns zu Tal. Trotz des schweren Gepäcks verhält sich Stefans' Cerro kontrollierbar und gutmütig, wenn auch etwas träger als gewohnt. Waldi fühlt sich nach anfänglicher Nervosität in ihrem Salto ziemlich wohl, bricht aber bei der Ortschaft Giarsun ab. Wasserwucht und Geschwindigkeit sind enorm, angespülte Felsen und Bäume zwingen das Team zu einer linientreuen Fahrweise. Das Trio arbeitet perfekt und sie geniessen die Fahrt trotz der durch das viele Wasser ausgelösten natürlichen Anspannung und erreichen bald den Ausstieg bei Ardez. Am Camping wird das Schiff mit allem Material für die Tour beladen, während Andreas und Waldi die Wasserstände im Valembertal abchecken. Mit Andreas fährt Stefan noch am Abend die Brailschlucht, und diese entpuppt sich dank der enormen Wasserführung als äusserst wuchtig und schnell, aber immer noch fair. Es kommt ihm sogar leichter vor als die Giarsun beim selben Wasserstand. Gutgelaunt erreichen sie den Ausstieg und lassen den Abend am Lagerfeuer mit einigen Neuseeländern ausklingen.

Montag, 06.08.01 - Nach sternenklarer Nacht (Rauhreif am Boden) erstmal Frühstück und Fahrt zum Morteratschgletscher. Die Befahrung der Bernina wurde aufgrund von Wassermangel gecancelt. Gegen 11:30 Wanderung mit den Booten im Schlepp das Tal hinauf. Der Himmel ist bedeckt und und eine kleine Wanderung am Gletscher verkürzte das Warten aufs Wasser. Unten am Gletschertor angekommen wird eingebootet, das Wasser ist mit 0-1°C saukalt, Eisbrocken befinden sich auf den ersten 200m, schon wird die Strömung schneller, das Gefälle nimmt zu und die Fahrt beginnt. Aufgrund des leichten Sauerstoffmangels auf 2000m Höhe kommt Stefan schon nach wenigen hundert Metern aus der Puste. Der Flußverlauf zwingt immer wieder zur gründlichen Besichtigung. Der Schmelzwasserstand ist imzwischen deutlich gestiegen, die Verblockung, das Gefälle und die Wasserwucht nehmen deutlich zu und die Geschwindigkeit ist enorm. Bald erreichen sie die Eisenbahnbrücke Rädlesbahn, die Steilabbruchzone unter der Strassenbrücke wird umtragen. Ebenso die verwinkelte Stufe, die theoretisch fahrbar ist, aber wegen des hohen Wasserstandes ebenfalls ausgelassen wird. Die Fahrt wird bis zur Pontresinaklamm fortgesetzt, die Klamm wird mit dem Auto "umfahren" und Stefan setzt die Fahrt nach der Pontresinaklamm mit vollbeladenem Boot auf dem Rosegbach fort, der nach wenigen Metern auch in die Bernina mündet. Nachdem der Inn und das Gletscherwasser in den Seen von St. Moritz aufgewärmt und aufgehellt (trüb) werden, nimmt der Inn und die Fließgeschwindigkeit durch das dortige Gefälle enorm zu. Nach der Umtragung des Wehrs bei S-Chanf ist die Durchfahrt durch die S-Chanfer Schlucht, die sich durch Konglomeratgestein auszeichnet, äusserst abenteuerlich und beeindruckend. Vieles muß besichtigt werden, da ein neuer Felssturz mit haushohem Felsen in den Inn gestürzt ist, und einige Erdrutsche in den Fluß und am Ufer abgegangen sind. Neue Durchfahrten sind dadurch entstanden... Am Abend erreicht er sichtlich glücklich den Camping von Capella und beschliesst den Abend mit Hans und Hermann aus Landsberg.

Dienstag, 07.08.01 - Nach dem Frühstück werden die Bootswagen beladen und es geht mit Hans und Hermann ins Valembatal. Das Wetter ist prächtig, die Landschaft genial und die spritzige Fahrt verlangt den beiden Landsbergern einiges ab. Nach einem Schwimmer von Hermann, Platzwunde und Paddelverlust wird die Fahrt mit dem teilbaren Reservepaddel direkt am Campingplatz beendet, wo auch schon Hermanns Frau mit fertiger Brotzeit wartet. Danach belädt Stefan wieder sein Boot und es geht mit Hans und Peter Glück durch die Brailschlucht. Der Wasserstand ist etwas unter Mittelwasser und das Gefälle kommt ihm um einiges höher als bei der Befahrung vor zwei Tagen vor. Hans mobilisiert unglaubliche konditionelle Reserven, von denen sich manch 20-30 jähriger durchaus eine Scheibe abschneiden könnte... Die Brailer ist im spätnachmittaglichen Sonnenlicht ein Genuuß und die Fahrt wird beendet. Das Nachtlager wird am Eingang der Ardezer errichtet, für morgen hat Stefan einiges vor...

