Interview mit adidas-Sickline Gewinner Alexander Grimm

Autor: Andy Klotz
05.10.2009
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 - Andy Klotz führte noch am Abend des Finaltages der adidas-Sickline WM 2009 ein Interview mit Alexander Grimm, dem amtierenden Olympiasieger im Kanuslalom in Peking 2008 und frisch gebackenen Extreme Kayak World Champion 2009.

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Soulboater: Hallo Alexander, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu Deinem Sieg hier bei der Sickline WM im Ötztal. Hast Du dich speziell auf dieses Event vorbereitet? Ich habe gehört, das einzige was Du bisher im Dickschiff gefahren bist, war die Loisach.


Alexander Grimm: Genau, Loisach, und ganz früher im Jugendbereich mal die Ammer. Das war schon alles, ja. Das schwierigste bin ich echt mit dem Slalomboot gefahren. Bourg St Maurice, und alle anderen Slalomwettkampfstrecken, aber das erste mal so richtig in so ein Plastikboot bzw. Creekboot habe ich mich vor einer Woche gesetzt.

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Soulboater: Warst Du nervös, als Du dich entschieden hast auf der Wellerbrücke gegen die besten der Extremwildwasserszene anzutreten?


Alexander Grimm: Ich konnte es am Anfang gar nicht glauben, daß ich mich jetzt doch irgendwie angemeldet hab. Der Olaf hat halt angerufen, und mich gefragt, ob ich Lust hab, mal mitzumachen, da hab ich mir mal die Videos von der Wellerbrücke angeschaut und auf denen schauts jetzt nicht so schwer aus, aber am Schluss hab ich dann doch gesehen, wo ich mal da war, das ich mich da für was komplett Verrücktes angemeldet habe.

Ich hab dann noch mal den Fabian Dörfler gefragt, der mich auch so ein bisschen einschätzen kann. Er ist ja mit mir lange Zeit in der Nationalmannschaft gewesen, und er hat dann halt auch nur gemeint, es ist einfach nur eine Überwindungssache.

Dann hab ich echt am nächsten Tag ein Boot ausgeliehen, reingehockt, und am Eiskanal trainiert. Wobei, noch nicht mal der Kanal war offen. Ich musste dort im Flachwasser fahren, und die ersten Tests mit dem Boot machen, aber komplett nur auf´m Flachwasser. Wassergefühl habe ich ja und das Gefühl für eine Kante oder was das Wasser macht.

Aber hier geht’s einfach so hart zur Sache. Das Gefälle ist alleine schon so beängstigend, wenn man da so oben am Start steht.

Man hat überhaupt keinen Überblick. Aber so von Lauf zu Lauf wird man immer sicherer. Und jetzt gerade am Wettkampftag, wo so viele Rettungskräfte am Rand stehen kann man sich voll auf seinen Lauf konzentrieren und Gas geben.

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Soulboater: Wie waren Deine Erwartungen hier?


Alexander Grimm: Heil runter zu kommen. Keine Platzierung. Ich bin halt im Vorfeld hergekommen. Das erste was ich gemacht hab, war am Mittwoch die mittlere Ötz einmal zu fahren.

Das war mein erstes Wildwassererlebnis - so richtig. Dann am nächsten Tag zweimal die Wellerbrücke zum Training runter. Das war eigentlich die Vorbereitung.

Ich mochte die Wellerbrücke jetzt auch nicht öfter runter fahren. Du merkst dann einfach, das es schon ziemlich gefährlich ist und mir hat´s dann auch irgendwie gereicht. Dann ging´s am Samstag schon los.

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Soulboater: Wer war denn Deiner Meinung nach dein ärgster Konkurrent?


Alexander Grimm: Das Wasser. Ich war oben am Start gestanden, auch wenn ich jetzt gegen irgend jemanden fahren musste, bin ich nochmal die Strecke im Kopf durchgegangen, weil ich einfach soviel Respekt vor den ganzen Abfällen gehabt habe. Speziell jetzt in der Mittelpassage, wo es dann ja auch einige zerlegt hat. Hier ist es mir auch im Training passiert, daß ich mich einmal rückwärts gedreht hab.

Da hab ich gesehen, daß man durch einen kleinen Fehler riesig Zeit verlieren kann, und entsprechend schnell umkippt. Aber es wurde von Lauf zu Lauf besser und im Finale kam dann der beste Lauf – gutes Timing.

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Soulboater: Wie verbringst Du deine Freizeit, wenn Du mal nicht am Paddeln bist?


Alexander Grimm: Ich gehe Mountainbiken oder Snowboarden, außerdem studiere ich jetzt Maschinenbau seit letztem Jahr also nebenbei neben meinem Sport.

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Soulboater: Interessierst Du dich auch für andere Disziplinen des Kanusports? z.B. Freestyle


Alexander Grimm: Das habe ich noch nie gemacht. Mir würde es auf jeden Fall mehr Spaß machen in den Alpen paddeln zu gehen, als irgendwo in der Waschmaschine am Eiskanal Rodeo zu fahren.

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Soulboater: Könntest Du dir vorstellen, auch mal am Dolomitenmann oder ähnlichen Extremsportevents wie diesem hier teilzunehmen?