Mittwoch, 08.08.01 - Nach warmer und trockener Nacht ist der Himmel am Morgen bedeckt. Zuerst steht allerdings eine kleine Stadtbesichtigung in Ardez an, von wo er auch mit Christoph Langer wegen der Outdoor in Friedrichshafen telefonieren will um zu klären wie er dort hin kommt. Bis alles geregelt und das Boot beladen ist, ist es locker Mittag und keine weiteren Paddler sind an der Ardezer zu sehen. So muß die Ardezer im Alleingang langsam angegangen werden. Die ersten Stellen werden problemlos befahren. Bis der Bockschlitz autaucht und großräumig umtragen werden muß. Mit vollgepacktem Boot stellt ihn dies vor ein nettes "kleines" Problem. Um die ganze Sache zu erleichtern versucht er zu treideln. Allerdings verkeilt das Boot zwischen zwei Felsen und läuft voll. Das Boot wird mit einem Wurfsack gesichert und mit einem fetten Flaschenzug bekommt er es auch schliesslich an Land. Mühsam geht es am linken Ufer weiter und nach einer Stunde ist der Job getan. Im Vergleich zu einer früheren Befahrung dauert eine normale Umtrageaktion keine 15minuten... Drei weitere Stellen werden danach umtragen, die allerdings mit Absicherung und leeren Booten kein allzugroßes Problem darstellen, aber es macht trotzdem Laune. Nachdem die Höchstschwierigkeiten nachlassen kann er wieder Strecke bis zum Wehr von Scuol paddeln. Dieses wird ebenfalls großräumig links umtragen und durch die hohen Wasserstände der vergangenen Tage wird hier viel Wasser abgelassen, die Befahrung wird auf interessantem WW bis zur Ortschaft Pfunds fortgesetzt. In der Finstermünzer Schlucht gibt es wieder satte Schwierigkeiten, der Eingang wird wieder umtragen und im Ausgang fährt er die Chickenline... selbst in der Chickenline gibt es einen satten Überschlag, zu beachten, dass das Boot vollgepackt und richtig schwer ist... Den Abend verbringt er bei Neill Taylor, wo er auch sein Boot für ein paar Tage einlagert.

Donnerstag, 09.08.01 - Montag, 13.08.01 - Outdoor Messe in Friedrichshafen, wo Stefan sich dem fragenden Fachpublikum am Langer Stand stellt...

Dienstag, 14.08.01 - am Morgen des heutigen Tages geht es auf die Rosanna. Nicht mit vollgepacktem, sondern mit leerem Boot. Da Neill Taylor heute frei hat wird die Rosanna bei schönem Wasserstand gefahren. Die Waldschlucht geht super, nur sollte auf Bäume im Bach geachtet, und das inzwischen völlig zerfallene Wehr aufgrund von Eisen umtragen werden. Alles läuft prima und Stefan setzt seine Fahrt auf dem Inn danach fort. Die Wehranlage vor der Landecker Schlucht wird rechts umtragen und bis zur Strassenbrücke von Urgen, wo er Ulf Sommers Auto stehen sieht und darauf hofft, mit ihm die Landecker Schlucht fahren zu können. Doch Ulf ist schon fort und Stefan checkt erstmal die Linie der ersten schweren 500m der Schlucht nach der Ideallinie ab. Nachdem eine Gruppe von drei österreichischen Playboatern vorbeipaddeln sprintet er sofort an den Einstieg, und heizt den drei Bootfahrern auf seiner Ideallinie durch die großen Brecher hinterher. Bis zur Mündung der Sanna wird gemeinsam gepaddelt - Stefan gemütlich in seinem vollgepacktem Boot, die drei Playboater wheelen dagegen die gesamte Strecke runter... Weiter geht es bis nach Imst, wo er am Rafteinstieg ausbootet, sein Boot in der Scheune verstaut und sich zu Fuß auf den Weg zur Lemmingtours Base macht um dort zu übernachten. Dort schmiedet er auch gleich neue Pläne um zum baldigen Eskimo Pro Team Treff in die USA zu fahren, welches Oli Dose organisiert.

Mittwoch, 15.08.01 - Am morgen versucht er einige Dinge zu organisieren, kommt aber wegen des Feiertags nicht sonderlich weit. Weiter geht es bei schönem Wetter in Begleitung von einigen Rafts mit kreischenden Actiontouris zunächst bis nach Haiming, wo er dann den Verantwortlichen der Raftcompanys über Rescueworkshops berichtet, die er in der nächsten Zeit abhalten wird. Die Workshops sind international anerkannt und sollen den neuen Standard in Sachen Retten und Bergen in strömendem Gewässer und Verhaltensweisen lehren. Plätze sind noch frei, der Kurs findet in Landeck / Tirol vom 21.8 - 23.8 statt und kostet 550.-DM. Infos bei Stefan Lütz unter 0049 173 2937111 oder Neill Taylor 0043 664 4826902. Der Lehrgang dauert drei Tage und danach gibt es eine Prüfung und Zertifizierung. Spätere Termine gibt es bei Stefan Lütz. Die Fahrt wird von Haiming aus wieder aufgenommen und er schliesst sich einem österreichischen Kajakguide und 4 Anfängern an. Die Fahrt ist recht chaotisch und des öfteren übt er sich zusammen mit dem Guide als Fischer. Immer wieder sieht man dabei die Möglichkeiten, die man als Guide hat einen Schwimmer aus einem schnellfliessenden Gewässer zu bergen. Danach fährt er mit dem Guide nach Sagel, wo die Paßstrasse nach Leutasch beginnt. Das nächste Ziel ist die Isar, da es ja nach München gehen soll. Leider entscheidet er sich dabei für die falsche Route um nach Leutasch zu kommen. Anstatt mit dem Bootswagen der Paßstrasse zu folgen, wählt er den Weg über das Kochental. Der Wanderweg wird dabei immer schlechter und am Ende steht er mit dem vollbeladenen Boot und Bootswagen vor einem Steig. Das Boot muss nun mühsam den Hang hochgezogen werden und auf halber Strecke baut er sein Biwaklager für die Nacht auf...

Donnerstag, 16.08.01 - Nach einer lauwarmen Nacht setzt Stefan seinen Marsch im frühen Morgengrauen fort, der Steig verwandelt sich nun aber in einen Klettersteig. Stefan stellt sein Transportsystem um, packt das Zeug aus dem Boot in seinen Rucksack und knechtet den Weg sherpamäßig bis zur Paßstrasse hinauf. Da geht es dann auch wieder flott bis nach Leutasch weiter. In Leutasch bootet er dann endlich wieder ein, die Leutasch führt ein Mindestwasser und er fährt bis zur unfarhbaren Leutaschklamm. Dazwischen liegen viele Blockwurfwehre, denen äusserste Vorsicht geboten werden sollte, auch bei viel Wasser!!! Danach wird das Boot wieder auf den Wagen geschnallt und es geht weiter bis nach Mittenwald, wo er wieder einsetzt und auf der Isar bei gutem Mittelwasser bis zur Wasserableitung in Gründen paddelt. Alle Wehre zeigen sich nach dem Scouten als fahrbar. In Gründen kommt er an eine Wasserableitung und von da an muss er aufgrund des Wassermangels teilweise treideln. Dann zieht ein schweres Gewitter auf: der Himmel verfärbt sich teilweise total und und farbenprächtiges Naturschauspiel ist zu sehen. Das nahende Donnergrollen und der einsetzende Regen stacheln ihn allerdings zum Renntempo an. Gegen 21.00 erreicht er Vorderriß, wo er im Gasthof zur Post freundlich von Wirtssohn Robby empfangen wird. Robby ist Skifahrer und Alpinsportler und in seiner zusätzlichen Tätigkeit bei der Bergwacht hat er schon vielen verunglückten Paddlern in der Gegend (Rißbach) geholfen...

Die neue AKC Weste die Stefan dabei hat bewährte sich sehr gut, und heute, Freitag 17.08.01 versucht er 60km bis Wolfratshausen zu fahren. Das Ziel stellt München dar, das er auch bald erreichen möchte, denn nächste Woche steht schon der Sicherheitskurs in Landeck an. Bilder wird es bald hier geben, die letzten Infos von Stefan werden in den nächsten Tagen geliefert.

Tagebuch und Text in Stichpunkten by Stefan Lütz,

Ghostwriter & Zusammenfassung by Soulboater.com

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