Alexander Grimm: Ich habe eine Einladung zum Dolomitenmann schon bekommen, aber zu dem Zeitpunkt war leider gerade die Slalom WM in La Seu d'Urgell, darum konnte ich nicht teilnehmen, aber es wäre schon mal eine Idee.

Da geht’s glaube ich nicht so zur Sache. Sondern da kommt es mehr auf die Kondition an so ca. 30 Minuten Strecke bolzen. Das ist eigentlich für mich ziemlich ungewohnt, normalerweise sind´s bei mir auch bloß 90 Sekunden.

Da werde ich mal mitmachen, aber da hätte ich auf jeden Fall weniger Chancen, als auf solch kurzen Strecken wie hier auf der Sickline. Auf´m Dolomitenmann geht’s ja 30 Minuten lang, da muss man schon richtig im Ausdauerbereich trainieren.

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Soulboater: Paddelt Deine Freundin auch?


Alexander Grimm: Ich habe sie zum Paddeln einfach mal an den Eiskanal mitgenommen, und sie gefragt, ob sie Lust hat mal so ein bisschen rumzupaddeln, und sie fährt jetzt auch schon ziemlich gut. Dafür das sie vielleicht jetzt zehnmal gefahren ist.

Sie fährt schon den etwas wilderen Kanal auf der Jugendstrecke. Da freut sie sich jedesmal, und fragt mich sogar, wann wir denn mal wieder zum Bootfahren gehen. Sie hat erst dieses Jahr angefangen. Vielleicht wird sie sich sogar im Verein anmelden. Aber solche schweren Sachen, da würde ich sie dann von fern halten.


Soulboater: Es gib ja auch einige Mädels, die nicht schlecht Boot fahren.


Alexander Grimm: Da hab ich auch einen Wahnsinns Respekt, vor den ganzen Mädels, die hier starten. Und ich habe gehört, daß schon viele die Wellerbrücke gefahren sind, also alle Achtung!

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Soulboater: Du studierst Maschinenbau. Wird Dein späterer Beruf mal was mit der Kajakbranche zu tun haben? Oder hast Du andere Pläne?


Alexander Grimm: Glaube ich nicht. Ich denke, daß ich da anders orientiert sein werde, den Sport beiseite lasse, wenn ich zu Arbeiten anfange. Das nächste größere Ziel für mich ist 2012 die Olympiade in London. Danach versuche ich dann meinen Bachelor fertig zu bekommen. Irgendwann reicht´s mir dann auch mit dem Kanuslalom. Ich habe jetzt so viel investiert in den Sport. Ich bin ja schon mit 8 Jahren das erste mal im Boot gesessen. Da ist man tagtäglich auf dem Wasser. Da sagt man dann auch irgendwann, es gibt auch noch andere schöne Sachen.


Soulboater: Das wäre auch meine nächste Frage. Wirst Du dem Kajaksport auch nach deiner Karriere als Slalomprofi weiterhin treu bleiben?


Alexander Grimm: Ich würde dann halt andere Sachen machen, die ich jetzt nicht machen kann, weil ich mich dabei vielleicht verletzten könnte. Schon noch Wildwasserfahren oder Mountainbiken. Vielleicht möchte ich auch irgendwann mal zum Paragliden gehen. Einfach Dinge tun, zu denen ich jetzt einfach keine Zeit hab.... .

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Soulboater: Siehst Du deine Profession vielleicht danach im Extremkajakbereich und gehst dann nur noch zum Stürzen.


Alexander Grimm: Nein das nicht. Auf der Wellerbrücke, das ging noch, aber ich habe heut mal geschaut, wie da so manche oberhalb der Wellerbrücke runter fahren. Das wäre mir einfach zu verrückt.

Ich denke manchmal, das hat fast gar nichts mehr mit Paddeln zu tun. Wahnsinn, was die da machen. Aber Hut ab vor den ganzen Kollegen. Ich würde mich da nur langsam ran tasten. Ich würde schon mal gerne so einen Wasserfall fahren. Fünf oder zehn Meter, aber da brauche ich noch ein bisserl Training.


Soulboater: Hattest Du schon mal schlimmes Verletzungspech?


Alexander Grimm: Nein, noch nie. Ich hatte da bisher immer Glück gehabt. Und da bin ich auch saufroh drüber, daß ich bisher durch meine Karriere ohne Verletzungen gekommen bin.

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Soulboater: Hattest Du schon mal einen schweren Schwimmer?


Alexander Grimm: Nein aber ich hatte sogar schon mal mit dem Slalomboot nen Schwimmer gehabt. Aber halt bisher nur auf Slalomstrecken und da kann ja nix passieren. Die Steine sind rund es ist ja meist nur so ne Betonrinne und da kann ja auf gar keinen Fall was passieren.

Deswegen habe ich ja auch hier so viel Respekt vor der Strecke gehabt, weil ich gewusst habe, daß das Wasser zum einen mal saukalt sein wird und wenn ich da Schwimmen gehe, muss ich schauen, daß ich schnell ans Ufer komme. Ich hab da schon fast mit dem Schlimmsten gerechnet....  .


Soulboater: Alexander, vielen Dank für das Interview und alles Gute für deine Zukunft!

Fotos: Andy und Jan-Peter

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